Wie die Frauen das Rad eroberten

Als um 1870 die ersten kurbelbetriebenen Zweiräder in Schwung kamen, mussten sich Damen noch als Knaben verkleiden, um den Drahtesel zu besteigen. Unsere Autorin Prof. Dr. Gudrun Maierhof hat sich mit der weiblichen Beziehung zum Zweirad seit seiner Erfindung beschäftigt – und Erstaunliches zu Tage gebracht!

Im Jahre 1905 konstatierte Rosa Mayreder, Protagonistin der frühen österreichischen Frauenbewegung, dass das Fahrrad mehr zur Emanzipation der Frau beigetragen habe als alle Bestrebungen der Frauenbewegung zusammen. Eine mutige Aussage, die aber mit Blick auf die weibliche Beziehung zum Zweirad im Laufe seiner Entwicklung gar nicht abwegig erscheint. Zwar wissen wir heute, dass frische Luft und Bewegung kaum schöner zu erreichen sind als mit einer kleinen Radtour, um das Jahr 1900 sinnierten jedoch noch deutsche Mediziner über die gesundheitsschädigenden Wirkungen des neuen Sports. In Amerika ließen sich gar Spezialärzte für Radfahrkranke nieder. Die Devise hieß: „Radeln in homöopathischen Dosen“. Für die Frau im langen Rock und mit sittlichen und medizinischen Vorurteilen im Nacken war erst recht nicht gut radeln.

Katzbuckelhaltung & Bicycle-Gesicht

Untersuchungen an Radlern – vorerst wurden die männlichen Vertreter getestet – hatten Erschreckendes zutage gefördert: Das Radeln bürde dem Organismus „eine plötzliche und unverhältnismäßig große Mehrarbeit auf“, so Dr. Mendelsohn. Bei allen Testpersonen waren Ermüdungserscheinungen bestimmter Muskeln, bis hin zu krampfartigen Kontraktionen, vermehrte Harnabsonderung, bläuliche Gesichtsfarbe und Pulsschläge von über 160 zu beobachten. Das übertriebene Radeln könne zu starker Abmagerung, Infektionskrankheiten und Lungenschäden führen. Das Radfahren versetze außerdem in einen „merkwürdigen psychischen Zustand“, den die schnelle Vorwärtsbewegung und das monotone, regelmäßige Treten hervorbringen. „Es ist eine Art Hemmung gewisser Hirnteile“, sagt Tissié, ein automatischer Vorgang, bei dem die Gedanken einschlafen, eine Art Anästhesie.

Eher harmlos erschienen solche Phantasien gegenüber den möglichen Risiken für die Damenwelt. Das Radeln erschüttere nicht nur das Nervensystem, sondern gleichermaßen die Unterleibsorgane. Die Angst des „Vornüberfallens“ – so die Ärzte – ließ den Adrenalinspiegel der Frauen in schwindelerregende Höhen schießen. Der Akt des Tretens führe außerdem zur Blutansammlung in den weiblichen Beckenorganen, was zu mannigfachen Krankheiten der Unterleibsorgane führe. Besonders schädlich galt das Radeln zur Zeit der monatlichen Blutung. Hier überschlugen sich die Angstvisionen der Mediziner. Geschwüre und die Erschwerung des Geburtsaktes waren das mindeste, was den Frauen blühte. Die „Katzbuckelhaltung und das „Bicycle-Gesicht“ seien außerdem aus ästhetischen Gründen nicht besonders schön. So ein Zeitgenosse: „Haben Sie jemals etwas Abstoßenderes gesehen als ein mit puterrotem Gesicht, vom Staube entzündeten Augen und keuchenden Lungen auf dem Zweirade dahinrasendes Frauenzimmer?“

Fahrrad-Sex

Ein „Schmerzenskind“ schien der Sattel wirklich gewesen zu sein. Fast wöchentlich boten die Firmen ihre neuesten Modelle an, damit die Damen nicht stöhnend vom Sattel absitzen mussten. Die Sattelproblematik bereitete den Männern und Medizinern noch in anderer Hinsicht wahre Schmerzen: „Es kann keinen Zweifel unterliegen, dass kaum eine Gelegenheit zu vielfacher und unauffälliger Masturbation so geeignet ist wie beim Radfahren.“ Die anstrengende Bewegung erzeuge Wärme und Blutzufuhr im Genitalbereich. Die frische Luft tue schließlich ihr Übriges und ließe die sexuelle Libido bei manchen Frauen ins Unermessliche steigen.

