Nicht mehr krank dank Küchenschrank
Kleine Beschwerden preiswert selbst behandeln
Gut für Schleimhäute und Haut: Salz
Oft kündigt sie sich mit Halskratzen an: eine Erkältung. Wer sie sofort behandelt, kommt meist um stärkere Beschwerden herum. Bestens eignet sich dazu ein Mittel aus der Küche, das jeder vorrätig hat: Salz. Im Handumdrehen lässt sich daraus eine Lösung zum Gurgeln, Inhalieren und Spülen herstellen. Und so geht´s : Ein Esslöffel Salz in einem Liter abgekochten Wasser auflösen. Als Dampfbad eingesetzt, beruhigt das noch heiße Salzwasser die gereizten Schleimhäute. Gerade zu Beginn einer Erkältung wird man gerne von einem trockenen Hustenreiz gequält. Das Salz stoppt diesen Prozess, indem es in den Schleimhäuten Feuchtigkeit bindet und damit ihre natürliche Abwehrfunktion stabilisiert.
Wer seine Nase von Keimen befreien möchte, kann zu einer abgekühlten Salzlösung greifen. Und so geht´s: Einfach ein wenig Flüssigkeit in die hohle Hand schütten, mit der Nase hochziehen und aus dem Mund wieder herauslaufen lassen. Einfacher geht es mit einem Nasenspülgerät aus Drogerie oder Apotheke, in das die Salzlösung eingefüllt wird. Alternativ kann die Nase mit einem in der Salzlösung getränkten Wattestäbchen ausgepinselt werden.
Auch für die Haut ist Salz ein preiswertes Gesundheitsmittel. Es pflegt und glättet sie und beseitigt selbst Schuppen. Dazu das Salz mit einem Salzstreuer ins trockene Haar verteilen und gut in die Kopfhaut einmassieren. Die Schuppen lösen sich leichter und können mit einer anschließenden Haarwäsche herausgespült werden.
Innerlich angewendet, ist eine Salzlösung Erste Hilfe bei Sonnenstich, Kreislaufschwäche und Durchfallerkrankungen. Dazu die zimmerwarme Lösung im Abstand von zehn Minuten schluckweise trinken.
Keimtöter und Fiebersenker: Essig
Auch der Keimtöter Küchenessig leistet bei Erkältungskrankheiten hervorragende Dienste. Einfach einen Esslöffel (Apfel-)Essig zu der beschriebenen Salzlösung dazugeben und mehrmals am Tag gurgeln, wenn die Stimme heiser oder der Hals vom vielen Husten rau geworden ist. Bei Verdauungsproblemen entgiftet Essig die Leber und kurbelt den Stoffwechsel an. In diesem Fall sollte kurmäßig vor den Mahlzeiten ein Glas zimmerwarmes Mineralwasser mit einem Esslöffel Apfelessig getrunken werden – und das über einen Zeitraum von etwa vier Wochen. Diese Maßnahme kann auch bei Sodbrennen und Blähungen helfen. Für eine Mundspülung gegen Mundgeruch gibt man drei Esslöffel Essig auf ein Glas Wasser und spült damit den Mund alle vier Stunden gründlich aus. Gegen Nasenbluten helfen zwei mit Essig getränkte Wattebäusche, die man sich zehn Minuten lang in die Nase hält. Als warmer Wickel oder Umschlag lindert Essig Blähungen, Durchfall, Völlegefühl oder Halsschmerzen. Bei Prellungen, Verstauchungen, Sonnenbrand und Insektenstichen wird der Essigumschlag kalt angewendet. Fieber kann mithilfe von getränkten Essigsocken gesenkt werden. Dazu werden fünf Teile Wasser mit einem Teil Essig gemischt, der Umschlag oder die Baumwollsocken darin getränkt und anschließend leicht ausgewrungen. Umschläge auflegen bzw. Socken anziehen, mit einem Wolltuch abdecken und 15 Minuten wirken lassen. Nach Bedarf kann dieser Vorgang zweimal wiederholt werden, bei Fieber jedoch nicht öfter, da sonst der Kreislauf belastet werden könnte. Nächtliche Schwitzattacken werden durch abendliche Waschungen mit dem beschriebenen Essigwasser verhindert, während ein täglich aufgetragener Brei aus Essig und Salz Warzen verschwinden lässt.
