Schönheit vor Alter
In Schönheit altern – das ist längst keine Frage mehr der Kerzen auf dem Geburtstagskuchen, son-dern eine Frage der richtigen Taktik. Der Grund: Fältchen und Krähenfüße kommen zwar auf leisen, aber dafür sehr langsamen Sohlen daher. Nichts passiert überraschend; und erst recht nichts über Nacht! Mutter Natur ist eben eine lahme Ente. Und genau das ist unser Vorteil. Wer sich nämlich an ein paar Basisregeln hält und außerdem weiß, wie man jede Phase des Alterungsprozesses erkennt und richtig nutzt, ist ihr immer einen Schritt voraus.
Die drei „S“ der Pflege
Unabhängig vom Alter, sollte jeder zunächst ein paar Basisregeln beherzigen: „Sonne, Sport und Stress sind die Faktoren, die Hautalterung am meisten beeinflussen – positiv wie negativ“, verrät Dr. Walter Trettel, Facharzt für Dermatologie und Leiter der Kosmed-Klinik in Hamburg. Angefangen bei der Sonne: Es stimmt zwar, dass die gemeine Mitteleuropäerin leicht gebräunt knuspriger aussieht; es stimmt aber auch, dass ungeschützte Hingabe an die strahlende Himmelsmacht Haut und Gesundheit massiv in Gefahr bringen. Dr. Trettel dazu: „UVA- und UVB-Licht dringt tief ins Bindegewebe, sogar bis zur DNA vor und zerstört elastine und kollagene Fasern, unser hauteigenes Stützgerüst. Im Laufe der Zeit fällt die Haut in sich zusammen und Falten haben freie Bahn.“ Vorsicht ist also die Mutter der Porzellanhaut: Tagescremes und Make-ups mit Lichtschutzfaktor sind für eine gesunde und schöne Haut unabdingbar. Das gilt nicht nur für alle Alterstufen, sondern auch für fast alle Wetterlagen. Selbst durch graue Wolken und übrigens auch durch Fensterglas gelangen noch bis zu 27 Prozent UV-Strahlen. Besonders im Sommer sollte man unter die normale Pflege eine Sonnenschutzcreme oder sogar Sunblocker auftragen.
Auch das zweite „S“ ist nicht nur Schönheitskiller, sondern auch ein ernstzunehmendes Gesundheits-risiko. Amerikanische Forscher fanden heraus, dass negativer Stress – ob durch Job, Beziehungs-probleme oder Ähnliches – ebenso schädlich auf den körperlichen Alterungsprozess wirkt wie Nikotin oder UV-Strahlen. Der Grund: Bei Stress werden vermehrt Cortisol und Noradrenalin ausgeschüttet – Hormone, die Körperzellen drastisch altern lassen. „Stressgeschädigte Haut sieht dann aus wie nor-male Haut nach zwei bis drei schlaflosen Tagen“, erklärt Stressforscher Christoph M. Bamberger vom Medizinischen Präventionszentrum in Hamburg. Rote und trockene Stellen, Jucken oder Spannungs-gefühle sind typische Erschöpfungszeichen. Fältchen bilden sich erst später und sind der letzte Hilfeschrei.
Wichtig sind also regelmäßige Erholungsphasen. Relaxmethoden wie Yoga oder Qigong versorgen den Körper mit Wärme und Ruhe, Blutdruck und Atmung werden harmonisiert und der Mensch ent-spannt sich. Auch gut sind sogenannte Anti-Stress-Cremes. Sie packen das Problem an der Wurzel: Das enthaltene Polysaccharid, ein Extrakt aus einer roten Mikroalge, blockt Stresshormone ab, so dass sie gar nicht erst schädigend auf die Hautzellen wirken können.
Der sicherste Weg aus der Stressfalle ist aber noch immer die Flucht nach vorn. Laufen Sie ihrem Stress einfach davon! Erwiesenermaßen produziert der Körper nämlich nur durch sportliche Bewe-gung, das dritte „S“ der Pflegebasis, Hormone, die den Cortisol- und Noradrenalinspiegel im Blut sen-ken können. Eine gute Portion Bewegung versorgt außerdem alle Zellen ausreichend mit Nähr- und Sauerstoff. Ist diese Versorgung nicht gegeben, sinkt der Hormonspiegel und die Ausschüttung wich-tiger Botenstoffe, wie des Wachstumshormons HGH, das für die Zellenregeneration und -produktion verantwortlich ist, oder des Schlafhormons Melatonin, wird gedrosselt. Regelmäßige Fitness lockt fröhliche Hormone wie Serotonin buchstäblich an und wirkt wie eine Gute-Laune-Droge auf Körper und Seele. Und ein Lächeln ist schließlich noch immer das beste Schönheitselixier.
