Kann ich die Welt retten?
Im Endeffekt ist klar, dass solche Preise nur auf Kosten anderer möglich sind – und auf Kosten der Umwelt. Wenn aber aus einem Käufer viele werden, entsteht Nachfrage, die letztlich das Angebot steuert. Darum gibt es inzwischen Karotten aus ökologischem Anbau und Sojaprodukte sogar beim Discounter. Darum gibt es für fast jedes konventionelles Produkt mittlerweile eine bessere Alternative.
Gehen wir also bei der Befriedigung unserer Konsumwünsche strategisch vor. Wir sortieren damit die Regale in unseren Supermärkten und Kaufhäusern regelrecht neu. Strategischer Konsum ist Konsum, der etwas bewirken will und das auch tut. Um so wichtiger werden Informationen, die uns bei der Bewertung von Produkten Transparenz bieten. Gemeinsam können wir sicher nicht eine Klimakatastrophe verhindern, aber einen wichtigen Beitrag dagegen leisten.
Gut versorgt
Pestizide im Gemüse, krebserzeugende Stoffe in Spielwaren – das Leben als Verbraucher scheint gefährlich zu sein und der stete Strom an Warnmeldungen will nicht versiegen. Was uns nicht gut tut, tut es in der Regel auch nicht unserer Umwelt. Es lohnt sich also doppelt, darauf zu achten, was wir in unseren Einkaufswagen legen.
Die Versorgung mit Konsumgütern ist in Deutschland nicht mehr eine Frage der Lebens- und damit Angebotssicherung, sondern der Lebens- und Angebotsqualität. Gewaltige Änderungen tun sich derzeit vor allem beim Lebensmittelangebot. Ein idealer Zeitpunkt, um als Verbraucher durch entsprechende Kaufentscheidungen Position einzunehmen. Denn: Aufgrund gesättigter Lebensmittelmärkte nimmt einerseits die Bedeutung der Landwirtschaft stärker ab, andererseits werden immer neue Angebote entwickelt, neue Produktionstechnologien etabliert und die Verarbeitungstiefe der Lebensmittel gesteigert. Das lässt auch den Weg zu mehr biologischen Produktionsprozessen offen, wenn sie denn vom Verbraucher nachgefragt werden.
Bio gut, alles gut?
Grundsätzlich sind alle frischen und unverarbeiteten Lebensmittel gleich gesund, ob biologisch oder konventionell hergestellt. Denn ob etwas gesund ist, hängt hauptsächlich vom Kalorien-, Fett- und Zuckergehalt ab und nicht von der Herstellungsweise. Ein entscheidender Grund für den Kauf regionaler, saisonaler oder naturnah produzierter Produkte ist jedoch die Umweltbelastung durch die Nahrungsmittelproduktion. Denn bewiesen ist mittlerweile: Ökologischer Anbau ist mit weniger Umweltauswirkungen verbunden als konventionelle Produktion. Allein bis zu 20 Prozent Treibhausgase könnten durch die Umstellung auf Bioanbau in der deutschen Landwirtschaft eingespart werden. Mindestens genauso wichtig für das Klima ist es jedoch, die Ernährung umzustellen, so das Ergebnis einer Foodwatch-Studie. Aber was nutzt das dem Klima?
Fleischlos glücklich
Die deutsche Landwirtschaft verursacht jährlich mit 133 Millionen Tonnen CO2 fast so viele Treibhausgase wie der Straßenverkehr. Ökohöfe produzieren im Vergleich 15 bis 20 Prozent weniger. Vor allem bei der Produktion von Pflanzen wird der Klimavorteil des Bioanbaus deutlich sichtbar. Bei Milch liegen beide Formen hinsichtlich der CO2-Belastung gleichauf. Und wer hätte es gedacht: Ökologische Ochsenmast ist auf Grund längerer Mastzeiten gegenüber der konventionellen Aufzucht klimaschädlicher. Verantwortlich ist der hohe Methanausstoß der Tiere, der vor allem bei Rindfleisch und Milch auf die Klimabilanz zu Buche schlägt. Das heißt konkret für unsere Kaufentscheidung: Allein schon mit der Auswahl der Lebensmittel und damit der Zusammensetzung von Mahlzeiten können wir etwas für das Weltklima tun. Sie brauchen dazu nicht komplett auf Fleisch zu verzichten, aber mit der Reduzierung vor allem Ihres Rindfleischkonsums, setzen Sie ein Zeichen.
