Esoterik
Duftende Botschaften
Es ist eine lange und faszinierende Zeitreise, verfolgt man die Ursprünge des Räucherns zurück. Die Reise führt einige tausend Jahre in der Vergangenheit an die Feuerstellen unserer Vorfahren. Aus ersten, vielleicht zufällig entdeckten Räucherwirkungen, erwuchs das Wissen, wie Kräuter, Harze und Hölzer Geist und Sinne stimulieren können.
Die ganzheitlichen Wirkungen des Räucherns wurden rund um den Erdball auf ähnliche Weise entdeckt und der jeweiligen Kultur entsprechend weiterentwickelt. So entstand hierzulande eine ganz andere Räucherkultur als beispielsweise bei den Indianern in Nord- oder Südamerika. In der katholischen Kirche galten lediglich heilige Kräuter wie Weihrauch und Myrre als erlaubte Räuchermittel, alles andere wurde als Hexenzauber geschmäht. Aber wie so oft in der Geschichte haben beide Richtungen eine Vielzahl von Erkenntnissen hervorgebracht, die gerade heute wieder von großer Bedeutung sind. Eine Fülle von Wissen über den Räucherkult überlieferten die arabische, insbesondere die ägyptische Kultur, und die antiken Völker Roms und Griechenlands. Nicht zu vergessen die Schatzkiste mit fremdartigen Kräutern, Blüten, Dufthölzern, Harzen, Wurzeln und Beeren, die indischer und indianischer Herkunft sind. Abgesehen von der Duftwirkung kann man beim Räuchern also auch immer den Hauch eines fernen Landes oder die Vorstellung eines exotischen Rituals genießen.
Die Sinne öffnen
Räuchern: Auf der Glut verglimmen Kräuter, Blüten und Harze. Ihre feste Form verwandelt sich in graublauen duftenden Rauch. Allein der meditative Anblick macht es leicht, sich vom Alltag zu lösen und die Sinne für den aufsteigenden Duft zu öffnen. Mit jedem Atemzug dringt die Botschaft des Geruchs weiter vor in das innere Land unserer Empfindungen und Gedanken. Dort breitet sich zuerst die intuitive Wahrnehmung aus, um dann auch an den Körper Signale weiterzuleiten und bestimmte Reaktionen auszulösen. Geist, Sinne und Körper schwingen in harmonischem Einklang.
Für jede Stimmung, in die man gelangen oder die man verstärken möchte, gibt es ein passendes Räucherwerk. Wie wäre es beispielsweise mit ein bisschen mehr Sonnenschein in Ihrem Leben? Dann machen Sie es doch einfach einmal den Mayas und Azteken nach, die den Tag mit einer Räucherung von Goldcopal-Harz begannen. Der Rauch des Goldcopals duftet fein und weich. Seine zarte Süße strahlt Wärme und Geborgenheit aus. Bei den Mayas und Azteken galt der Rauch dieses Harzes, das vom Protiumbaum stammt, als Verkörperung der aufgehenden Sonne. So zart und doch kraftvoll, wie die aufgehende Sonne ist, beschrieben sie die Wirkung des brennenden Harzes.
Sein Rauch öffnet und wärmt das Herz und weckt die innere Sonne. Mit Freude kann man Ja zum kommenden Tag sagen. Der geheimnisvolle Duft stärkt die sinnlichen Wahrnehmungen und lässt den eigenen Körper genießen. Ein tristes Weltbild kann sich auflösen und einengende Gedanken überwinden Grenzen. Die neue Gelassenheit spiegelt sich als Energieschub auch im Körper wider. Wenn es darum geht, Depressionen, negative Erwartungen und pessimistische Gedanken aufzulösen, wird in Peru schwarzes Copal-Harz eingesetzt. Der Rauch revitalisiert, vermittelt Schutz und unterstützt dabei, das Positive anzuziehen. Innerlich reinigend und beschwingend wirkt weißer Copal. Sein zitronenartiger, weihrauchähnlicher Duft bringt in die richtige Stimmung bei geistigen und spirituellen Arbeiten. Eine sehr schöne, warme und sonnige Atmosphäre verbreitet auch der Rauch von Bernstein. Er stimmt positiv, stärkt innerlich und fördert die Fähigkeit, Unangenehmes zu verarbeiten.
Balsam für die Seele
An manchen Tagen ist man empfindlicher, unruhiger, melancholischer als sonst. Gönnen Sie sich dann eine „Umarmung“ aus dem Räucherkelch, beispielsweise mit Guggul-Harz. Er wird in Indien, Nepal und Tibet häufig für magische und spirituelle Räucherungen eingesetzt. Sein balsamischer, feiner und weicher Duft ist tatsächlich Balsam für die Seele. Ein Duft zum Aufatmen, Loslassen und um sich zu finden. Wärmende und einhüllende Gefühle werden auch beim Räuchern von Sandelholzsplittern geweckt. Ihr warmer und süßlich-rosenartiger Duft kühlt hitzige Gedanken, er stimmt weich und sinnlich. Damit kann die Seele entspannen und abschalten von der Hektik der Welt. Auch eine Tolu-Räucherung ist wie ein Streicheln für die Seele. Warm, süß, aromatisch und an Hyazinthen erinnernd ist der Duft. Verwöhnen Sie Ihre Seele damit, wenn Sie sich erschöpft und unglücklich fühlen und neue Kraft tanken möchten.
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Susanne Fischer-Rizzi: Botschaft an den Himmel. Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk; AT-Verlag, ISBN 3-85502-875-3, 27,90 Euro