Zur gleichen Zeit, als man um Schönheit und Gesundheit der Radlerinnen bangte, kamen ganz andere Töne in der Radwelt auf. Selbst unter Medizinern wuchs die Zahl der Freunde des Damenradelns. Ein Gynäkologe gab etwa zu bedenken: „Wenn ein Mädchen im staubigen Ballsaal von acht Abends bis drei Uhr Morgens, geschnürt bis zum Abbrechen und durch zugige Winkel mit bloßem Halse und Busen rasend, ohne Schaden für seine Gesundheit tanzen kann, so werden ihm ein paar Stunden Radfahrens in frischer Luft gewiss nicht schlecht bekommen.“ Und Recht hatte er! Doch was war der Grund für diesen Sinneswandel? Zum einen war es die schlichte Tatsache, dass sich zunehmend mehr Ärzte selbst auf das „gesundheitsschädigende“ Gefährt schwangen und keine nennenswerten Schäden davontrugen. Es gab begeisterte Radfahrer unter ihnen. Auch solche, die das Velo beruflich nutzten. Nach der Devise „Kommt Zeit, kommt Rad“ entwickelte ein Arzt die „praktische Radtasche für Geburtshilfe und Gynäkologie“.

Rad à la mode

Im Jahre 1896 produzierte die deutsche Fahrradindustrie 200.000 Räder. Allein in München wurden 12.000 radelnde Menschen gezählt. Darunter zunehmend mehr Frauen. Die Ärzte führten Befragungen ihrer Patienten durch. Ein Gynäkologe berichtete nicht ohne Stolz, dass 24 Radlerinnen die Liebenswürdigkeit besessen hatten, ihm getreu auf seine Fragen zu antworten. Alle hatten den günstigen Einfluss auf Schlaf und Appetit bestätigt, lobten das Bicycle als individuelles Fortbewegungsmittel und begrüßten die Form ihrer neuen Mobilität. Die Damen fuhren bergauf und bergab, in der Zeit der Schwangerschaft und Menstruation und erlitten weder physische noch psychische Schäden. Das klang überzeugend.

Darüber hinaus wurden sogar Heilerfolge durch das Radeln bekannt. Der Fall einer herzkranken Frau aus Wien schien die letzten Skeptiker zu besänftigen: Trotz Lungenblutung und Blutauswurf hatte sich diese Dame 1893 ohne Wissen der Ärzte aufs Dreirad gewagt. Sie vertrug dasselbe gut, verlor an Gewicht und wurde geheilt. Den Schreckensvisionen über Radlertod und Bicycle-Erkrankungen wurden nun die Therapieerfolge gegenübergestellt. Bei Gicht, Herz- und Bronchialerkrankungen, allgemeiner Muskelschwäche, Verkrümmungen der Wirbelsäule, Magenkrankheiten, Verstopfung, Hämorrhoiden, Bleichsucht, Gebärmutterentzündungen, zu starker Blutung oder Ausbleiben der Periode hatte das Radeln kurierend gewirkt.

Von der Radfurie zur Radfahrerin

Auch bei Nervenschwäche und der angeblich typischsten aller Frauenkrankheiten – der Hysterie – wurde jetzt das Velocipedieren verordnet: „Vor allem gestaltet sich das Radfahren als wirksamste Medizin gegen den Dämon unseres Jahrhunderts, gegen die gleich einer Epidemie grassierende Nervosität. Eine Fahrt auf dem Stahlroße stärkt und stählt nicht nur den Körper, sondern wirkt erfrischend auf Geist und Gemüt und neubelebend auf die abgespannten Nerven. Ist eine Dame gar hypochondrisch und übellaunig, dann erweist sich das Radeln als ein Heilmittel, das nicht genug anempfohlen werden kann. Bald verwandelt sich eine solche von „Weltschmerz“ gepeinigte Frau in eine heiter gestimmte Radfahrerin, deren vormals melancholische Mienen sich zusehends erhellen.“

„Das Fahrrad ist in physischer Beziehung als ein Bote des Heils zu dem weiblichen Geschlecht gekommen“, bemerkte Eduard Bertz im Jahre 1900. Es brachte den Frauen das, was ihnen nach Meinung der Ärzte fehlte: Kräftige Bewegung in freier Luft! Die Männer befürchteten nämlich, dass sich die Frauen in eine „engbrüstige, wadenlose, schmalhüftige und bleichsüchtige Rasse“ verwandeln könnten und somit den gesunden Erhalt der Menschheit gefährdeten. Vorher noch als gebärunwillige, verantwortungslose Radfurien verschrien, bemerkten die Mediziner nun, dass das Velo erfrischend auf Leib und Seele der Frauen wirkte. Es ging eben immer um das eine: die optimale Gebärfähigkeit des weiblichen Geschlechts. Stets wurde von den Pflichten geredet und niemals von den Rechten der Frauen. Aber die Frauen nahmen sich ihre Rechte und radelten von dannen, ob es die Mediziner guthießen oder nicht.