Die Klimawirkung eines Produkts ist abhängig von seinem „Lebensweg“, das heißt von Herstellung, Transport, Nutzung und Entsorgung. Regionale Vermarktung vermeidet zum Beispiel klimaschädliche Transporte. Denn Treibhausgasemissionen entstehen vor allem durch Anbau, Verarbeitung und Gütertransport sowie den Energiebedarf durch Kühlung. Auch per Flugzeug transportierte Produkte belasten die Umwelt wesentlich stärker. Ein weiteres Plus für Bio-Lebensmittel: Sie werden mit weniger Zusatzstoffen hergestellt und enthalten weniger Rückstände. Dass sie auch etwas mehr Nährstoffe besitzen, stimmt hingegen laut aktueller Studien nur teilweise.
Fairer Handel: Gleiche Augenhöhe
70 Prozent der Schädlingsbekämpfungsmittel in Entwicklungsländern landen auf Kaffee, Tee, Zucker, tropischen Früchten und Baumwolle – also auf Kulturpflanzen, die fast ausschließlich für den Export angebaut werden. Die Giftstoffe sind gleichermaßen für Mensch und Natur schädlich. Südamerikanische Plantagenarbeiter sind allein 13mal mehr Vergiftungen durch Pestizide ausgesetzt als ihre Kollegen in Nordamerika. Der 1992 ins Leben gerufene, gemeinnützige Verein TransFair hat sich diesem Dilemma angenommen mit dem Ziel, die Lebens- und Arbeitsbedingungen benachteiligter Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika zu verbessern. Er vergibt für fair gehandelte Produkte sein Siegel, ist aber selbst nicht Produzent.
Vom Körner-Picker zum Star-Syndrom
Konsumforschungen belegen, dass der Konsument heute deutlich andere Vorlieben hat als etwa in den 80/90er Jahren. Gesucht wird gutes Design statt alternativer Symbolik, Betonung des Individuums statt der Gruppe, Gewinn und Erfolg statt Anti-Haltung gegen Unternehmen oder ganz einfach Professionelles statt Selbstgemachtes.
Während die 80er Jahre von einem Aufschwung für ursprüngliche Produkte geprägt waren, verschwanden in den späten 90er viele Produkte mit Öko-Ausstrahlung und provisorischer Machart vom Markt. Das Negativimage der Öko-Produkte der ersten Generation wirkt zwar immer noch nach, heute hat man jedoch wieder Spaß daran, Genuss und Ökologie miteinander zu verbinden. Der ökologische Gewinn ist zu einer echten Anforderung geworden. Darauf reagiert auch der Handel und ändert Öko-Produkte um heutigen Ansprüchen zu genügen. Das Stigma der Ökoprodukte der ersten Produktgeneration gehört damit definitiv der Vergangenheit an! Mit unserer Kaufentscheidung können wir diesen Prozess fortsetzen und leisten damit nicht nur einen Beitrag für unsere Lebensqualität, sondern auch für den Klimaschutz.
Tipps zum klimafreundlichen Einkauf
Der „Blaue Engel“ ist eine gute Orientierungshilfe für klimafreundlichen Einkauf (www.blauer-engel.de). Das älteste Umweltzeichen der Welt kennzeichnet ökologisch vorteilhafte Produkte und Dienstleistungen, die von hoher Lebensqualität, langer Lebensdauer und auf gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft sind. Seine Kriterien werden von der Jury Umweltzeichen festgelegt ,der neben Handel und Industrie auch Umwelt-, und Verbraucherorganisationen angehören. Was viele noch nicht wissen: Der „Blaue Engel“ kennzeichnet oftmals auch klimafreundliche Produkte. Viele von ihnen sind besonders energieeffizient, emissionsarm und schonen damit das Klima.
Auch die Auszeichnung als „Eco-Top-Ten-Produkt“ (www.ecotopten.de) steht für klimafreundlichen Einkauf. Einzelne Produktgruppen werden hinsichtlich ihrer Qualität, ihre, Preis-Leistungsverhältnis und unter ökologischen Gesichtspunkten unter die Lupe genommen. Mittels konkreter Kriterien wird anschließend eine Marktübersicht über konventionelle und innovative Produkte erstellt.