Antiseptischer Wundheiler: Honig
Aufgesprungene Lippen oder Herpes-Bläschen können mit Honig kuriert werden. Und auch wenn’s lecker schmeckt: dünn auftragen und nicht ablecken! Honig wirkt antiseptisch und bindet Feuchtigkeit. In einem Vollbad aufgelöst, kann er daher auch gereizte Haut beruhigen. Dazu zwei Esslöffel Honig ins warme Badewasser geben und darin ca. 20 Minuten lang entspannen. Wer Vollmilch im Haus hat, kann dem Badewasser einen Liter beigeben. Das verstärkt den glättenden Effekt. Auf die betroffene Stelle getupft, verstärkt der gelbe Stoff bei kleinen Schnitten oder Kratzern den Heilungsprozess. Wer unter Akne leidet, kann die entzündete Haut mit einer Honigmaske beruhigen. Mischen Sie dazu je einen Esslöffel Bienenhonig und Weizenkeimöl und tragen Sie die Mischung auf die Haut auf. Nach zehnminütiger Einwirkzeit mit warmen Wasser und einem weichen Tuch abwischen.
Gegen Bakterien und Schmerz: Zwiebel
Wo viel gekocht wird, sind meist auch Zwiebeln vorrätig. Ihre zahlreichen Inhaltsstoffe machen sie nicht nur zu einem leckeren Gemüse, der regelmäßige Genuss wirkt sich sogar günstig auf einen zu hohem Blutdruck aus. Zwiebeln hemmen zudem Bakterien und werden daher bei Husten eingesetzt. Dazu eine zerkleinerte Zwiebel mit einem Achtel Liter Sirup übergießen. Der Sirup ist übrigens schnell aus zwei Teilen Zucker und einem Teil Wasser hergestellt: Den Zucker mit warmem Wasser übergießen und bei schwacher Hitze kochen, bis er sich aufgelöst hat. Alternativ schneidet man zwei große Zwiebeln in dünne Scheiben und vermischt sie mit drei Esslöffeln Honig. Beide Mischungen müssen vor Anwendung 24 Stunden lang ziehen. Drei bis fünf mal täglich ein bis zwei Teelöffel einnehmen und den Rest im Kühlschrank aufbewahren.
Die rohe Zwiebel eignet sich auch zum Desinfizieren und Schmerzstillen von Insektenstichen: Die Schnittfläche einer Zwiebelhälfte auf die Einstichstelle legen und leicht verreiben. Bei Furunkeln und Abszessen rührt man eine fein gehackte, rohe Zwiebel mit Wasser zu einem Brei an und trägt ihn auf die betroffene Stelle auf. Die Dämpfe einer frisch geschnittenen Zwiebel auf dem Nachttisch oder in Kopfnähe lassen bei Schnupfen die Schleimhäute abschwellen, das lässt den Schleim abfließen.
In gekochter Form entfaltet die Zwiebel ihre Wirkung bei Mittelohrentzündung. Hier gibt man eine gehackte, gekochte Zwiebel in ein Tuch und hält es so warm wie möglich auf das schmerzende Ohr. Die Zwiebelmasse kann auch zur Hustenlinderung warm auf die Brust aufgetragen werden: Mit einem Tuch abdecken und etwa eine Stunde lang einwirken lassen. Bei Schnupfen, Halsschmerzen und Husten kann man die heilsamen Wirkstoffe sogar inhalieren: Eine gehackte Zwiebel wird mit einem Teelöffel Salz in kochendes Wasser gegeben, die aufsteigenden Dämpfe werden dann eingeatmet.
Kühlend und abschwellend: Quark
Quark ist nicht nur lecker und gesund, er kann auch bei vielen Beschwerden Linderung verschaffen. Eine Vorratspackung im Kühlschrank lohnt sich also. Quark kühlt bei schmerzhaften Entzündungen durch Sonnenbrand oder Insektenstiche und lässt sie abschwellen. Auch bei Prellungen, Arthritis und Verstauchungen lindert er den Schmerz. Für einen Umschlag den Quark dick auf die betroffene Stelle auftragen und mit Küchenfolie abdecken, über die man ein Handtuch legt. Beginnt der Quark zu bröckeln, kann der Umschlag kann abgenommen werden. Diese Anwendung ist auch bei leichten Sehnenscheidenentzündungen und Krampfadern empfehlenswert. Der Quark entlastet das Gewebe, indem er die Flüssigkeit herauszieht. Bei einem Sonnenstich kühlt ein Quarkumschlag den überhitzten Kopf.