Schön Schritt für Schritt:
Pflege für jedes Alter
Wer also statt Sonnen- und Stressmarathons hin und wieder eine kleinen Dauerlauf einlegt, ist in Sa-chen Anti-Aging bereits auf dem besten Weg. Wer außerdem die Pflegestrategie der Anzahl der Ge-burtstagskerzen anpasst, kommt garantiert ans Ziel. Und das heißt: Strahlend schön und aktiv – in jedem Alter.
20
Wer zu spät cremt, den bestraft das Leben
Oh süßer Vogel Jugend! Mit 20 ist das Bindegewebe elastisch wie ein Gummiball, der Teint dement-sprechend prall. Das Lebensgefühl sagt: Alles ist möglich; fix ist nix. So verhält es sich allerdings nicht nur mit Liebschaften, sondern leider auch mit der Schönheit. Denn ab dem 25. Lebensjahr tickt die Uhr. Nicht schnell, aber merklich. Bereits ab Mitte Zwanzig wird die Elastin-, Kollagen- und Talgpro-duktion gedrosselt, die Wasserspeicher werden porös und die Hautelastizität lässt nach. Erste sicht-bare Defizite: Trockenheitsfältchen und ein Wasser- und Energiemangel, der den Teint fahl und grau erscheinen lässt. „Je früher man die Haut mit Pflegeprodukten unterstützt, desto gepflegter ist die Haut auch im Alter“, verrät Dr. Georg Schuhmachers, Dermatologe in der Praxis „Haut-Laser-Venen am Stachus“ in München. Das heißt zu deutsch: Der frühe Vogel fängt den Wurm.
Als Einsteiger-Pflege eignen sich vor allem Cremes, die den Energiegehalt der Haut ankurbeln und gründlich durchfeuchten. Die beliebtesten Wirkstoffe: Algen und andere Meeres-Früchte wecken mü-de Zellen wieder auf und stimulieren den Hauterneuerungs-Prozess. „Auch gut sind regelmäßige Pee-lings. Sie aktivieren den Zellstoffwechsel, die Haut wird besser mit Sauerstoff versorgt und der Teint bleibt rosig“, so Dr. Schuhmachers.
30
Erwachsen? Ja! Alt? Nein!
Mit dreißig wird es ernster – im Leben und in der Hautpflege. Dazu gehören nun mal auch kleine Linen um die Augen, erste Fältchen am Mund und beginnende Lebenslinien auf der Stirn. Willkommen auf Stufe 2 der Anti-Aging-Leiter.
Zu den häufigsten Störenfrieden ab dem 30. Lebensjahr gehören Mimikfältchen. Sie entstehen durch natürliche Muskelbewegungen im Gesicht, was am Tag durchschnittlich circa 30.00 Mal geschieht. Und da die über den Muskeln liegende Haut ab dem 30. Lebensjahr an Spannkraft verliert, kann sie nach mimischen Bewegungen nicht mehr so schnell in die Normalposition zurückschnellen und ver-harrt schließlich im Faltenwurf. Was hilft: Locker bleiben! Eine entspannte Gesichtsmuskulatur ver-mindert die Mimik und Falten bilden sich zurück. Diesen Umstand macht sich der Faltenkiller Nummer 1, Botulinum Toxin A, kurz Botox, zu Nutze. In den Muskeln injiziert, verhindert der Wirkstoff Muskel-bewegungen und die Haut wird geglättet. Eine gute Alternative, die ebenfalls muskelentspannend, jedoch ohne Nebenwirkungen, ohne Rezept und garantiert ohne Spritze wirkt, sind sogenannte Botox-Cremes. Sie enthalten zum Beispiel Argirelin, ein kleines Molekül, das aus sechs aktiven Aminosäu-ren besteht und ein Protein imitieren kann, das kleine Muskelkontraktionen behindert. Feine Muskel-bewegungen werden dadurch weniger und Mimikfältchen reduziert. Auch der sogenannte SNAP-8-Wirkstoff aus dem Gift der Tempelviper schenkt seiner Verwenderin eine entspannte Mine zum bösen Knitterspiel. Dazu Dr. Trettel: „Die Cremes wirken allerdings nicht so intensiv wie eine ärztliche Botox-Behandlung, sonst würden sie schließlich als Medizin gelten und rezeptpflichtig sein“. Das soll heißen: Da die Cremes nicht auf die großen Muskeln, sondern auf die Mikro-Fasern (Fibroblasten) in der Haut wirken, bleiben die tiefen Falten leider erhalten. Eine positive Nebenwirkung gibt es dennoch: einen straffen, entspannten und frischen Teint.