Direkten Einfluss auf Energieeffizienz können Sie beim Einkauf von technischen Geräten nehmen. Kaufen Sie etwa bei Haushaltsgeräten die Effizienzklasse A, bei Kühl- und Gefriergeräten A+ oder A++. Vergleichen Sie auch bei strombetriebenen Geräten die Leerlaufverluste – Netzstecker bevorzugt! Mit sparsamen Geräte ersparen Sie sich jährlich gegenüber dem Durchschnitt bis zu 300 € Stromkosten und senken damit die Kohlendioxid-Emission um etwa eine Tonne! Klimaneutrale Angebote sollten unabhängig überprüft sein, zum Beispiel möglichst dem „Gold Standard“ entsprechen oder zumindest ein TÜV-Siegel tragen.
Haben wir Sie ein wenig davon überzeugen können, dass wir nicht machtlos sind? In jedem Lebensbereich ergibt sich die Chance, etwas zu verändern. Und gegenüber den Tausenden Regierungsvertretern, die auf dem Klimagipfel in Kopenhagen im vergangenen Dezember mühevoll um Kompromisse ringen mussten, kommt ein entscheidender Vorteil hinzu: Wir können jetzt und sofort handeln!
Goldene Regeln für umweltbewusste Esser
• Ernähren Sie sich vorwiegend vegetarisch oder gemäss der Lebensmittelpyramide.
• Reduzieren Sie Ihren Fleisch- und Milchkonsum.
• Verzichten Sie auf mit Flugzeug transportierte Produkte.
• Kaufen Sie, soweit möglich, keine Gewächshausprodukte.
• Bevorzugen Sie Produkte der Saison.
• Verwenden Sie energiesparende Haushaltsgeräte.
Und zu welchem Haushaltstyp gehören Sie?
Wenn Sie zu einem der ersten beiden Haushalte gehören, können Sie mit einfachen Zusatzmaßnahmen der Umwelt was Gutes tun.
Durchschnittshaushalt
Es werden konventionelle Produkte eingesetzt, die alle neu gekauft werden.
Effizienter Haushalt
Verwendet werden ökoeffiziente Produkte/Dienstleistungen (Energiesparlampen, A++-Kühlschrank, effiziente Heizungsanlage etc.). Die Auswahl der Produkte erfolgt so, dass ohne viel Aufwand und Kosten Energie und Treibhausgas-Emissionen reduziert werden.
Doppeleffizienter Haushalt
Die Produkte sind wie beim effizienter Haushalt, werden jedoch effizienter genutzt (Zimmertemperatur um 2 Grad senken; moderat Auto fahren, Waschmaschine richtig befüllen, etc.). Die Auswahl der Produkte erfolgt so, dass ohne viel Aufwand, ohne Qualitätsverlust und ohne wirkliche Einbuße an Bequemlichkeit Energieverbrauch und Treibhausgas-Emissionen reduziert werden. Man lebt gesünder und stressfreier und hat leicht geringere Lebenszykluskosten als ein konventioneller Haushalt.
Klimabewusster Haushalt
wie Doppeleffizienter Haushalt, zeigt aber zusätzlich deutliche Verhaltensänderungen (z.B. Car-Sharing oder kleineres Auto) und schnelle Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen (z.B. gedämmte Wohnung/Haus etc.). Die Auswahl der Produkte erfolgt so, dass nochmals Geld gespart und noch mehr Energie/CO2 reduziert werden kann.
Nachhaltiger Haushalt
wie Klimabewusster Haushalt, kauft zusätzlich Bio-Lebensmittel und faire Produkte. Sie haben keinen Einfluss auf den Energieverbrauch während der Nutzungsphase, aber auf Biodiversität und soziale Aspekte bei der Herstellung. Da die Produkte teurer sind als konventionelle Produkte, gibt es weniger finanzielle Einsparungen als beim klimabewussten Haushalt.
Autor: Ann-Karin Heyer
Grün, grün, grün sind alle meine Kleider...