Unsere Autorin

Wer denkt beim heutigen Fahrradboom noch daran, dass vor 100 Jahren die Dame „hoch zu Ross“ öffentliches Ärgernis erregte? Mit dieser Frage und vielen amüsanten Tatsachen dazu hat sich Frau Prof. Dr. Gudrun Maierhof beschäftigt. Herausgekommen ist eine äußerst vergnügliche Kulturgeschichte über die Anfänge des Damenradfahrens („Sie radeln wie ein Mann, Madame“, Unionsverlag 1998, erhältlich über www.zvab.com sowie www.amazon.de). Heute ist die Autorin Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Frankfurt am Main im Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit.

Rückenfreundlich Radeln

Ob gemütlich auf Tour oder sportlich auf Kurs, Rad fahren ist eine Betätigung für jedes Alter und jeden Fitnessgrad. Und wenn Sie einige Grundregeln beachten, entpuppt sich Ihr Rad als eins der gesündesten Sportgeräte überhaupt!

Charlie Chaplin machte es in dem Film „Moderne Zeiten“ vor: Mensch und Maschine harmonieren nur dann, wenn sie gut aufeinander abgestimmt sind. Im übertragenen Sinne gilt das auch für die Beziehung zum Fahrrad. Dass diese gepflegt werden will, versteht sich eigentlich von selbst. Doch nur allzu oft wird der Drahtesel im Frühling völlig verstaubt aus der hintersten Garagenecke geholt. Schnell die Reifen aufgepumpt und im Maximalfall noch die Kette geölt – so soll es losgehen. Auf diese Weise sind die Voraussetzungen für eine ungetrübte Fahrradsaison denkbar schlecht.

Richtig eingestellt?

Stechender Schmerz in der Lendengegend, schwere Schultern nach dem Einkauf oder lautstarkes Knacken beim Recken – Rückenschmerzen plagen über 70 Prozent der Bevölkerung. Bei Krankmeldungen sind sie sogar Grund Nummer 1. Und wer einmal die ersten negativen Signale seiner Wirbelsäule erhalten hat, der wird vorsichtig. Manche Freizeitaktivität scheidet dann aus. Nicht jedoch das Radeln, eine der rückenschonendsten Freizeitaktivitäten überhaupt! Der Rücken wird gestärkt und Rückenschmerzen aktiv entgegengewirkt – vorausgesetzt, man fährt richtig Rad. „Problemzonen" fallen schnell ins Auge: Der Sattel ist hart und schmal, der Lenker zu weit vorn oder sehr tief und Stöße setzen bei fehlender adäquater Federung Gesäß, Rücken, Nacken und Handgelenken zu. Wann ist aber ein Rad optimal eingestellt?

Generell gilt: Rad fahren ist nur dann rückenstärkend, wenn Mensch und Maschine optimal aufeinander abgestimmt sind. Ist es erst einmal richtig eingestellt, wirkt man aktiv Rückenschmerzen und Wirbelsäulenschäden entgegen. Dazu sind mehrere Fahrten nötig, denn neben Richtwerten zählt auch das subjektive Erleben. Wichtig sind hierfür die sechs Parameter Sitzhöhe, Sattelposition, Sattelneigung, Lenkerhöhe, Lenkerneigung und Sitzlänge. Gemeinsam mit der Aktion Gesunder Rücken e.V. haben wir Ihnen die wichtigsten Punkte, die es zu beachten gilt, zusammengestellt.

1. Sitzhöhe

Der Abstand zwischen Sattel und Pedale sollte so lang sein, dass die Beine beim Pedalieren niemals völlig durchgestreckt sind. Als Faustregel gilt: Auf dem Rad sollte die Ferse des ausgestreckten Beins die Pedale gerade eben erreichen. Mit der richtigen Fußstellung auf dem Pedal (Fußballen auf der Pedalachse) hat das Bein dann eine leichte Beugung. Tipp: Lassen Sie Ihren Mitfahrer hinter sich fahren und stellen Sie den Sattel zwischen kurzen Fahrpassagen in fünf Millimeter-Schritten höher. Sobald Ihr Mitfahrer bemerkt, dass Ihr Becken beim Radeln zu wippen beginnt, ist der Sattel zu hoch eingestellt. Einige Millimeter unter dieser Einstellung liegt die optimale Sitzhöhe. Eine zu geringe Sitzhöhe erkennen Sie an einer zu starken Kniebeugung in der tiefsten Pedalstellung.