Tausendsassa Kartoffel
Sie ist definitiv mehr als eine Sättigungsbeilage. Ihre basenreichen Inhaltsstoffe machen aus der Kartoffel ein vielfältiges Heilmittel wie kaum ein anderes Lebensmittel. Eine zehntägige Suppenkur entlastet etwa den Stoffwechsel und die Bauchspeicheldrüse. Schon ein einziger Kartoffeltag wirkt entwässernd und tut dem Herzen gut. Bei Magen- und Darmbeschwerden hilft eine zwei- bis dreitägige Kartoffelbrei-Kur bei jeweils kleinen Portionen. Der Brei sollte allerdings ohne Salz und Fett zubereitet werden. Diese Arzneispeise zieht auch Wasseransammlungen aus Beinen, Oberarmen, Oberbauch und Fettgewebe des Bauch-Brustbereichs. Zusätzlich kann das Kochwasser der geschälten Kartoffeln getrunken werden. Bei Sodbrennen mildert roher, mit Wasser verdünnter, Kartoffelsaft die Beschwerden. Alternativ kann man eine rohe Kartoffel kauen.
Äußerlich bewähren sich warme Umschläge aus Pellkartoffel. Sie lindern Schmerzen, Krämpfe und Entzündungen in Hals, Bauch, auf der Haut, in der Blase und auch bei rheumatischen Erkrankungen und Nasennebenhöhlenentzündungen. Für einen Umschlag wird ein halbes Pfund Kartoffeln gekocht, gepellt und dann zu einem Brei verrührt, den man dick auf ein trockenes Leinentuch streicht. Der Umschlag auf die betroffene Stelle legen, bis er abkühlt. Rohe Kartoffelscheiben reduzieren hingegen Augenschwellungen oder Kopfschmerzen.
Kohlblätter gegen Neuralgien
Umschläge mit Wirsing- oder Weißkohlblättern gehören zu den ältesten Heilmitteln. Die Rippen des Kohlblatts hemmen Entzündungen und können als Umschlag Linderung bringen vor allem bei Kniebeschwerden, Tennisarm (Sehnenscheidenentzündung) oder bei neuralgischen Schmerzen im Oberarm. Anwendung finden sie auch bei Bronchitis, Halsschmerzen, geschwollenen Halsdrüsen, Geschwüren und Rheuma. Dazu die Rippen des Kohlblatts mit der Teigrolle flach drücken, das Blatt erwärmen und auf die betroffene Stellen legen oder vorsichtig um das Körperteil wickeln und mit einem Handtuch abdecken. Diese Anwendung bringt auch bei Wadenkrämpfen und Insektenstichen Erleichterung.
Mehr Medizin aus der Küche: Was hilft bei welcher Erkrankung?
• Erkältung: Hühnersuppe enthält viel Zink, das stärkt das Immunsystem. Mit Zutaten wie Knoblauch, Zitronengras und Ingwer wirkt die Suppe noch effektiver.
• Brechreiz: An einer Zitrone riechen.
• Zahnschmerzen: Auf einer Gewürznelke kauen. Das ätherische Öl Eugenol betäubt den Schmerz.
• Verbrennung auf der Zunge: Ein kleiner Schluck Sahne kühlt.
• Blähungen: Tee oder warme Milch mit Kümmel trinken.
• Durchfall: Zwei Teelöffel Bohnenkraut mit einem Viertelliter kochendem Wasser übergießen und abkühlen lassen. Davon täglich zwei bis drei Tassen trinken. Nicht für Kinder geeignet!
• Hämorrhoiden: Jeden Tag einen Viertelliter Apfelmost oder naturtrüben Apfelsaft trinken.
• Krampfadern: Eine rohe Gurke zu Brei zerstampfen oder pürieren, in die Socken füllen und diese über Nacht anziehen.
Erste Hilfe aus dem Wasserhahn
• Hoher Blutdruck: Ein sehr warmes Wannenbad wirkt blutdrucksenkend bei regelmäßiger Anwendung (zweimal wöchentlich über drei Wochen).
• Verstopfung: Trinken Sie jeden Morgen ein Glas Wasser, das über Nacht abgestanden ist. Nach dem Essen eine Tasse sehr warmes Wasser trinken. Zwei- bis dreimal am Tag eine Wärmflasche auf den Bauch legen.
• Zahnschmerzen: Legen Sie einen Eisbeutel über die schmerzende Stelle.
• Ohrenschmerzen: Halten Sie das schmerzende Ohr über die aufsteigenden Dämpfe eines Kamillendampfbades. Alternativ können Sie auch warme Handtücher ans Ohr legen.
• Verbrennungen: Kühlen Sie sofort und mind. 30 Minuten lang mit kaltem Wasser, danach Eiskompressen auflegen.
• Verspannungen im Nacken oder Rücken: In heißes Wasser getränkte Handtuch auswringen und so warm wie möglich auf die betroffene Stelle legen, mit einem weiteren Tuch abdecken.
