Unverfroren schön!
Haben Sie schon alles winterbereit gemacht? Den Ölstand gemessen, die Profiltiefe geprüft? Ist noch genug Schmierflüssigkeit da? Am besten, Sie fangen gleich damit an. Denn selbst ist schließlich die Frau. Besonders übrigens, wenn es um ihre Haut geht. Während der kalten Jahreszeit verbüßt nämlich nicht nur unser vierrädriger Gefährte Schäden am Lack. Auch das eigene Antlitz wird stumpf und rissig. Der Grund: Ab einer Temperatur von acht Grad stellen die Talgdrüsen die Produktion von Hautfett ein. Die Folge: „Der Ölmantel, der die Haut sonst vor Feuchtigkeitsverlust und dem Eindringen von Bakterien schützt, wird löchrig“, verrät Beatrice Kirchner, Fachkosmetikerin für Ganzheitskosmetik im „The Charles Health Spa“ in München. Alle Jahre wieder sind daher Trockenheit, Spannungen und Rötungen keine Einzelschicksale. Nur wer rechtzeitig vorsorgt, kann Väterchen Frost die kalte, aber dafür gepflegte und streichelzarte Schulter zeigen.
Frostschutz fürs Gesicht
Das Organ Haut hat uns eine Sache voraus: Sie muss sich in punkto Winterspeck keine Gedanken machen, im Gegenteil. Gegen Kälte-Kummer sind für sie sahnige und fettige Texturen genau das Richtige. „Lipidhaltige, also extrem gehaltvolle Cremes ersetzen nämlich die hauteigene Schmierschicht und flicken die löchrig gewordene Schutzbarriere“, erklärt Dr. med. Said Hilton, Facharzt für Dermatologie in Düsseldorf.
In Sachen Frostschutz haben sich vor allem Wirkstoffe wie Soja, Harnstoff, Vitamin E (Radikalfänger par excellence) und Vitamin B5 bewährt. Sie unterstützen den Regenerationsprozess und glätten winterliche Reibeisenhaut. Auch gut ist der Tipp von Dr. Hilton, die Haut mit reinem Olivenöl zu pflegen. Wer den Geruch des absoluten Alleskönner bei gestresster Winterhaut nicht mag, der kann ein paar Tropfen Rosenöl dazumischen. Übrigens: Schuld am Frost-Frust sind auch so genannte freie Radikale. Das sind hauteigene Molekülteilchen, die dieser Tage infolge von Umwelteinflüssen besonders reaktionsfreudig sind. Im Extremfall zerstören sie sogar Zellmembranen und die Lipidschicht der Haut. Pflegeprodukte mit Antioxidantien, zum Beispiel Betacarotin oder Vitamin C, bilden eine ideale Abwehr.
Mimosen-Duo
Auch Lippen müssen die Wettervorhersage nur hören und schon sind sie rau und rissig. „Das ist auch kein Wunder, sie sind schließlich nur mit einem spärlichen Unterhautfettgewebe ausgestattet. Talkdrüsen, die einen schützenden Fettfilm bilden könnten, fehlen ihnen sogar komplett“, so Beatrice Kirchner. Ähnlich steht es um die Augenpartie. Ihre Hautdichte ist rund ein Drittel dünner als die übrige Haut.
Das hilft: Raue Lippen lieben pflanzliche Wachse und Öle. Sie bilden einen Wasser abweisenden Film, der die hauteigene Feuchtigkeit isoliert und bewahrt. Wichtig ist dabei, denn Mund nicht ständig mit der Zunge zu befeuchten, denn das Wasser verdunstet sofort und entzieht noch mehr Feuchtigkeit. Bei eingerissenen Mundwinkeln hilft eine dicke „over-night-Kur“ mit Vaseline; auch Yoghurt oder Teebaumöl wirken Wunder. „Tote Hautschüppchen entfernt man am besten mit regelmäßigen Enzym-Peelings. Sie sind sanfter als mechanische Peelings, da sie keine aggressiven Schleifpartikel enthalten“, erklärt Kosmetik-Expertin Kirchner.
Für die Augen gilt: Gel-Texturen auf Wasserbasis können im Winter neben dem „Bhrrr-Gefühl“ auch Erfrierungen auslösen. Steigen Sie auch hier unbedingt auf die Extraportion Sahne um. Wer die Augencreme sanft einmassiert – am besten mit den Mittelfingern, denn sie haben am wenigsten Druck – der verpasst sich auch gleich noch eine Muntermacher-Massage und fördert die Durchblutung sowie Sauerstoffversorgung der Haut.
