Glatt gewonnen!
Anti Aging für die Haut

Wer hätte ihn nicht gern, den Schlüssel zu ewig junger Haut. Dass es nicht allein die „guten Gene“ sind, die mancher Frau zu jugendlich glattem Teint verhelfen, weiß Dermatologin Dr. Tatjana Pavicic

Was unseren Organismus insgesamt altern lässt, spielt natürlich auch bei der Haut eine wichtige Rolle. Bei ihr wird grundsätzlich zwischen zwei parallel verlaufenden Prozessen unterschieden, der genetischen und der extrinsischen Alterung. Während die genetische Alterung von inneren Faktoren abhängt, basiert extrinsische Alterung auf äußere Faktoren. Hier ist an erster Stelle die ultraviolette Strahlung des Sonnenlichts zu nennen.

Eine weitere Entwicklung führt zusätzlich zu fatalen Hautalterungsschäden: die Bestrahlung mit künstlicher UV-Strahlung. Gerade im Herbst, wenn die Haut eigentlich eine Ruhepause benötigt, wollen viele ihren „gesunden“ Teint über den Herbst hinweg retten. Der ungebrochene Trend zum Besuch des Sonnenstudios erhöht nicht nur die Zahl der Hautkrebserkrankungen, er führt auch zu einer deutlichen Zunahme der vorzeitigen Hautalterung. Es ist schon paradox, dass viele sich freiwillig die kurzfristig erzielbare Hautbräunung mit einer langfristig eintretenden, kosmetisch unerwünschten und nur schwer umkehrbaren vorzeitigen Hautalterung erkaufen. Das Motto „gealtert wird später“ erhält so eine ganz andere als ursprünglich gedachte Bedeutung.

Gefährliche Tiefenwirkung

Das Licht setzt sich aus langwelligen UV-A-, mittelwelligen UV-B- und kurzwelligen UV-C-Strahlen zusammen. Für die Alterung durch Lichteinwirkung sind sowohl UV-A als auch UV-B-Strahlen verantwortlich. Da aber die langwelligere UV-A-Strahlung im Gegensatz zur UV-B-Strahlung tief bis in die Lederhaut eindringt, dürfte sie für die Hautalterung von größerer Bedeutung sein.

Inzwischen ist nachgewiesen, dass die für die Lichtalterung verantwortlichen Veränderungen vor allem in der so genannten Lederhaut stattfinden. Und damit ist die Hauptverantwortliche ausgemacht: UV-A-Strahlung. Sie wirkt geradezu zerstörerisch auf die Lederhaut, die besonders reich an Bindegewebszellen ist.

Radikal lass nach!

Durch die Einwirkung von UV-A-Strahlen setzt sich in unserem Körper folgender Prozess in Gang: Sauerstoffradikale werden freigesetzt, die schädigende Wirkung auf Zellmembrane und wichtige Eiweißmoleküle nehmen. Es handelt sich dabei um Moleküle, denen ein Atomteilchen, ein sogenanntes Elektron, in der Außenhülle fehlt. Um diese wieder zu stabilisieren, greifen sie sich Elektronen von Nachbarmolekülen und schädigen damit Zellmembrane, Zellkerne, DNS und Eiweißmoleküle wie beispielsweise Enzyme. Bleibende Schäden sind vorprogrammiert, die zu einer vorzeitigen Hautalterung führen. Grobe Faltenbildung, unregelmäßige, fleckige Pigmentierung und Gelbverfärbungen sind charakteristische Veränderungen für eine lichtgealterte Haut. Die Haut sieht im wahrsten Sinn des Wortes alt aus. Aber nicht nur das. UV-A-Strahlung verstärkt zusätzlich die schädlichen Wirkungen der UV-B-Strahlen und erhöht damit das Risiko eines Sonnenbrands sowie einer Tumorbildung bis hin zum Hautkrebs. Besonders tückisch ist, dass UV-A-Strahlen nicht sofort spürbar sind und die Haut erst im Laufe von wiederholten Bestrahlungen verändern.

UV-B-Strahlen entfalten hingegen hauptsächlich in der oberflächlichen Hautschicht, auch Epidermis genannt, ihre schädliche Wirkung. Sie führen zu Sonnenbrand und sind für ein erhöhtes Hautkrebsrisiko verantwortlich. Über die Melaninbildung bewirken UV-B-Strahlen auch eine Pigmentierung und damit die Bräunung der Haut. Zudem wird durch diese die schützende Hornschicht an der Hautoberfläche verdickt, die sogenannte Lichtschwiele. Doch bis Melanin und Lichtschwiele schützen können vergehen Tage beziehungsweise Wochen. Wenn auch im geringeren Maße als UV-A-, setzen UV-B-Strahlen ebenfalls die Enzymbildung und die beschriebenen Alterungsprozesse in Gang.

Wesentlich am Alterungsprozess der Haut beteiligt sind außerdem Tabakrauch, Infrarotstrahlung und Ozon. Der „blaue Dunst“ beschleunigt nicht nur die Hautalterung, sondern verringert zudem auch die körpereigene Herstellung von Kollagen um bis zu 40 Prozent! Auch hier sind wieder freie Radikale im Spiel.

Hormone als Jungbrunnen?

Die Effekte der Lichtalterung lassen sich durch Verhaltensänderung recht leicht vermeiden. Wesentlich komplizierter wird es beim „inneren“ Altern. Die neuroendokrine Theorie des Alterns nimmt an, dass „biologische Uhren“ den Alterungsprozess über die Hormone kontrollieren. Am besten untersucht sind wohl die zyklus- und klimakteriumbedingten Veränderungen der Haut. Da das weibliche Geschlechtshormon Östrogen auf die Kollagensynthese stimulierend wirkt, ist mit der Postmenopause eine deutliche Verminderung der Hautdicke und eine messbare Reduktion der Kollagensynthese verbunden. Kein Wunder also, wenn Hormone häufig geradezu euphorisch als Wundermittel der Verjüngung angepriesen werden. Da die langfristigen Folgen im Alter noch nicht hinreichend bestätigt sind, ist der Hormoneinsatz in Deutschland jedoch rezeptpflichtig. Anders in den USA. Dort sind Hormone als Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich.