• Nasenbluten, Prellungen, Beulen: Eiswürfel oder Kältekompressen auf die betroffenen Stellen halten.
Falls sich keine anhaltende Wirkung zeigt bzw. sich die Beschwerden verschlimmern, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.
Was wirkt wirklich?
So manche Hexe büßte mit ihrem Leben für ihr Wissen. Die Tatsache, dass ihre selbstgebraute Medizin bei Krankheit und mannigfaltigen Beschwerden tatsächlich Wirkung zeigte, war vielen Zeitgenossen unheimlich. Heute wissen wir: Der vermeintliche Pakt mit dem Teufel war ein Pakt mit der Natur. Nicht umsonst wird der Name Hildegard von Bingen von Naturmedizinern und -heilkundlern seit gut 800 Jahren ehrfurchtsvoll genannt. Die Ordensschwester hinterlies uns ein Potpourri an wirksamen Naturrezepten gegen Gesundheitsbeschwerden. Wir haben uns über die Weiterentwicklung von Mitteln aus der Naturapotheke schlau gemacht.
Prüfen und anwenden
Pflanzen sind sehr ergiebig. Aus ihnen entstehen Nahrungsergänzungsmitteln, Arzneitees, traditionelle Hausmittel und zugelassene Arzneimitteln. Eine Therapie ist jedoch meist nur dann von Erfolg gekrönt, wenn man sich bewusst für ein bestimmtes Produkt entscheidet – und dabei bleibt! Beispiel: Ein Tee wirkt weniger intensiv als ein Präparat mit einem standardisierten Inhaltsstoff. Wer zwischen beiden hin und her wechselt, wird unterschiedliche Ergebnisse erreichen, die unter Umständen nicht befriedigen.
Der sicherste Behandlungsweg führt in die Apotheke, und zwar zu apothekenpflichtigen, pflanzlichen Arzneimitteln. Sie sind wissenschaftlich klar definiert und auf Reinheit und Gehalt geprüft. Ihre Qualität hält durchaus den Vergleich mit chemisch definierten Arzneimitteln stand. Der recht hohe Preis mancher Pflanzenprodukte ist bedingt durch die Tatsache, dass Belastungen durch Umweltverschmutzung und Radioaktivität ausgeschlossen werden sollen. Das schließt jedoch Rohstoffe aus Wildbeständen aus und macht sorgfältig gepflegten Kulturanbau nötig. Ein zweiter Grund ist die Erntereife. Eine kultivierte Ginsengwurzel erreicht etwa erst nach sieben Jahren einen optimalen Wirkungsgrad.
Natur contra Chemie
Selbst die Chemie nimmt sich die Natur zum Vorbild! Das funktioniert folgendermaßen: Sie orientiert sich an Struktur und Inhalt natürlicher Wirkstoffe und baut diese zum Zweck der Optimierung und Wirkungsverstärkung nach. Die Acetylsalicylsäure von Aspirin ähnelt etwa den Salicinen der Weidenrinde.
Und doch: Manchmal helfen pflanzliche Medikamente besser als chemische. Neben der Dosis einzelner Substanzen ist nämlich auch das Zusammenspiel aller pflanzlicher Inhaltsstoffe entscheidend.
Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass chemisch produzierte Medikamente stärker als pflanzliche Arzneimittel wirken. Jeder Mensch reagiert jedoch anders auf seine Umwelt und somit auch auf Medikamente. Es kann also durchaus passieren, dass ein synthetisches Schmerzmittel wie Ibuprofen nicht hilft, obwohl es sich um einen hochwirksamen Stoff handelt. Dann bedient sich selbst die moderne Schulmedizin der Phytotherapie. Für die folgenden Alltagsbeschwerden können pflanzliche Medikamente äußerst hilfreich sein – wenn auch nicht immer ganz ohne Nebenwirkungen.
Die Gesichter von Schmerz
Er kann viele Ursachen haben und sich unterschiedlich äußern: Schmerz ist ein Symptom dafür, dass etwas im Körper nicht in Ordnung ist. Bevor jedoch ein Schmerzmittel eingenommen wird, sollte für eine passende Therapiewahl der Auslöser gefunden werden. Kopfschmerz ist etwa nicht gleich Kopfschmerz: Stress, eine Erkältung, Hormonschwankungen oder eine Verletzung können die Ursache sein. In der Akutphase schafft ein Schmerzmittel auf jeden Fall Erleichterung.