Wenn der Berg ruft
Outdoor-Freaks aufgepasst! Selbst die wildeste Pisten-Sau muss sich – zumindest pflegetechnisch –an gewisse Regeln halten, wenn sie den Winter unverfroren schön überstehen will. Die wichtigste Lektion heißt: Mütze und Schal genügen nicht; auch die Haut braucht ein wind- und wetterfestes Outfit. So genannte Öl-in-Wasser-Emulsionen sind genau das Richtige. Sie haben einen hohen Fettanteil (Lecithin, Omega-Fettsäuren oder Sheabutter) und können Feuchtigkeit in der Haut binden, so dass es nicht zu Erfrierungen oder Couperose kommen kann.
Brandgefährlich, warnt Kirchner: „Viele Unterschätzen die Intensität der Sonnenstrahlen während der Wintermonate. Dabei reflektiert Schnee das Sonnenlicht und verstärkt die Strahlen.“ Spezielle Winter-Sonnen-Cremes schützen die Haut vor Sonnenschäden und sind pistentauglicher als ihre sommerlichen Kollegen. Durch ihren geringeren Feuchtigkeitsanteil kann es nämlich zu keinen Erfrierungen im Gewebe kommen.
Wannenzeit
Doch auch hinter Schaumburgen sollte man sich nicht allzu sicher fühlen. Sogar hier gibt es winterliche Gemeinheiten, denn heißes Wasser und seifenhaltiger Badeschaum trocknen die Haut extrem aus. Besser ist es, man wäscht im Schonprogramm. Dazu Dr. Hilton: „Bademilch oder Badeöle sind weniger aggressiv als Seife, da sie die Haut schon während des Badens mit einem pflegenden Fettmantel umhüllen.“ Soviel zu den angenehmen Seiten des Winters. Doch nicht zu früh freuen, die kalte Dusche kommt jetzt oder besser gesagt, sie sollte nach jedem Bad- oder Duschgang kommen. Auf geht´s: Wasserhahn ganz nach rechts drehen und zählen. Einundzwanzig, zweiundzwanzig,... Sie werden belohnt werden, denn Wechselduschen festigen das Bindegewebe und stärken die Immunabwehr.
Kratz-Kommando
Im Winter sieht kein einziger Quadratzentimeter Körperhaut jemals das Licht, geschweige denn die Luft. Die Folge dieses dunklen Daseins in Hosen und Strumpfhosen: Die Haut ist nicht nur schneeweiß, sondern auch trocken und spröde. Rubbeln Sie die Haut regelmäßig mit einem Ganzkörper-Peeling aus dem Winterschlaf. Das regt die Mikrozirkulation der Zellen und damit den Hauterneuerungsprozess an. Anschließend von Kopf bis Fuß mit duftenden Körperölen einsalben – Aromaöle wirken auch via Nase gegen den Winterblues. Ein Stück sonniges Urlaubsgefühl gibt man der Haut mit einem leckeren Creme-Cocktail. Ein Gemisch aus Extrakten wie Mandeln, Avocado, Jojoba oder Weizenkeimen ist ganz nach dem Geschmack anspruchsvoller Winterhaut.
Schnee-Schönheiten
Makeup-technisch verhält sich der Winter umgekehrt proportional zum Sommer, will heißen: In ein schneesicheres Beauty Case gehören reichhaltige, sahnige Foundations. Kirchner: „Durch ihren hohen Fett- und Vitaminanteil bilden sie eine zusätzliche Isolierschicht gegen Kälte.“ Das Puderdöschen darf dagegen bis März pausieren. Durch die geringe Talkproduktion glänzt die T-Zone ohnehin weniger. Puder enthält zudem oft Talkum oder Kieselsäure, welche auch noch das letzte Talktröpfchen gnadenlos aufsaugen würden.
Auch bei den Lippen gilt: Erlaubt ist, was fett ist. Ein Lächeln entlockt man diesen Sensibelchen mit koloriertem Lippenbalsam oder Pflegestiften mit Essenzen von Lanolin, Rizinusöl oder Carnaubawachs. Gestresste Winterhaut will übrigens sogar beim Abschminken in Watte gepackt werden. Reinigungsmilch oder Öle, zum Beispiel mit regenerierendem Rosenwasser, sind die Weichspülvariante zu aggressiven und alkoholhaltigen Abschminklotionen.
Haarige Wunder
Im Winter haben die Haare oft ihren eigenen Kopf. Anti-Frizz-Produkte mit Pro-Vitamin B5 und Milchproteinen stoppen den Fliegeralarm. Sie geben dem Haar die Feuchtigkeit zurück, die es durch Heizungsluft verloren hat. Rapunzels Trick: In winterlich kalten Nächten kuschelt man sich am besten in Satin-Bettwäsche, denn das Haar gleitet auf Satin sanfter hin und her als auf Baumwolle. Die Hornschüppchen rauen nicht auf und das Haar glänzt mehr. Tipp: Kuren mit Honig oder Kamilleextrakten sind die Sahnehäubchen in Sachen Haarpflege. Vor allem die feuchte Hitze bei einem Saunagang öffnet die Poren und die Pflege kann tiefer ins Haar einziehen. Wenn es leise rieselt, ist meist eine trockene Kopfhaut schuld. „Genau wie der restlichen Haut fehlen ihr bei Kälte die schützenden Lipide“, erklärt Dr. Hilton. Abhilfe schaffen rückfettende Öle, zum Beispiel Kokos- und Olivenöl.
Zugegeben: Es ist noch keine (Eis-)Prinzessin vom Himmel gefallen. Das ist vor allem in den Wintermonaten harte Arbeit. Aber mit diesem Winterfahrplan kann es Sie in diesem Jahr garantiert nicht mehr eiskalt erwischen. Und im Zweifel helfen immer noch: Warme Gedanken!
Masken nach Rezept
Masken machen schön – besonders, wenn man sie wieder abnimmt. Hier sind die besten Maskeraden für kalte Tage:
Peeling-Maske
Man nehme: 3 EL gemahlene Mandeln, 2 TL Sahne, 1 TL Honig. Die Mandeln mit dem Honig und der Sahne mischen und solange warmes Wasser hinzugeben, bis eine streichfähige Paste entsteht. Diese dann auf Hals, Gesicht und Dekolleté auftragen und 15 Minuten einziehen lassen. Die Maskenreste anschließend unter kreisenden Bewegungen abwaschen und das Gesicht mit viel klarem Wasser nachspülen. Der Effekt: Belebt die Haut, macht sie rosig und entfernt den stumpfen Grauschleier. Der Teint strahlt wieder, das Lächeln auch!
Avocado-Maske
Geht so: Eine halbe Avocado pürieren, 1 TL Honig, 1 EL Sahne und Quark untermischen. Das Ganze großzügig auf Gesicht und Hals auftragen, 15 Minuten warten und mit lauwarmen Wasser abwaschen. Heißes Wasser greift die Haut im Winter zu sehr an. Der Effekt: Regeneriert gestresste und sensible Winterhaut und versorgt sie mit reichlich Fett und Feuchtigkeit.
Samtpfoten statt Reibeisen
Die Hände müssen bei jedem Wetter raus, das gefällt ihnen gar nicht. So werden raue Hände wieder streichelzart:
• Waschen Sie nur mit ph-neutralen Waschlotionen. Normale Seifen entfernen zu viel vom schützenden Lipidfilm.
• Waschlotionen mit Harnstoff sind ideal. Er bindet die Feuchtigkeit in der Haut, so dass Wasser besser gespeichert werden kann.
• Schutzcremes mit Ceramiden und Glycerin schützen vor Kälte ohne einen lästigen Fettfilm zu hinterlassen.
• Regelmäßige Nagelpeelings mit Mikrokristallen entfernen Nagelhaut und andere Rückstände auf den Nägeln. Die Hornschicht bekommt wieder mehr Sauerstoff und wird regeneriert.
•Spezielle Handmasken sind im Winter zwei Mal pro Woche Pflicht: Abends auftragen, Baumwollhandschuh überziehen und über Nacht einwirken lassen. Durch den Wärmeeffekt wirken die Inhaltstoffe noch besser!
Eiszeitliche Verwehungen führen nicht nur zu Glühweinverlangen, sondern leider auch zu trockener Haut, unschönen Rötungen und unangenehmen Juckreiz. Sinkt das Quecksilber, steigt auch das Pflegebedürfnis der Haut. Ein paar wichtige Pflegetipps helfen bei Minusgraden