Deutschland, Land der Modemuffler – so die mehrheitliche Sichtweise geographischer Nachbarn auf unsere Kleidungsgewohnheiten. Lassen wir uns davon nicht ärgern und beschränken uns einmal auf Zahlen, denn die sehen gar nicht so „modemuffelig“ aus: 28 Kleidungsstücke kauft sich im Durchschnitt jeder Deutsche pro Jahr. Etliche davon dürften den dunklen Kleiderschrank wohl nie verlassen. Eine gute Idee also, sich spätestens beim Anstehen an der Kasse zu fragen, ob man die Jeans mit der leicht dunkleren Einfärbung tatsächlich braucht. Mit ein paar Fragen, die Sie selbst beantworten können, werden Sie schnell dahinter kommen, ob Sie Ihr Portemonnaie lieber stecken lassen sollten.
Klassiker zuerst
Bevorzugen Sie generell Kleidungsstücke, die das Zeug zum Klassiker haben. Das heißt nicht, dass der Schottenrock die Nummer Eins auf Ihrer Einkaufsliste zu sein hat. Wichtig sind Kleidungsstücke, die zu Ihnen passen, bequem sind und Ihren Typ unterstreichen. Sie werden nie „out“ sein. Denn eine Sache ist schon mal klar: Wahrhaft ökologisch sind die Stücke, die lange getragen werden.
Qualität – aber bitte bezahlbar!
Nicht nur der Kaschmirpulli besitzt Klasse. Handwerklich gut gemachte Kleidung erkennt man an den bekannten Sollbruchstellen, also an guten Nähten, soliden Reißverschlüssen und Knöpfen. Oft sieht man den „Teilchen“ schon auf dem Verkaufsständer an, dass sie nicht lange die Form halten werden. Hier gilt: eisern bleiben und sich auch nicht von kleinen Preisen verlocken lassen.
Lupenreine Labels
Geben Sie im Markendschungel keinesfalls auf! Konzentrieren Sie sich erst einmal auf unabhängig kontrollierte Label und lassen Sie die weg, die Hersteller selbst kreiert haben. Unter www.label-online-de findet sich eine übersichtliche Aufstellung, die den Schwerpunkt setzt auf Label mit Bezug zum nachhaltigen, das heißt umweltgerechten, sozial verträglichen und gesundheitlich unbedenklichen Konsum. Das unabhängige Informationssystem wird von der Verbraucher Initiative e.V. betrieben, dem Bundesverband kritischer Verbraucherinnen und Verbraucher. Insgesamt 400 Mode-Labels sorgen dafür, dass wir keinen unförmigen Jutesack fürchten müssen, wenn wir unser Auge auf umwelt- und sozialverträgliche Marken werfen.
Achten Sie vor allem auf das einzig weltweit gültige Siegel, dem „Global Organic Textile Standard“ (GOTS). Kleidungsstücke mit diesem Label wurden vom ersten Faden bis in Ihren Schrank weitgehend ohne „Mitgift“ erstellt. Denn nicht überall, wo Biobaumwolle draufsteht, ist auch Biobaumwolle drin.
Faserige Sache: Materialwahl
Konventionelle Baumwolle ist empfindlich und wird aufwendig mit Dünger und Pestiziden gepäppelt. Konkret: In einem Shirt stecken allein 150 Gramm Pestizide und 2.000 Liter Wasser! Grünlicht also, um auf Bio-Baumwolle umzusteigen? Njein, sagen wir, denn ist ihr Image zwar gut, so schneidet Bio-Baumwolle in der Ökobilanz beim Wasserverbrauch immer noch wesentlich schlechter ab als Kunstfaser. Der Lichtblick: Sie gedeiht auf giftfreien Äckern und wird immer öfter ökologisch angebaut. Achten Sie also auf Gütesiegel wie Öko-Tex Standard“ oder „EU Blume“. Der Begriff „Organic Cotton“ ist wiederum nicht geschützt.
Eine ganz andere Alternative sind moderne Kunstfaser. Sie sind wiederverwertbar, werden mittlerweile hautverträglich entwickelt und ihre Herstellung schont natürliche Ressourcen. Wer außerhalb wohnt, kann per Internet bestellen. Anbieter nennt das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) sowie die Online-Portale Utopia und Ivy.