Bei Stress-Kopfschmerzen hilft ein entspannendes Baldrianpräparat (z.B. Vivinox® Day), Erkältungskopfschmerzen lassen sich mit einer entzündungshemmenden Primelkombination (z.B. Sinupret®) lindern. Wer häufig unter Migräne leidet, sollte über eine Prophylaxe mit Pestwurzextrakt nachdenken (z.B. Petadolex®). Für einen ausgeglichenen Hormonhaushalt bewähren sich Keuschlamm (z.B. Agnolyt®) und Traubensilberkerze (z.B. Remifemin®). Bei rheumatischen Schmerzen hilft ein Präparat aus der Weidenrinde (z.B. Assalix®)), welches auch bei gelegentlichen Kopfschmerzen und fieberhaften Erkrankungen angewendet werden kann – allerdings nicht ganz ohne Nebenwirkungen: Die enthaltenen Salicine können bei empfindlichem Magen-Darmtrakt sowie bei Asthmatikern verstärkt Probleme bereiten. Die Weidenrinde verstärkt auch die Wirkung von Tabletten gegen zu hohen Blutzucker und blutverdünnende Mittel. Medikamente zur Steigerung der Harnsäureausscheidung schwächt sie hingegen ab. Nicht ohne Nebenwirkungen, aber insgesamt besser verträglich, ist bei chronischen, rheumatischen Schmerzen die Teufelskralle (z.B. Matai®, Sogoon®).
Auch äußerlich können pflanzliche Extrakte Schmerzen lindern: Auf Stirn und Schläfen eingeriebenes Pfefferminzöl (z.B: Euminz®) eignet sich bei leichten bis mittelschweren Kopfschmerzen. Vorsicht, nicht in die Nähe der Augen kommen, sonst drohen Bindehautreizungen! Bei Prellungen, Zerrungen, Muskel- und Gelenkschmerzen infolge stumpfer Verletzungen wirkt eine Salbenzubereitung aus Beinwell durchblutungsfördernd und beseitigt Ödeme (z.B. Kytta® Salbe f, Traumaplant®).
Alternativ bei Erkältung
Husten, Schnupfen und Heiserkeit haben immer Saison: Wechselhafte Witterung, Hitze oder Kälte schwächen das Immunsystem. Viren und Bakterien haben jetzt leichtes Spiel. Erste Anzeichen einer Erkältung sind häufig gereizte Schleimhäute. Begegnen Sie ihnen mit regelmäßigem Gurgeln von entzündungshemmenden Salbeitees und dem Lutschen von isländischem Moos (z.B. Isla Moos®). Sollten sich die Erreger schon in die Atemwege vorgearbeitet haben, können die verschleimten Bronchien mit einem Präparat aus Efeuextrakt befreit werden (z.B. Prospan®, Hedelix®). Trockener Reizhusten tritt gern zu Beginn oder zum Schluss einer Erkältung auf. Spitzwegerich (z.B. Broncho-Sern®) lindert ihn und Sonnentaukraut entkrampft die gereizten Schleimhäute und stillt ebenfalls den Husten (z.B. Makatussin® Saft Drosera, zuckerfrei).
Ist der Husten besonders hartnäckig, befreit Thymian von Verschleimungen, besonders zusammen mit Pfefferminze, Efeu, Schlüsselblume oder Salbei (z.B. Bronchicum®). Zur Behandlung von akuten und chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen hat sich die Schlüsselblume in Verbindung mit Enzianwurzel, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut bewährt (z.B. Sinupret®). Sollten sich Atemwegs- oder grippale Infekte ständig wiederholen, kann das Immunsystem mit dem Kraut und der Wurzel des Sonnenhuts stimuliert werden (z.B. Echinacin®, Esberitox®).
Bewährtes bei Magen-Darmbeschwerden
Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit und Krämpfe im Oberbauch können unterschiedliche Ursachen haben. Wenn die ableitenden Gallenwege nicht richtig funktionieren, werden Fette nicht ausreichend verdaut. Kein Wunder, dass sie dann schwer im Magen liegen! Aber auch Stress und hastiges Essen rufen ähnliche Beschwerden hervor und „schlagen auf den Magen“. Neben einer veränderten Verhaltensweise normalisieren oft schon Tees mit Kamille oder Pfefferminze die entzündeten oder verkrampften Verdauungsorgane. Kombiniert mit Angelikawurzel, Kümmel, Mariendistel, Melisse, Schöllkraut und Süßholz, hat man ein Präparat zur Hand, das funktionelle Beschwerden zuverlässig beseitigt (z.B. Iberogast®).