Bei unterschiedlich langen Beinen führen Sie die Einstellung der Sitzhöhe mit beiden Beinen durch und wählen Sie die Sitzhöhe des kürzeren Beins. Sollte der Unterschied mehr als 1 cm betragen, empfiehlt es sich, unterschiedlich dicke Pedale zu montieren und/oder orthopädische Einlagen zu verwenden.

2. Sattelposition

Die Stellung des Sattels gegenüber dem Tretlager lässt sich verstellen, indem man den Sattel an der Sattelstütze vor- oder zurückschiebt. Die ideale Sattelposition finden Sie mit einem Lot: Diese muss bei waagerechter Pedalstellung (und korrekter Fußstellung auf dem Pedal), ausgehend von der Kniescheibe des vorderen Knies, exakt durch die Pedalachse verlaufen. Ist das Lot vor der Achse, muss der Sattel weiter nach hinten geschoben werden. Bleibt das Lot hinter der Pedalachse, schieben Sie den Sattel nach vorn. Achten Sie beim Justieren darauf, dass das Rad gerade steht, andernfalls wird die Messung ungenau. Am einfachsten lässt sich Lot nehmen, wenn Sie auf dem Rad sitzen und ein Helfer misst.

3. Lenkerhöhe

Sie beschreibt den Höhenunterschied zwischen Sattel und Lenker und bestimmt die Winkelstellung des Rückens im Verhältnis zum Becken. Optimal ist eine möglichst aufrechte Sitzposition. Zur Einstellung der Lenkerhöhe gibt es zwei Möglichkeiten: den Vorbau aus der Gabel herausziehen oder die Einstellung der Lenkerhöhe über einen winkelverstellbaren Vorbau.

4. Lenkerneigung

Sie optimiert die Handhaltung. Am Handgelenk sollten nämlich keine Nerven oder Bänder eingeklemmt werden, das provoziert Blutstau (Taubheitsgefühl). Die Lenkerneigung lässt sich durch Verstellen des Lenkers an der Vorbauklemmung einstellen. Sehr gut ist ein Lenker, der variable Griffpositionen ermöglicht.

5. Sattelneigung

Optimal ist eine waagerechte Sattelneigung. Neigt der Sattel nach vorne hoch, rutscht man zu stark nach hinten. Zeigt die Sattelspitze hingegen nach unten, rutscht man zu stark nach vorne und die Arme müssen kraftvoll dagegen arbeiten. Tipp: Drückt der Sattel zu stark auf die Genitalien, den Sattel einfach vorne leicht hochstellen. Sie rutschen dann förmlich auf Ihre Beckenknochen.

6. Sitzlänge

Bei der Entfernung vom Sattel zum Lenker gibt es keine einfache Messmethode. Hier gilt vor allem: Gut ist, was sich dauerhaft komfortabel anfühlt. Haben Sie das Gefühl von „eingeklemmten Organen", sind aber mit der Winkelstellung des Rückens zufrieden, dann ist die Sitzlänge zu kurz. Ist hingegen die Rückenstellung angenehm, fahren Sie aber sehr gestreckt, dann sollten Sie die Sitzlänge reduzieren. Die lässt sich durch einen winkelverstellbaren Vorbau variieren. Reicht dieser Einstellbereich nicht aus, so muss der Vorbau gewechselt werden.

Das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken e.V. (AGR) bietet eine seriöse Entscheidungshilfe bei der Wahl ergonomischer Produkte. Die ausgezeichneten Produkte genügen strengen Prüfkriterien einer unabhängigen Expertenkommission. Erstmalig wurden auch Fahrräder überprüft. Welche Produkte zu empfehlen sind sowie wertvolle Tipps zur Rückengesundheit gibt es im „Einkaufsleitfaden für rückengerechte Produkte“ (erhältlich für 9,95 € mit der Zeitschrift „rückenSignale“ bei Aktion Gesunder Rücken e.V., Postfach 103, D-27443 Selsingen, Tel. +49 (0)4284-9269990, www.agr-ev.de). „rückenSignale“ enthält auch eine Liste AGR-geschulter Fahrradfachgeschäfte.