Sollten Sie von bestimmten neuen Trends auf dem Textilmarkt noch nichts gehört haben, so ist das nicht wirklich schlimm. Denn einiges unter den neuen Fasern wie Bambus, Soja, Sisal, Nessel, Hanf oder Kapok ist zweifelhaft. Beispiel Bambus: Der schnell wachsende Rohstoff dient als Holzersatz zur Produktion von Zellulose, die zu Viskose weiterverarbeitet wird. Um jedoch daraus die Spinnmasse zu gewinnen, sind Chemikalien nötig – und zwar nicht zu knapp. Uns wieder stellt sich damit die Frage, ob natürlichen Rohstoffen grundsätzlich der Vorzug zu geben ist. Bekennen Sie Farbe und fragen Sie in Boutiquen und Ladenketten hartnäckig ach „clean clothes“. Auch wenn Ihre Bemühungen von einer pampigen Antwort abgeschmettert werden sollte, schaffen Sie damit ein Bewusstsein für diese Frage – vorausgesetzt, andere Käufer tun es Ihnen gleich. Aktivität ist also gefragt!
Kinderarbeit, nein danke
Kommen wir zu einer viel menschlicheren Frage, die auch uns schon mal beim Überziehen eines bestickten Tops gewurmt hat: Wieviel Kinderarbeit ist enthalten? Keine einfache Frage. Denn selbst bei teurer Ware ist diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen. Ein aktuelles Beispiel: Nach eingehender Recherche konnten Journalisten den Markenherstellern Otto und Esprit nachweisen, dass ihre Perlen- und Paillettentops von Kindern in Indien bestickt wurden.
Die Kontrollen sind also nach wie von Lücken durchsetzt. Freie Organisationen leisten hier wertvolle Dienste. Das Siegel „Fairtrade“ etwa garantiert in ärmeren Ländern menschenwürdige Arbeitsbedingungen mit existenzsichernden Löhnen – Kinderarbeit ausgeschlossen. Das geht bis zum Beginn der Produktionskette: Statt ihre Ernte zu Dumpingpreisen auf dem Weltmarkt verkaufen zu müssen, bekommen Baumwollfarmer 36 Cent pro Kilo Baumwolle, für Biobaumwolle sogar 41 Cent! Das bedeutet für den Farmer rund 40 bis 70 Prozent mehr Einnahmen. Der Preis für uns beim Kauf eines Fairtrade-Shirts: Eine Tasse Kaffee, sprich Mehrkosten von rund drei Euro. Eine bescheidene Investition also mit viel Effekt.
Recht auf ein zweites Leben
Lassen Sie sich nicht lumpen und gönnen Sie ausgemusterten Textilien ein zweites Dasein in einem anderen Kleiderschrank. Neben Second-Hand-Läden und karitativen Organisationen ist zum Beispiel eine Kleiderwechselparty unter Freundinnen eine nette Alternative zur Tupperwaren-Party. Nicht nur ökologisch gedacht, sondern zudem auch sehr witzig.
Mit Ihrem Röntgenblick auf Material, Herkunft und Verarbeitung unterstützen Sie übrigens nicht nur langfristig die Ökobilanz und kurzfristig Ihr Girokonto, sondern auch die Qualität Ihres Kleiderschranks. Schön grün, schön schick eben.
Wolle aus Deutschland
Mit einer Schafpatenschaft können Sie die Initiative „Wolle aus Deutschland“ unterstützen. Sie setzt sich für den Erhalt traditioneller Wanderschäferei ein, unter anderem im deutschen UNESCO Biosphären-Reservat Schwäbische Alb, wo Schafzucht noch wie vor hundert Jahren betrieben wird. Geholfen wird vom Aussterben bedrohte Familienbetriebe, die nachhaltig arbeiten und sich kaum noch gegen Großbetriebe behaupten können. Strickwolle aus deutscher Wanderschäferei erkennt man am grünen Schafpaten-Siegel. Unter www.schafpate.de wird genau aufgeschlüsselt, wie die Gelder verwendet werden.
Sparsam spülen
Laut Studienergebnissen können in Deutschland jährlich 104 Milliarden Liter Wasser gespart werden. Wie? Lassen Sie den Geschirrspüler ran! Das vermeidet außerdem lästiges Handabwaschen. Defekte Dichtungen so schnell wie möglich auswechseln. Pro Haushalt tropfen bis zu 5.000 Liter jährlich ins Nichts.
Genverzicht auf einen Blick
Produkte mit diesem Logo enthalten keinerlei gentechnisch veränderte Bestandteile.