Wer unter einem chronischen Reizdarm leidet (Dysmenorrhoe), kann sich das ätherische Öl der Pfefferminze zunutze machen. In Form einer magenresistenten Kapsel gelangt es in den gereizten Darm, wo es seine entkrampfende Wirkung ohne Belastung des Magens entfaltet (z.B. Medacalm®).
Übelkeit auf Reisen, im Auto, Flugzeug oder auf dem Schiff wird durch Ingwerkapseln verhindert (z.B. Zintona®). Gegenüber chemischen Produkten haben sie den großen Vorteil, dass sie nicht müde machen. Die Uzarawurzel (z.B. UZARA®) oder ein Extrakt aus Eichenrinde (z.B. Traxaton®) helfen bei unspezifischen akuten Durchfallerkrankungen. Ebenfalls hilfreich ist Tormentillwurzelstock-Trockenextrakt (z.B. ratioGast®). Achten Sie darauf, dass Sie gleichzeitig Ihren Elektrolythaushalt mit viel Flüssigkeit ausgleichen.
Nervenbalsam: Baldrian & Hopfen
Der alltägliche Spagat zwischen Beruf, Haushalt und Kinderbetreuung versetzt vor allem Frauen in einen überreizten Zustand. Entspannungsmomente und ruhiger Schlaf sind selten. Baldrianwurzel, Hopfen, Melisse und Passionsblume unterstützen hier: Bestimmte Präparate machen nicht müde und sind besonders für den Tag geeignet (z.B. Vivinox® Day), andere sorgen für einen besseren Schlaf (z.B. Kytta Sedativum®). Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen oder Magen-Darm-Beschwerden treten selten auf.
Wenn nervöse Symptome bereits von depressiven Verstimmungen begleitet werden, hellen Johanniskrautpräparate die Stimmung auf (z.B. Felis®, Jarsin®). Zu beachten: Während der Einnahme kann sich die Lichtempfindlichkeit erhöhen. Auch auf Wechselwirkungen mit Antidepressiva, Zytostatika und Anti-HIV-Medikamenten achten!
...fragen Sie Ihren Apotheker
...oder das Internet?
Schon allein die Eingabe bei der Internetsuchmaschine Google lässt so manchen erzittern: Wie viele tausend Treffer wird man wohl dieses Mal bei Eingabe des Suchbegriffs landen? Lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Wenn Sie wissen, wie Sie an zuverlässige und verständlich erläuterte Informationen kommen, macht das Recherchieren per Internet sogar richtig Spaß. Eines sollte Ihnen dennoch klar sein: Eine individuelle Diagnose kann Ihnen die digitale Welt nicht bieten.
„Best of“ der Gesundheitsportale
Die Bestnote „Gut“ (2,5) erzielte das Gesundheitsportal NetDoktor in der Ausgabe 6/2009 der Zeitschrift test. Neben Spezial-Rubriken bietet es umfassende Informationen über Krankheiten, ihre Symptome und Medikamente. Details zu Untersuchungen und Therapien bereiten bestens auf den Arztbesuch vor. Unter dem Link Serviceabteilung finden sich Adressen von Ärzten, Reha-Einrichtungen und Kliniken. Auch wer Kontakt mit Leidensgenossen knüpfen möchte, findet eine Vielzahl an Selbsthilfegruppen. Sehr hilfreich sind auch die kostenlosen Downloads für Impfkalender, Röntgenpass oder Organspendeausweis. Der kostenfreie Newsletter versorgt einen regelmäßig mit nützlichen Tipps sowie Aktualitäten aus Forschung und Gesundheitspolitik. Das Medizin-TV strahlt Sendungen zu verschiedenen Erkrankungen aus, die man sich jederzeit anschauen kann.
Ebenfalls zu den besten Internetseiten zählt GesundheitPro der Apotheken Umschau. Neben Informationen über Krankheiten bietet sie einen „Medikamentenfinder“ und einen Wechselwirkungs-Check.
Sucht man einen Experten für bestimmte Beschwerden, so findet man ihn unkompliziert über die Arztauskunft der Stiftung Gesundheit (www.arzt-auskunft.de). Übersichtlich platziert sind die Suchfunktionen für Erste-Hilfe, den Giftnotruf und den Apothekennotdienst in der rechten Spalte. Auch GesundheitPro (www.gesundheitpro.de) bietet Videos zu verschiedenen Gesundheitsthemen an. Über ein aktuelles Thema berichtet ebenfalls das Gesundheitsportal Vitanet per Video (www.vitanet.de). Praktisch sind hier vor allem eine Rubrik, die sich der Selbstmedikation widmet sowie die Abteilung Naturheilkunde zu den Themen Homöopathie, Schüßler-Salze, Bachblüten und Heilpflanzen. In der Rubrik Apotheke und mehr erfährt man, wie lange Medikamente haltbar sind, was in eine Hausapotheke gehört und wie lange ein Rezept gültig ist.