Unterwegs auf zwei Rädern

Die schönsten Radfernwege in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Radreisen machen Spaß und sind obendrein gesund. Diese Erkenntnis scheint sich durchzusetzen, denn auch im Urlaub steigen immer mehr Menschen aufs Zweirad. Judith Weibrecht hat Ihnen die schönsten Fernradwege an Elbe, Main und Weser herausgesucht. Dort geht es gemächlich zu und auch Genussradler und Familien mit Kindern werden ihren Spaß haben. Gemeinsam ist nämlich allen, dass sie am Wasser entlang führen – und somit für jedermann zu schaffen sind.

Und wenn Sie das immer noch nicht überzeugen konnte: Reisen auf zwei Rädern ist umweltschonend, ist gut für das eigene Herz-Kreislaufsystem und bietet intensive Natur- und Kulturerlebnisse – pur und ungefiltert. Kein Wunder, man ist ganz nah dran und mitten drin.

Von Bierkrügen zu Bocksbeuteln: schöner Main

Start: Roter oder Weißer Main

Ziel: Mainz

Länge: 600 km

Für Radler hält der Mainradweg was ganz besonderes bereit, er ist nämlich von der Quelle bis zur Mündung befahrbar, fast durchgehend asphaltiert und enthält keine nennenswerten Steigungen. Vom Deutschen Fahrrad-Club e.V. (ADFC) wurde er deshalb als erste Qualitätsroute mit fünf Sternen ausgezeichnet. Wer nicht auf eigene Faust los will, kann sich in Bett & Bike zertifizierten Betrieben über Pauschalen inkl. Gepäcktransport und Unterkunft informieren.

Gleich zu Beginn steht die Entscheidung an, welche Quelle des Mains Ausgangspunkt sein soll. Der Main speist sich nämlich aus dem Roten und dem Weißen Main. Gemächlich beginnt die Reise am Roten Main, einem Bächlein, dass sich durch Wälder und Wiesen bis in die Wagnersche Opernstadt Bayreuth windet. Dann mäandern Fluss und Radweg weiter durch die Mainauen. Auf den Fuß folgen sehenswerte Stationen wie die Bierstadt Kulmbach, die barocke Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen, das prächtige Schloss Banz und die Weltkulturerbe-Stadt Bamberg mit ihrem Dom und unzähligen Brauereien, mit denen man sich für die erbrachte Tagesleistung belohnen kann. Weiter geht es nach Würzburg, wo etwa die fürstbischöfliche Residenz mit dem Deckenfresco von Tiepolo vom Sattel holt – Kultur satt also. Und wer vor allem die Natur liebt, sollte an den Weinbergen auf der fränkischen Weininsel bei Volkach keinesfalls vorbeiradeln.

Für durstige Radlerkehlen ist entlang der Mainroute vorgesorgt: Vom Bierfränkischen geht es ins Weinfränkische zu Bocksbeuteln und dann zum hessischen Äbbelwoi in die Metropole Frankfurt. Dazu überquert man den Eisernen Steg zum Stadtteil Sachsenhausen und hat einen tollen Blick auf die Skyline Frankfurts. Ist das Rippchen mit Sauerkraut verdrückt, rollt man Richtung Sektstadt Hochheim. Das Ende der Strecke gehört wieder den Winzern, dieses Mal den Pfälzer Weinen. Verkostungen gibt es etwa in Mainz. Dort mündet auch der Main, der den Radwanderer auf rund 600 km begleitet hat, schlussendlich in den Rhein.

Von alpin bis mediterran: Murradweg in Österreich

Start: Sticklerhütte

Ziel: Bad Radkersburg

Länge: 365 km

Gut ausgebaut sind auch Radfernwege in Österreich, etwa der Murradweg. Vom alpinen, kernigen Norden und den Hohen Tauern führt er bis in den mediterranen Süden der Steiermark. Ein guter und einfach erreichbarer Startort ist St. Michael im Lungau. Sepp Sampl, der Wirt der „Metzgerstubn“, kommt in der Krachledernen daher und erzählt, dass man in seinem „Raddörfl“ in Holzhütten preiswert übernachten kann. Diese Raddörfl gibt es praktischer Weise überall in Etappenentfernung. Für ein Dach über dem Kopf und eine warme Mahlzeit ist also entlang der Strecke vorgesorgt. Von St. Michael geht es also rund 310 km die Mur entlang – und das im Endeffekt abwärts. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen. Zwar führt der Mur-Radweg insgesamt von 1.750 Meter Höhe (Startpunkt Mur-Quelle bei der Sticklerhütte) bzw. 1.075 Meter (ab St. Michael im Lungau) hinunter auf 210 Meter in Bad Radkersburg, an den ersten beiden Tagen kann man aber schon wieder mit einigen Steigungen rechnen. Grüne Schilder mit „Murradweg“ oder „R2“ weisen den Weg. Über Murau, Judenburg, Leoben und die fesche Landeshauptstadt Graz geht es bis an die slowenische Grenze. Die entspannenden Fluten der Therme Bad Radkersburg bilden den wohlverdienten Abschluss der Tour für müde Radlermuskeln.