Besser Tetra Pak
Recyclebare Getränkekartons verursachen deutlich weniger CO2-Gase als PET-Flaschen. Entsorgt werden sie übrigens mit dem Gelben Sack.
Ökostrom aus der Steckdose
Immer mehr Firmen bieten Strom aus regenerativen Quellen an (Wind, Wasser, Sonne). Meist reicht ein Anruf und ein Fax aus, um aus einen alten Vertrag zu kündigen und einen neuen Vertrag mit einem Ökostrom-Anbieter abzuschließen. Das ist auch nicht zwingend teurer als elektrizität aus fossilen und nuklearen Anlagen (www.strom-auskunft.de).
Wie schädlich sind Bleichmittel?
Achten Sie darauf, dass anstatt dem umweltschädlichen Perborat ökologischere Substanzen wie etwa Percarbonat enthalten sind.
Clever heizen
Rund 80 Prozent der in einem Haushalt verbrauchten Energie geht auf das Konto der Wohnwärme. Da lässt sich einiges sparen.
Heizung in der Nacht ausschalten? Nein! Räume kühlen zu stark aus, was tagsüber wiederum zu viel Energie kostet. Sparen hilft die Nachtschaltung einer Heizung oder moderne Thermostate. Sie senken die Raumtemperatur nachts oder bei Abwesenheit um einige Grad.
Machen Sie abends die Rollläden zu. Der Heizbedarf sinkt damit um 10 Prozent. Eine reflektierende Silberfolie hinter den Heizkörpern strahlt die Wärme ins Zimmer zurück.
Alternative Energiesparlampe?
Eindeutig ja. Sie liefern die gleiche Helligkeit, verbrauchen aber nur ein Fünftel des Stroms.
Bio – auch für Kosmetik
In der kontrolliert biologischen Landwirtschaft ist der Einsatz von Dünger und Pestiziden stark reglementiert. Die Rohstoffe, die in Bio-Kosmetik verarbeitet werden dürfen, sind folglich viel weniger bis gar nicht mit Schafstoffen belastet, die sonst mit der Haut in Kontakt kommen würden. Davon profitiert unsere Gesundheit, denn Studien belegen, dass 60 Prozent von dem, was auf die Haut aufgetragen wird, in den Blutkreislauf übergeht. Es wird zudem vermutet, dass sich chemische Substanzen, die durch Kosmetik aufgenommen werden, in den Organen ansammeln.
Warum ist Bio nicht immer 100% Bio?
Viele Rohstoffe sind noch nicht in ausreichender Menge in Bio-Qualität verfügbar, daher finden sich in den meisten Bio-Kosmetikprodukten zusätzlich Pendants aus konventionellem, aber streng auf Schafstoffe geprüften Anbau. Manche Inhaltsstoffe stammen zudem aus zertifizierter Wildsammlung – also von Pflanzen, die nicht kultiviert werden können, sondern wild wachsen.
Autor: Ann-Karin Heyer
Mehr Öko, mehr Urlaub
Man kann Irene Fischer vieles nachsagen, aber nicht, dass sie eine überzeugte Umwelt-Aktivistin wäre. Trotzdem hat die 55-Jährige Vertriebschefin ihre Liebe zu den Öko-Hotels entdeckt. „Man spürt, wie viel Begeisterung und Überzeugung diese Hoteliers in ihre Häuser stecken“, erklärt sie ihre neue Leidenschaft für einen ihr sonst eher suspekten Wirtschaftsbereich. Als die Münchnerin beruflich bei einer Tagung zum ersten Mal in einem umweltfreundlichen Hotel eincheckte, war sie misstrauisch. „Ich erwartete Körnerkost, raue Handtücher, ungeheizte Zimmer und humorlose Menschen“, gibt sie lachend zu. Aber dann verliebte sie sich auf den ersten Blick in das stilvoll gestaltete Haus, das engagierte Personal und das hervorragende Essen. Nun fährt die Münchnerin, wenn sie Zeit hat und es sich leisten kann, immer wieder mal in ein Hotel, das sich den Umweltschutz und eine ganzheitliche Erholung auf die Fahnen geschrieben hat.