40
Alt wird man später
Die 40er-Generation ist die neue 30er-Generation: Man steht in der Lebensmitte und weiß das Leben in vollen Zügen zu genießen. Auch in Sachen Anti-Aging hat man in der Regel die Ruhe weg. Tatbe-stand ist allerdings: Erkannter Feind ist halber Feind. Sehen wir also der Wahrheit ins Auge. „Ab dem 40. Lebensjahr lässt die Produktion von Östrogen nach und macht die Haut dünner und trockener. Das Bindegewebe hat inzwischen rund 20 Prozent der feuchtigkeitsspeichernden Kollagenfasern ver-loren“, verrät Dr. Schuhmachers. Die Folge: Der Teint verliert an Volumen, die Haut sackt in sich zu-sammen und wirkt ausgelaugt. Spätestens jetzt sollte man die Pflege gezielt auf die Bedürfnisse am Tag und in der Nacht abstimmen. Tagescremes mit so genannten Filler-Wirkstoffen (Filler = Auffüller) gleichen nicht nur Feuchtigkeitsdefizite aus, sondern wirken wie unterfütternde Polster. Dr. Schuhma-chers: „Als Filler werden am liebsten Wirkstoffe wie Hyaluronsäure oder Kreatin verwendet. Sie binden Feuchtigkeit im Gewebe und gleichen den Volumenverlust aus. Der Teint wirkt wieder praller und frischer.“ Auch gut: Das aus Fischen gewonnene Marienes-Kollagen. Es ist dem menschlichen Kollagen ähnlich und bildet auf der Haut einen angenehmen, feuchtigkeitsspendenden Film.
Nachtcremes reparieren dagegen die Haut und stimulieren die schwächer gewordene Produktion von hauteigenen Füller-Substanzen, wie natürlichem Kollagen und Hyaluron. Das funktioniert zum Beispiel durch den Einsatz von so genannten Hyaluronsäure-Bruchstücken. Sie signalisieren der Haut, dass der körpereigene Vorrat an Hyaluronsäure dezimiert ist. Dieser Fehlalarm kurbelt die natürliche Hyalu-ronsäureproduktion zum Ausgleich der Defizite an. Nachtcremes enthalten ferner oft den zellregene-rierenden Wirkstoff Elastin. Auch gut: Ein Mix aus Folsäure (ein B-Vitamin) und dem Energiespender Creatin soll die DNA im Zellkern schützen und die Entwicklung junger, gesunder Hautzellen unterstüt-zen. Generell zu beachten gilt laut Dr. Schuhmachers: „In die Pflege immer Hals, Dekolleté und auch die Hände einbeziehen. Diese Beauty-Stiefkinder verraten das wahre Alter nämlich zuerst.“
50+
Nur wer aufgibt hat verloren
Vor ein paar Jahren noch stand die 50+-Generation vor dem kosmetischen Nirwana. Für jedes Prob-lem hielt die Kosmetikbranche ein Mittelchen parat, nur für die reife und überreife Haut gab es nichts – nicht mal schöne Worte. Das hat sich zum Glück geändert. Pflegen Sie also gleich los!
Ab dem 50. Lebensjahr steht die so genannte Hauttonalterung im Blickfeld: Pigment- und Altersfle-cken sind die bösen Schwestern der Sommersprossen und lassen das Antlitz fleckig und fahl wirken. Dr. Trettel: „Altersflecken sind in der Regel reine Lichtschäden. Sie entstehen durch eine sonnenbe-dingte Pigmentirritation in den obersten Hautschichten, gefährlich sind sie allerdings nicht.“ Schön aber auch nicht. Kosmetische Fleckenteufel verhelfen wieder zu einem klaren und frischen Teint. Die einfachste Version: Klassisches peelen befreit die Hautoberfläche von trockenen Zellen und weckt die darunter schlummernde, frische Hautschicht aus ihrem Dornröschenschlaf. Einige Produkte arbeiten nach dem Schmirgel-Prinzip mit kleinen Körnchen, andere setzen auf Glycolsäure-Cocktails. Fleck-Weg-Garantie haben auch natürliche Inhaltsstoffe: Viele Cremes bleichen mit Arbutin aus Bärentrau-ben, Preiselbeer- und Kiefernextrakten sowie Maulbeer- und Heidelbeerblättern. Geheimtipp: Pflege-produkte mit so genannten Leuchtkraft-Verstärkern bringen den müden Teint zum Strahlen. Sie wirken meist mit Vitamin C und Edelsteinextrakten und verbessern die Lichtreflexion der Haut. Ergebnis: Der Teint strahlt wieder und das Lächeln erst recht. Schöner kann man nicht altern.