Berge und Palmen: Die Rhône in der Schweiz

Start: Andermatt

Ziel: Genf

Länge: 320 km

Ins Veloland Schweiz locken viele Routen. Besonders schön ist die Route entlag der Rhône. „Auf wieviel Höhenmetern leben Sie denn?“, fragt man mich gleich nach der Ankunft im malerischen Bergdorf Oberwald mit seinen alten Walliser Holzhäusern. „So um die 250 Meter hoch“, ist meine kleinlaute Antwort. Und ich werde belehrt, dass ein Schweizer stets ganz genau wisse, auf wie viel Höhenmetern er lebe. Daraus schließen zu wollen, dass es bei den Eidgenossen nur steil zuginge, wäre dennoch schlichtweg falsch. Denn von hier aus fährt man auf der Rhône-Route entlang der Nationalen Route Nr. 1 gemütlich durch ganz verschiedene Regionen vor sich hin – immer abwärts, wie das Rhônewasser. Der Beginn am hohen Furkapass lässt sich umgehen, indem man im Goms beginnt, dem angeblich schönsten Hochtal der Alpen. Vom Fuß der imposanten Bergkulisse strampelt man also vom Furka- und Grimselpass aus zunächst an majestätischen Berggipfeln vorbei. Optimale Beschilderung in Form von roten Schilder mit hellblauem Fahrradpiktogramm und Kilometerangaben begleiten weiter durch Sierre und Sion, vorbei an Obstbäumen und Weinbergen. Bis nach Genf und an die Palmenpromenaden des Genfer Sees erlebt man auf 316 Kilometer Radstrecke Genuss pur!

Mehr Informationen zu Radrouten und Anbietern gibt es in der Broschüre „Deutschland per Rad entdecken“, herausgegeben vom Deutschen Fahrradclub e.V. (ADFC) und für eine Versandkostenpauschale von 5 € unter www.adfc.de zu bestellen.

Buchtipps:

Mecklenburg-Vorpommern zu Rad

Von Usedom bis Hamburg und von Berlin bis Kopenhagen, die Broschüre "Mit dem Rad durch den Norden" lotst durch die schöne Radfahrregion Mecklenburg-Vorpommern. Zu insgesamt 8 Fern- und 21 Rundwegen sowie 40 Tagesausflügen gibt es Tipps für Sehenswürdigkeiten und eine Liste von 155 Übernachtungsmöglichkeiten, darunter zertifizierte Bett & Bike-Unterkünfte. Die Broschüre kann kostenfrei bestellt werden beim Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, Tel. 0381-4030500, www.auf-nach-mv.de.

Dänemark

Flach und gut beschildert sind die Fahrradrouten auf Dänemarks südlichsten Inseln Lolland und Falster. Die Menschen auf Møn erzählen schmunzelnd, man brauche nur auf eine Bierkiste zu steigen, um Lolland zu überblicken. Und auch Falster bietet kaum Steigungen. Auf Küstenwegen und ruhigen Landstraßen geht es zu lebendigen Handelsstädten und malerischen Fischerorten. Und das Beste: Der nächste Badestrand ist nie weit! Informationsbroschüren, Fahrradführer und Straßenkarten erhältlich über die Tourismuszentrale VisitDenmark, Postfach 701740, D-22017 Hamburg, Tel. 01805-326463, www.visitdenmark.com.

Gut informiert

Auf der Internetseite www.fahrradtouren.de werden nützliche Informationen und Aktualitäten zu den wichtigsten Radwegen gegeben. Vorgestellt werden auch Radreise-Veranstalter, ob für den Klassiker Donauradweg oder den Radurlaub in Cuba und Vietnam.


Bilder: Continental; Aktion Gesunder Rücken, Shutterstock
Aus: Body&Mind, Ausgabe 2/2010