Es scheint so, als würde der allgemeine Trend zu mehr Nachhaltigkeit auch beim Tourismus ankommen. Wer im Alltag auf seine Ernährung achtet, sich gerne draußen bewegt, Textilien ohne Schadstoffe kauft und auf ein gesundes Raumklima achtet, der möchte im Urlaub nicht hinter gewohnte Standards zurück. Bisher waren es vor allem Nischenanbieter, die dieser umwelt- und sozialbewussten Klientel die passenden Angebote machten. Seit die Nachfrage nach Naturprodukten aber immer stärker boomt, kommen auch die konventionellen Tourismuskonzerne nicht um die Erkenntnis herum, dass eine neue Generation an Urlaubern heranwächst, die mit Sonne und Strand allein nicht mehr zufrieden zu stellen ist.
Öko-Urlaub kommt allerdings nur da gut an, wo er einen Mehrwert bietet. Statt „Urlaub ohne Auto“ bietet der kleine Ferienort Werfenweng im Salzburger Land seinen Gästen „Urlaub mit Chauffeur“. Wer den Autoschlüssel während der Ferien beim Tourismusamt abgibt oder gleich mit der Bahn anreist, erhält vor Ort ein attraktives Paket an Zusatzleistungen, auf das Autofahrer leider verzichten müssen. Unter anderem können sich die privilegierten Gäste jederzeit ein persönliches Taxi bestellen, das sie zum Ausgangspunkt einer Wanderung bringt und sie hinterher auch wieder abholt. Das Werbe- und Umweltschutzmodell hat sich durchgesetzt. Während in benachbarten Sommer- und Wintersportorten die Urlauberzahlen stagnieren oder zurückgehen, ist Werfenweng erfolgreich wie nie.
Inzwischen eifern 20 weitere Ferienorte in den Alpen der österreichischen Gemeinde nach. Sie haben sich mit Unterstützung der Europäischen Union als „Alpine Pearls“ zusammengeschlossen und sich verpflichtet, die CO2-Emissionen ihrer Gäste und den Autoverkehr vor Ort zu reduzieren.
Weniger kann mehr sein
Manchmal liegt der Mehrwert eines nachhaltigen Angebots aber gerade darin, dass er sich auf die wesentlichen Sehnsüchte gestresster und überforderter Menschen konzentriert: nicht einen weit entfernten, sondern genau den richtigen Urlaubsort; nicht möglichst viel, sondern möglichst gutes Essen; keine Aktion, sondern ein Angebot an Naturaktivitäten, auf das man bei Bedarf zugreifen kann.
Es ist kein Zufall, dass in Zeiten der wirtschaftlichen Verunsicherung Reiseangebote gefragt sind, die innere Ruhe, Sinn und eine Konzentration aufs Wesentliche versprechen. So zum Beispiel die Lehrerin Barbara Zimmer. „Ich kann mich am besten erholen, wenn ich mit dem Fahrrad von Ort zu Ort fahre. Im Alltag habe ich so viel Lärm, Hektik und Menschen um mich, dass ich im Urlaub dankbar bin, wenn gar nichts passiert.“ Auch die Landschaft muss für die 46-Jährige nicht spektakulär sein: „Nicht ganz flach, aber auch nicht sportlich anspruchsvoll“, fasst sie zusammen. „Ich fahre auch ganz gerne mal von zuhause los und schaue mir zwei Wochen lang den Rhein an.“
Einige kleine Reiseveranstalter haben ihre Reisen speziell auf diese Zielgruppe ausgerichtet. Sie haben sich den Werten Umwelt, Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung verpflichtet und wollen Pauschalreisen anbieten, die all diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden: Sie lassen ihre Wanderungen und Radtouren von einheimischen Guides führen, bringen ihre Gäste in typisch regionalen Unterkünften unter, achten auf eine lokale und ökologische Küche und vermitteln Spezialitäten und Gebräuche der Urlaubsregion.
Urlaubstrend: Kurz, weit, schnell
Aber trotz aller hoffnungsvollen Zeichen bleibt der ökologische Tourismus eine Randerscheinung. Man musste bei der Klimakonferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen schon aufmerksam hinhören, um mitzubekommen, dass das Reiseverhalten der Weltbevölkerung ein großes Problem fürs Klima darstellt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass jetzt schon über zehn Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes durch den Tourismus verursacht werden – Tendenz steigend.
