Oma wusste, was uns wärmt:
Mit Sauna, Dachshaar, Kartoffel, Salz & Co nie mehr frieren

Wenn es herbstlich, feucht und neblig wird, sinkt mit der Stimmung oft auch die Körpertemperatur. Etwa jede fünfte Frau friert schnell. Aber auch harte Männer ärgern sich über „Eisfinger“. Dem drohenden Unbehagen lässt sich auch ohne Heizdecke oder künstlichem Erkältungssaft vorbeugen

Generationen besorgter Mütter und Großmütter ereiferten sich besorgt: „Kind, zieh` Dich warm an!“ Klar, irgendwann nach der Pubertät wird auch dem größten Anorakmuffel bewusst, dass Ignoranz gegenüber solchen Tipps mit Erkältung oder gar Ärgerem bestraft wird. Britische Wissenschaftlicher untersuchten, was von solch gut gemeinten Ratschlägen zu halten sei. Professor Dr. Eccles vom Common Cold Centre erklärt das Ergebnis so: „Erst die Kälte führt dazu, dass eine latente, also lauernde, Infektion ausbrechen kann.“ Das heißt also, bloß nichts anfrieren lassen! Wenn man dafür sorgt, dass sich die Blutgefäße nicht zu sehr verengen, lassen sich auch besser erkältete Nasen oder gar grippale Infekte vermeiden.

Frauen frieren leichter

In der Regel zählen zum Kreis nennenswerter „Frostbeulen“ Schlanke, Ältere und Personen, die unter niedrigem Blutdruck sowie Eisenmangel leiden. Und wenn diese Personen dann noch weiblich sind...

Während ein Männerkörper durchschnittlich zu 40 Prozent aus Muskeln und 15 Prozent aus Fett besteht, bringt ein weibliches Wesen nur 25 Prozent Muskeln auf die Wage. Das hat zur Folge hat, dass Evas Körper weniger Wärme erzeugt und auch weniger speichern kann. Im Klartext heißt das: Besonders in kalten Tagen ist ständiges Frösteln bei Frauen vorprogrammiert. Von Männern oft belächelt, wird der feminine Fuß schnell zum Eiszapfen und so mancher Finger zum Kältenotfall.

Doch alle Theorie ist grau wie ein regnerischer Herbsttag. Was Weiblein und Männlein in der Praxis hilft? Jedenfalls nicht allein der Gang zur Apotheke und auch keine modernen Errungenschaften wie beheizbare Skihandschuhe, Pillen und künstliche Säfte. Schließlich verhilft oft das Natürliche und längst Vergessene zu funktionsfähigen Fingern, wohlig warmen Zehen und gut durchbluteten Ohrläppchen. Besinnen Sie sich in diesem Fall nicht nur auf Omas verbale Warnungen, sondern auch auf ihre Hausrezepte und bewährte, überlieferte Naturheilmethoden.

Sauna – saugut!

Weshalb sollte man sich dem Dampf in feuchter Umgebung aussetzen? Professor Dr. Victor Ott weist außer dem Reinigungseffekt auch auf die nervlichen und psychischen Vorteile des Saunierens hin. Saunen unterstützt den Körper bei der Bildung von Abwehrstoffen und trainiert die Gefäße in der Haut zu einer stärkeren Durchblutung. Ein wesentlicher Nutzen bestehe auch in der geistigen Erholung „unter Dampf.“ Für alle, die sich noch nie öffentlich nackig gezeigt haben: Außer etwas Überwindung kostet Sie diese Art der porentiefen Körperreinigung pro Saunagang etwa nur zwölf Minuten Zeit. Vorher empfiehlt es sich, Hetze zu vermeiden, Kleider in Ruhe auszuziehen, das stille Örtchen nochmals aufzusuchen, zu duschen und gründlich abzutrocknen. Wahrscheinlich verstehen Sie nach den ersten Gängen den Stellenwert besser, den verschmitzte Finnen dem Dampfbad beimessen: „An drei Orten hat der Mensch ein Recht auf Ruhe: in der Kirche, in der Sauna und im Grab.“

Kartoffeln zum Wärmen

Sind dicker Kopf, Triefnase, Fieber oder Halsweh erst einmal eingetroffen, dann ist heutzutage guter medizinischer Rat relativ teuer. Weshalb also nicht lieber das Vorratsschränkchen plündern um sich selbst kurieren! Dr. Michael Weyer rät beispielsweise zur Kartoffel – als Brustumschlag. „Das fördert die Durchblutung und wirkt beruhigend“, so der Allgemeinmediziner. Das Nachmachen ist einfach. Dazu sind die ungeschälten Kartoffeln zu kochen, im Anschluss in ein Mulltuch oder Leinensäckchen zu füllen und zu zerdrücken bis eine homogene Masse entsteht. Ist der Brei auf 40 bis 45 Grad abgekühlt, auf die gewünschte Körperstelle auflegen und die Wärme einziehen lassen. Empfehlenswert übrigens auch bei Muskelverspannung und Blasenentzündung!

Kräuter und Salz à la Kneipp

Wasserdoktor Sebastian Kneipp wusste das „weiße Gold“ als Kälteschutz zu nutzen. So kurierte der Pfarrer mit Salz Blasenkatarrh, Gallenblasen- und Ohrentzündungen, Arthritis und Ödeme. Und zwar mit Salzhemd-, -wickel- oder -socke. Manche dieser Behandlungen erzeugen einen Wärmestau, der allerdings nur von Fachleuten bewusst herbeigeführt werden kann. Ein Kneipp-Klassiker, den Sie selbst anwenden können, ist der Heusack. Auch „das Morphium bei Kneipp“ genannt. Sie können damit Ihre Nerven beruhigen, den Schlacke-Abbau fördern und natürlich partiell gegen die Kälte ankämpfen. Klingt gut, oder?

Hildegard lobte Bernstein

Auch Hildegard von Bingen hatte Mittel gegen die Kälte parat. So lobte die Mystikerin den Bernstein als „besonderen Heilstein mit wärmender Wirkung.“ Der Forscher Dr. Graf empfiehlt deshalb das Tragen von Bernsteinketten im Winter, insbesondere bei Asthma. Auch rät die zu Gürteln aus Dachsfell: „Aber es ist eine große Kraft im Fell des Dachses, denn daraus mach einen Gürtel, und umgürte dich damit um die nackte Haut, und alle Krankheit wird in dir aufhören.“ Experten schlussfolgern daraus, dass Dachsfell Durchblutungsstörungen reguliert. Auf jeden Fall machen Dachshaarsocken- und Einlegesohlen in Ihren (Haus-)Schuhen wohlig warme Gefühle.

Wer weiß, vielleicht fliehen Sie auch vor dem Winter. Schließlich zieht es immer mehr Deutsche in südliche Gefilde und manch Glücklicher besitzt auf den kanarischen Inseln oder auf einem anderem Fleckchen Erde sein eigenes warmes Nest. Sie gehören nicht dazu? Jammerschade. Dann kurieren Sie bevorstehende Kälte-Zipperlein doch einfach mit Hilfe von Mutter Natur. Günstiger geht es garantiert nicht.

Gerhard J. Ernest
Bildquelle: Lara Barrett, Shutterstock