Apotheke oder Internet?
Apotheken fast an jeder Ecke – so sieht es in der Stadt aus. Weniger verwöhnt ist meist der Landbewohner. Wie können Betroffene diese Versorgungslücke am besten schließen? Seit etlichen Jahren werben Versandapotheken um die Gunst des Kranken und locken mit preiswerten Angeboten. Der klare Vorteil: Zuhause lassen sich in Ruhe Arzneimittel und Preise vergleichen. Nicht selten stößt man auf rezeptfreie Präparate, die bis zu 30 Prozent günstiger sind als in der nächsten Apotheke. Ihr Nachteil: Die Beratung bleibt dabei auf der Strecke, obwohl sie laut Gesetz Pflicht ist. Testberatungen erwiesen sich sogar häufig als inkompetent und gaben laut Stiftung Warentest falsche Hinweise. Auch der Versand von Medikamenten hat einen Haken, denn jedes vierte Päckchen landet entgegen des Bestellerwunsches beim Nachbarn, einige sogar in Kinderhänden oder vor der Wohnungstür. Weiterer Nachteil: Bei einem Kauf von rezeptfreien Präparaten muss eine bestimmte Summe erreicht werden, damit die Versandkosten von 4,95 Euro entfallen. Für Kunden, die nur eine Packung Schmerztabletten kaufen möchte, lohnt sich eine Bestellung über das Internet also nicht.
Die altgediente Apotheke mit dem Apotheker hinter der Theke kann also gut mithalten. Günstige Arzneimittel – und das mit einer versierten und kostenlosen Beratung – bekommt man auch hier. Man muss nur danach fragen. Sogenannte Generika, also preiswerte Nachahmerprodukte mit dem gleichen Wirkstoff des Originalpräparats, entlasten den Geldbeutel deutlich. Beim pharmazeutischen Personal Ihrer Apotheke können Sie dazu nähere Auskünfte einziehen. Kleiner Hinweis: Obwohl sie den Originalprodukten qualitativ in nichts nachstehen, kann es dennoch passieren, dass ein Generikum weniger wirkt oder schlechter vertragen wird. Die verwendete Hilfsstoffe oder die Form der Arznei können hier die Ursache sein. Der umgekehrte Fall kommt ebenfalls vor und das Nachahmerpräparat wird besser vertragen. Genau bei diesem Problem der Wahl kann Ihnen Ihre Apotheke beratend zur Seite stehen und zu einem Präparat raten, für das gute Erfahrungswerte vorliegen.
Medikamentenwald
Bei rezeptfreien Medikamenten kann sich jeder selbst das Präparat aussuchen. Verwirrung herrscht jedoch oftmals bei Verordnungen durch den Arzt. Seitdem die Krankenkassen nämlich ihre eigenen Rabattverträge mit Pharmaunternehmen abschließen können, ändert sich die Palette der Medikamente ständig. Plötzlich tauchen Namen von Herstellern auf, von denen man noch nie etwas gehört hat. Das verunsichert vor allem ältere und chronisch kranke Menschen. Dabei hat die ständige Neu-Auswahl der Medikamente durch die Krankenkassen einen durchaus sinnvollen Grund: Sie soll die Ausgaben der Krankenkassen senken und den Wettbewerb zwischen den Pharmaunternehmen anregen.
Die Konsequenz: Der Arzt schreibt häufig nur noch Name des Wirkstoffs, Dosierung und Packungsgröße auf das Rezept. Die Apotheke wählt dann das Präparat von einer Firma aus, mit der die Krankenkasse des Patienten einen Rabattvertrag geschlossen hat. Zum Teil muss dafür keine Zuzahlung mehr geleistet werden. Ist das vorgeschriebene Medikament jedoch nicht lieferbar, darf die Apotheke ein vergleichbares Produkt auswählen, das exakt denselben Wirkstoff in derselben Menge enthält. Die Qualität ist dabei die gleiche und wird ständig überprüft.
Das große Plus der Apotheke
Für Medikamente außerhalb des Rabattsystems legen die Krankenkassen bestimmte Erstattungsbeträge fest. Ist der Preis des Medikaments höher, muss der Patient die Differenz bezahlen. Ist der Preis eines Medikaments mindestens 30 Prozent unterhalb des Betrags, den die Kasse höchstens zahlt, muss keine Zuzahlung geleistet werden. Hier liegt also das Sparpotential des Patienten.