Für die Therapie mit Östrogenen gibt es bisher nur eine sicher belegte Wirkung: Sie lindern die Wechseljahrsbeschwerden. Die Effekte auf die Hautalterung müssen noch in groß angelegten prospektiven Studien untersucht werden. Auf jeden Fall sollte von einer möglichen Therapie eine ausführliche Diagnostik und Aufklärung erfolgen.

UV-Schutz zu jeder Jahreszeit

Leider können die vielen im Handel erhältlichen Anti-Aging-Mittel bereits vorhandene Falten nicht beseitigen. Doch sie enthalten Stoffe, die den Alterungsprozess der Haut verzögern, Fältchen verhindern beziehungsweise reduzieren, die Haut vor zellschädigenden freien Radikalen schützen und gegen die UV-bedingte Hautalterung angehen. Mehr Informationen gibt.

Die wirksamste präventive Maßnahme gegen die Hautalterung ist und bleibt auf jeden Fall der UV-Schutz – und zwar nicht nur im Sommer! Achten Sie beim Kauf darauf, dass das Produkt einen ausreichenden Schutz im UV-B und im UV-A Bereich bietet und keine potentiell sensibilisierenden Substanzen enthält. Am besten gleich bei der Tagescreme anfangen. Das Verhältnis von UV-A-Schutz (angegeben als PPD) und UV-B-Schutz (angegeben als LSF oder SPF) sollte mindestens 1:3 betragen. Des weitern sollte unbedingt eine ausreichende Menge des Sonnenschutzmittels (der Faktor wird mit 2g/cm2 bestimmt) aufgetragen und die erzielte Mindestschutzzeit nicht überschritten werden.

Das Anti-Aging-ABC

Sowohl vorbeugende als auch behandelnde Anti-Aging-Wirkung haben Antioxidantien (Vitamin C, Vitamin E, Koenzym Q10), Flavonoide, Spurenelemente (Kupfer, Zink) sowie feuchthaltende Substanzen wie Hyaluronsäure oder Harnstoff.

Vitamin C verzögert den Abbau von Kollagen und schützt die Hautbarriere, Vitamin E fängt freie Radikale, und die feuchthaltenden Substanzen können ein Vielfaches ihres Gewichts an Wasser binden und so die Haut von innen regelrecht aufpolstern. Die Folge: Feine Fältchen verschwinden! Auch wenn die Wirkung nur ein paar Stunden anhält, bei regelmäßiger Anwendung beugen sie Trockenheitsfältchen vor.

Vitamin A (Retinol) und verwandte Stoffe wie Vitamin-A-Säure und Retinaldehyd bilden die am besten belegte Anti-Aging-Wirkstoffgruppe. Sonnenfältchen, schlaffe Haut und dunkle Pigmentflecken können mit ihnen deutlich reduziert und der Abbau von Bindegewebsfasern gehemmt werden. In Deutschland sind Cremes mit Retinaldehyd und Retinol, das in der Haut in Vitamin-A-Säure umgewandelt wird, frei verkäuflich. Vitamin-A-Säure sowie ihre Derivate können allerdings zu starken Reizungen führen. Vor allem Schwangere sollten von einer Anwendung der Vitamin-A-Säure absehen.

Polypeptide, das sind längere Eiweißketten, gelten als das neue Wundermittel im ewigen Kampf um jugendliches Aussehen. Tatsächlich können bestimmte Eiweißketten den Auf- und Abbau von Bindegewebsfasern beeinflussen. Falten können dadurch reduziert und Hautdicke und -feuchtigkeit verbessert werden.

Mittels umfangreicher Studien am Menschen konnte den genannten Substanzen sehr gute Wirkung als Anti-Aging-Mittel belegt werden. Bei der Auswahl sollte jedoch immer beachtet werden, dass es nicht nur auf den enthaltenen Wirkstoff, sondern auch auf seine Konzentration und auf den für den jeweiligen Hauttyp angepassten Trägerstoff ankommt.

Immer häufiger wird auch über Beauty-Food berichtet. In der Tat scheinen bestimmte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel ein gewisses Anti-Aging-Potentzial zu haben. Dazu zählen unter anderem Isoflavonoide, Omega-3-Fettsäuren, antioxidative Vitamine C und E, Carotinoide und Tocopherole. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass die Haut auch ohne irgendwelche zusätzlichen Pillchen und Pülverchen von einem abwechslungsreichen und bunten Speiseplan profitiert, und dieser auch nicht von den oben genannten Stoffen ersetzt werden kann.

Stopp der Hautalterung!

Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung & Pflege

• Benutzen Sie bei Ihrer Tagespflege Produkte mit wirksamen UV-Schutz. Der Schutzfaktor gegen UV-B-Strahlen wird mit LSF, gegen UV-A mit PPD angegeben.
• Versorgen Sie sich regelmäßig mir Antioxidantien (vor allem Vitamin C und E) und Flavonoiden (vor allem Carotin).
• Achten Sie auf Inhaltsstoffe mit Anti-Aging-Effekt: Retinol, Retinaldehyd, Vitamin C, Hyaluronsäure, Polypeptide.

Dr. Tatjana Pavicic
Bildquelle: Olga Ekaterincheva, Shutterstock