Schuld daran ist vor allem die zunehmende Selbstverständlichkeit, mit der für die Urlaubsreise ins Flugzeug gestiegen wird. Einkaufen in London, Sonne auf Mallorca, Skifahren in den USA, Kur und Kultur in Indien: Günstige Flugangebote behalten solche Privilegien längst nicht mehr den reichsten Schichten vor. Die durchschnittliche Urlaubsdauer hat sich außerdem verkürzt. War es in den 70er Jahren nicht ungewöhnlich, für drei oder vier Wochen auf Sommerfrische in die Berge oder ans Meer zu fahren, klagen Reiseveranstalter heute darüber, dass 14-tägige Reisen kaum zu verkaufen sind. Viele der vorgefertigten Pauschalreiseangebote lauten „eine Woche inklusive Flug“.
Statt einmal lang, fahren die Deutschen also heute drei- bis viermal kurz in die Ferien. Hinzukommen Wochenendtrips, die – dem Billigflug sei dank – nach Barcelona, Rom, Moskau oder in andere mehrere tausend Kilometer entfernte Metropolen führen. Natürlich kann auch eine Kurzreise erholsam sein und Power für den Alltag freisetzen. Für die gesamte Energiebilanz des Tourismus sind jedoch kurze Flugreisen verheerend. Ein Beispiel: Nach Berechnungen des WWF macht die Anreise bei einem 14-tägigen Aufenthalt auf Mallorca etwa drei Viertel des gesamten Energieaufwands der Reise aus – nämlich 1221 kg CO2. Bleibt der Gast nur eine Woche vor Ort, steigt der Anteil der Anreise auf fast 90 Prozent!
Ein anderes Beispiel: Bei einem 14-tägigen Mexico-Aufenthalt liegt der Anteil des Hin- und Rückflugs mit über 6300 kg CO2 am gesamten Energieverbrauch der Reise ebenfalls bei knapp 90 Prozent, auch wenn der Urlauber vor Ort im Fünf-Sterne-Hotel lebt und es sich – ohne Rücksicht auf die Umwelt – richtig gut gehen lässt.
Diese Zahlen zeigen, wie wichtig die Verkehrsmittelwahl und die Entfernung des Ferienziels für einen klimaschonenden Urlaub ist. Sie zeigen aber auch, dass mit der Wahl eines umweltfreundlichen Hotels das Klima noch lange nicht gerettet ist.
Der Schritt zur Bahnanreise ins Ausland wird die Münchnerin Irene Fischer noch einiges an Überwindung kosten. „Ich weiß ja, dass es für die Umwelt besser wäre“, sagt sie. „Aber wenn ich nach Paris will, fliege ich dann doch lieber, als mich in den Zug zu setzen.“ Vielleicht muss sie auch in diesem Fall erst die Probe aufs Exempel machen: Eine Kundenumfrage des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) zu den Leistungen der Deutschen Bahn hat gezeigt, dass diejenigen die Leistung am schlechtesten bewerten, die noch nie Bahn gefahren sind.
Reisen und Ökologie
• Alles über Öko-Siegel im Tourismus, Tipps zu Unterkünften, Reiseveranstaltern und klimaschonende Anreise: www.vertraeglich-reisen.de
• Informationen zum Urlaub ohne Auto in den Alpen: www.alpine-pearls.com
• Ökologisch motivierte Reiseveranstalter: www.forumandersreisen.de
• Mehr zu Tourismus und Klima: Broschüre des WWF „Der touristische Klima-Fußabdruck“, pdf als Download (www.wwf.de)
• Mehr zum Thema Umwelt und Mobilität: Verkehrsclub Deutschland, VCD (www.vcd.org)
Autor: Regine Gwinner, Chefredakteurin der Zeitschrift Verträglich Reisen
Bilder: Shutterstock, Henrik Trygg/Visit Sweden
Aus: Body&Mind, Ausgabe 1/2010
Mode mit Moral kombinieren, geht das? Wir sagen: ja! Denn ökologisch einkaufen heißt nicht, den Spaß an der Mode gleich an den Bügel zu hängen. Hangeln Sie sich einfach an unserem (Leit-)Faden entlang.
Man sucht sie nicht wie die Nadel im Heuhaufen, dennoch sind wirklich ökologische Urlaubsangebote noch die Ausnahme. Expertin Regine Gwinner verrät Ihnen, wie Sie an sonnengewärmtes Duschwasser und Bioküche im Hotel kommen