Neu entwickelte Medikamente, die eine Therapie entscheidend verbessern können, sind von dieser Regelung befreit. Hier muss der Patient keinen Differenzbetrag leisten. Wer ein rezeptfreies Präparat selbst kaufen will, kann ohnehin sparen, indem er sich verschiedene Angebote einholt. Das kann via Internet geschehen, aber auch die Apotheke kann jederzeit mithilfe des Computers herausfinden, welche Firma das preisgünstigste Präparat anbietet. Der Vorteil ist hier die Möglichkeit einer direkten und unverzögerten Beratung. Kleiner Tipp: Wer eine Stamm-Apotheke hat, kann seine Daten speichern lassen. Das pharmazeutische Personal kann dann jederzeit überprüfen, ob Wechselwirkungen zwischen Dauer- und Akutmedikamenten bestehen. Ein Gespräch klärt auch viele andere Probleme einfacher als eine E-Mail an die Internet-Apotheke. Zwar bietet letztere auch Telefonate an, eine umfassende Beratung ist jedoch bei einem persönlichen Kontakt sicherlich effektiver. Übrigens: Das pharmazeutische Personal (PTA) besteht nicht nur aus Apothekern. Ihnen stehen pharmazeutische Assistenten zur Seite, die sich jedoch mit Medikamenten ebenso gut auskennen und viele probate Tipps geben können, denn ihre Ausbildung ist ausgesprochen praxisorientiert. Die pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin sorgt für Bestellung, Bevorratung und Pflege des Warenlagers und kann der PTA und dem Apotheker bei der Herstellung von Medikamenten zuarbeiten. Der Kunde kann also sicher sein, von einem kompetenten Team versorgt zu werden.
Rezeptpflichtige Arzneimittel
Möglicherweise empfiehlt Ihnen Ihr Arzt ein Medikament, was Sie nicht kennen. Hier hat er die Pflicht, Sie über Wirkung und mögliche Nebenwirkungen aufzuklären. Es sollte Sie vor allem so gut kennen, dass er beurteilen kann, welches Präparat für Sie hilfreich sein kann und welches besser gemieden werden sollte, etwa auf Grund von Nebenwirkungen mit anderen Medikamenten. Beispiel: Wenn Sie als Asthmatiker neuerdings unter hohen Blutdruck leiden, dürfen Ihnen normalerweise keinen Betablocker verschrieben werden. Sie können die Asthmabeschwerden noch verstärken. Fazit: Sobald Sie sich betreff Diagnose, Verordnung oder Wirkung des Medikaments unsicher fühlen, sollten Sie Ihrem Arzt auf den Zahn fühlen. Schließlich ist es Ihre Gesundheit, für die Sie Sorge tragen müssen.
Buchtipp:
Wissen, was der Arzt sagt
Ob Beipackzettel, Befunde oder das Gespräch beim Arzt: Die medizinische Fachsprache ist für den Laien oft unverständlich. Damit ist jetzt Schluss! Ein Expertenteam erklärt medizinische Fachbegriffe knapp und präzise und liefert relevante Fakten zu Krankheitsbildern und Therapien.
Paul Hötger (Hg.): Ärztesprache von A-Z, Gondrom Verlag, € 5,00
Aus: Body&Mind, Ausgabe 4/2009
Autor: Andrea Fettweis
Bilder: Shutterstock
Der Weg zur Gesundheit muss nicht zwangsläufig über den Medizinschrank führen Der Küchenschrank tut es häufig auch. Darin steht so manches traditionelle und bewährte Hausmittel, das wertvolle Dienste leistet – häufig sogar ohne Nebenwirkungen. Wir haben Ihnen die wichtigsten Medikamente aus der Küche zusammengestellt
Die wachsende Zahl an Medikamenten und die mindestens so schnell steigende Informationsflut über Nebenwirkungen erhöht vor allem eines: Die Unsicherheit der Patienten darüber, womit sie sich kurieren sollen. Bevor Sie „zur Sicherheit“ nach Pharmazeutika greifen, prüfen Sie die Wirkung pflanzlicher Arzneimittel. Die sind meist gut verträglich und haben kaum Nebenwirkungen. Aber wirken sie denn auch?
Können Hausrezept und Naturheilkunde nichts mehr ausrichten, müssen es wohl Pharmazeutika sein. Das Nadelöhr dabei: Bei den vielen verschiedenen Medikamente ist kompetente Beratung vonnöten. Die bekommen Sie in der Apotheke, nicht aber im Internet. So verbinden Sie das Beste der neuen und der alten Welt miteinander: