Pflege aus und mit der Natur

Was haben Anthroposophie & Ayurveda in Sachen Schönheit gemeinsam? Einen ganzheitlichen Ansatz, der wahre Schönheit erst zur Entfaltung bringt.

Schöner, jünger und straffer – so erträumen sich viele von uns ihre äußere Erscheinung. Um diese Bedürfnisse zu befriedigen, sucht die dermatologische Forschung ständig nach neuen Formeln für innovative Produkte. Mit Hightech-Verfahren werden Substanzen so aufbereitet, dass sie möglichst effizient in die Tiefen unsere Haut geschleust werden. Die Tatsache, dass jedoch Frau immer häufiger nach natürlichen Pflegeprodukten verlangt, lässt auch die Branche umdenken. Sie konzentriert sich neuerdings auf bisher nicht genutzte oder vergessene Pflanzenwirkstoffe. Selbst in der konventionellen Kosmetik geht der Trend zu natürlichen Inhaltsstoffen ohne belastende Zusätze, darunter synthetische Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe, auf die Hautreizungen und Allergien möglich sind. Einige Pflegeserien mit ganzheitlichem Anspruch wollen sogar mehr sein als reine Schönheitsbehandlung: Sie betrachten die Haut nicht nur als Schutzhülle, sondern als das größte Körperorgan, welches unser Befinden widerspiegelt.

Mehr als ein Produkt

Trockenheitsfältchen oder fettige Haut, Pickel oder gerötete Stellen: Die ganzheitliche Kosmetik wertet diese Symptome als ein gestörtes Körpergleichgewicht. Sie unterscheidet daher nicht zwischen trockener, gemischter oder fettiger Haut, wie es herkömmliche Pflegeprodukte tun, sie reagiert vielmehr auf die sich ständig wandelnden Hautzustände. Da unsere Haut ihre eigenen Rhythmen hat und sich die Zellen der obersten Hautschicht alle 28 Tage erneuern, unterstützt eine ganzheitliche Kosmetik diesen Prozess auf sanfte Weise und stabilisiert hauteigene Aktivitäten.

Auch nachts verhält sich die Haut anders als am Tag. Anthroposophische Pflegeserien bieten daher fettfreie Nachtpflege zu ihrer Entlastung an, etwa die Kosmetikserie von Dr. Hauschka. Die Philosophie dahinter geht auf den Begründer der anthroposophischen Lehre zurück, Dr. Rudolf Steiner. Er empfahl, bei der Herstellung der Produkte auf den Rhythmus der Natur zu achten. Und tatsächlich gelang es, die pflanzlichen Wirkstoffe ohne Alkohol zu extrahieren und haltbar zu machen. Der Grundstein war gelegt für eine natürliche und vor allem verträgliche Hautpflege.

Auch die ayurvedische Kosmetik gibt der Haut Impulse, damit sich die Zellen an ihre ursprünglichen Funktionen erinnern und vor allem lernen, sich wieder selbst zu versorgen. Dazu werden ebenfalls ausschließlich pflanzliche Extrakte verwendet, die natürliche Schönheit für jedes Alter erhalten soll.

Die Philosophie dahinter

Ähnlich wie die anthroposophische Medizin, will auch die ganzheitliche Kosmetik über die Regulierung der Hautfunktionen Körper mit Geist und Seele harmonisieren. Die Firma Weleda etwa stellt hierbei den positiven Einfluss von Wärmeprozessen in den Mittelpunkt: In der Sonne gereifte Samen liefern kostbare Pflanzenöle, die dem Hautfett der oberen Zellschichten sehr ähnlich sind und daher optimal aufgenommen werden. Sie bilden die Basis für alle fetthaltigen Produkte aus diesem Hause.

Wichtig ist vor allem, die eigenen Reaktionen auf verschiedene Pflegeprodukte zu beobachten. Die aufmerksame Wahrnehmung, wie man sich fühlt und verändert, gehört bei der anthroposophischen Kosmetik zur Gesundheitspflege. Auch in der ayurvedischen Kosmetik werden warme Kräuter- und Heilpflanzenöle sowie sanfte Massagetechniken angewendet. Über die Haut wird der Organismus entspannt und beruhigt. Das regt wiederum den Körper an, seine Zellen zu entgiften und neue Zellen zu bilden.

Problemhaut & Neurodermitis

Nicht nur die Haut ist Spiegel der Seele. Auch die körpereigenen Vorgänge zeigen vor allem bei Hauterkrankungen wie Neurodermitis, dass der ganze Mensch behandelt werden muss. Mit einer ganzheitliche Therapie kann eventuell auf eine Behandlung mit entzündungshemmenden Arzneimitteln verzichtet werden. Produkte für die Haut werden in der anthroposophischen Pflege lediglich ergänzend eingesetzt, etwa um ein Ekzem ausheilen zu lassen. Die Firma Wala hat für diesen Bedarf ihre Dr. Hauschka med-Serie bei sehr trockener Haut oder Neurodermitis entwickelt. Die enthaltenen Pflanzenwirkstoffe wirken entzündungshemmend und antimikrobiell und tun der gereizten Haut gut. Um noch mehr über die Wirkung von natürlichen Pflanzenstoffen auf unsere Haut zu erfahren, wurde an der Hautklinik der Universität Freiburg sogar das Kompetenzzentrum Skintegral gegründet.

Qualität für alle

Dass für ganzheitliche Pflegeserien nur Pflanzen aus biologisch-dynamischem Anbau oder entsprechenden Wildsammlungen verarbeitet werden, versteht sich fast von selbst. Auch in den unternehmenseigenen Gartenanlagen der Hersteller werden die natürlichen Rhythmen berücksichtigt und auf nachhaltiges Wirtschaften großen Wert gelegt. Müssen Substanzen dazu gekauft werden, fließen oft Investitionen in den ökologischen Pflanzenanbau strukturarmer Länder. Know-How-Transfer und vertragliche Abnahmeverpflichtungen ermöglichen auf diese Weise vielen Menschen ein selbstbestimmtes Leben.

Bisher rechtlich noch nicht geschützt ist jedoch der Begriff Naturkosmetik. Der Verbraucher kann sich also nicht sicher sein, ob er wirklich reine Naturprodukte für sein Geld bekommt. Bessere Orientierung liefert hier das seit 2001 bestehende Gütesiegel für kontrollierte Naturkosmetik, welches an Produkte vergeben wird, die ausschließlich geprüfte, natürliche Substanzen beinhalten. Getragen wird es von fast allen Weleda-und Dr. Hauschka-Produkten. Relativ neu eingeführt ist das internationale Qualitätssiegel für Natur- und Biokosmetik NaTrue, das sich ebenfalls auf einigen Hauschka-Produkten findet. Der NaTrue-Standard besteht aus drei Stufen: Naturkosmetik, Kosmetik mit einem Bioanteil von 70 Prozent und Biokosmetik mit einem Bioanteil von 95 Prozent. Ausführliche Informationen gibt das Internetportal www.natrue-label.de. Und für Tierliebhaber: Die ganzheitliche Produktlinie Primavera zeichnet sich nicht nur durch biologisch-kontrollierte Inhaltsstoffe aus, sondern auch durch ihr Engagement im Tierschutz.

Tipps für die natürlich gepflegte Haut

Die Basis für eine gesunde Haut ist eine besonders milde Reinigung. Wichtig: unbedingt regelmäßig durchführen! Damit entfernt man abends Make-up, Staub, Schweiß und Cremereste, die sich tagsüber abgelagert haben. Erst dann kann sich die Haut nachts erholen. Am Morgen werden dann über die Reinigung Ausscheidungsprodukte der nächtlichen Regenerationsphase abgenommen.

Optimal reinigt und pflegt zugleich eine Reinigungsmilch, die pflanzliche Öle enthält (z.B. die Reinigungsmilch Wildrose von Weleda). Augen-Make-up entfernt man am besten mit etwas Mandelöl, das man auf einen angefeuchteten Wattepad tropft. Dann vorsichtig den Wattepad bei geschlossenen Augenlidern von oben nach unten führen, ohne an der zarten Bindehaut zu zerren. Nach der Reinigung empfiehlt sich vor allem in kalkhaltigen Haushalten die Anwendung eines milden Gesichtswassers. Es entfernt Kalkreste von der Haut und beugt so Hautreizungen vor. Die Haut ist nun aufnahmebereit für eine pflegende Gesichtscreme.

Extra Tipp für heiße Sommertage

Das Gesichtswasser in einen Zerstäuber füllen und die Gesichtshaut damit von Zeit zu Zeit besprühen, dabei die Augen schließen. Das wirkt wunderbar erfrischend! Besonders beruhigend auf die Haut wirkt ein Gesichtswasser mit Hamamelis. Der Pflanzenextrakt belebt und verfeinert die Poren.

Dampfende Kräuter

Für eine besonders gründliche und schonende Reinigung sorgen regelmäßige Kräuterdampfbäder. Je nach Hautbedürfnis kommen hier entzündungshemmende Kamille, klärende Lindenblüten oder Salbeiblätter, adstringierende Eichenrinde oder anregender Thymian zum Einsatz. Dazu jeweils eine Handvoll Kräuter auf einen Liter kochendes Wasser in eine Schüssel geben und die wohltuenden Dämpfe genießen. Wer die Wirkung verstärken möchte, kann sich zusätzlich ein sauberes Handtuch über den Kopf legen. Damit kommen die Dämpfe auf der Haut konzentrierter zur Wirkung. Anschließend wird das Gesicht mit kühlem Wasser abgespült und mit einer leichten Feuchtigkeitsemulsion eingecremt. Vorsicht: Die Anwendung sollte keinesfalls zu heiß sein. Bei erweiterten Äderchen darf ein Dampfbad nur sehr vorsichtig durchgeführt werden.

Tipps bei Problemhaut

Extrem trockene Haut steht oftmals in Verbindung mit der jeweiligen Lebensweise. Überprüfen Sie, ob Sie ausreichend trinken, was Sie essen und welche Kleidung Sie tragen. Notieren Sie sich in einem Tagebuch, wie Sie sich fühlen und wie Sie in verschiedenen Lebenssituationen reagiert haben. Ihre Aufzeichnungen geben Ihnen möglicherweise Aufschluss darüber, was Sie selbst für mehr Wohlgefühl und ein ausgeglicheneres Hautbild unternehmen können. Bei Neurodermitis ist vor allem eine hochwertige Ernährung wichtig.

Allergiekiller

Allergietests helfen dabei, reizauslösenden Stoffen aus dem Weg gehen zu können. Auch Waschmittel können Allergien oder Irritationen verursachen. Kleidung sollten vorzugsweise aus natürlichen Fasern wie Baumwolle, Seide oder Leinen bestehen. Gegen den Austrocknungsprozess der Haut helfen in Innenräumen zusätzlich Luftbefeuchter. Auch entspannende Bewegungsformen beugen Stress vor, was sich wiederum harmonisierend auf die Haut auswirkt. Bei Pflegeprodukten sollte man besser auf synthetische Inhalts- und Duftstoffe verzichten. Natürliche ätherische Öle haben sich als äußerst allergenarm erwiesen.

Schönheitstipps für zuhause: Ayurvedische Ganzkörpermassage

Das sorgt für einen besonderen Moment: Sich von seinem Partner mit einem Handschuh aus roher Seide massieren lassen. Ohne die Haut zu strapazieren, werden die Hautfunktionen, das Lymphsystem und der gesamte Stoffwechsel stimuliert. Dadurch hat sie einen milden Peelingeffekt und wirkt entschlackend. Zu empfehlen ist die sogenannte Gashan-Massage aus der ayurvedischen Schönheitslehre bei empfindlicher und zu Unreinheiten neigender Haut. Auch Cellulite kann gelindert werden.

Wer die Massage selbst vornehmen will, sollte etwa vier Minuten Zeit einrechnen. Und so geht’s: Beginnen Sie an der Stirn und massieren Sie danach Kopfseiten, Nacken, Hals und Schultern, jedoch nicht das Gesicht. Anschließend streichen Sie über die Arme senkrecht auf und ab. Brust und Herzgegend werden ebenfalls ausgelassen, während der Bauch, der Rücken und die Hüften in waagerechter und diagonaler Richtung massiert werden. Die Beine werden in lang gezogenen Streichungen behandelt, die Gelenke mit kreisenden Bewegungen. Wiederholen Sie diesen Ablauf mehrmals. Nach der Massage werden pflegende Öle und Cremes besonders gut aufgenommen. Wenn kein entsprechendes Kosmetikgeschäft in Ihrer Nähe ist, können Sie passende Seidenhandschuhe über das Internet in verschiedenen Seidenqualitäten beziehen (ca. 10 bis 18 Euro).

Ayurvedische Ernährungstipps

Die ayuvedische Ernährung entspricht im weitesten Sinne einer vollwertigen, leicht verdaulichen Ernährung. Vegetarische Kost wird empfohlen, Geflügel und Fisch sind jedoch auch zugelassen. Grundsätzlich sollte viel Obst und Gemüse zu sich genommen werden, da sie die Kollagenproduktion ankurbeln und für straffes Gewebe sorgen. Zudem bildet das Vitamin A in Obst und Gemüse eine optimale Abwehr gegen freie Radikale.

Damit die Haut schön straff bleibt und um Falten sowie Ablagerungen, die auch zu Alterflecken führen können, entgegenzuwirken, sollte man zu eiweißhaltigen Mahlzeiten Zitrusfrüchte zu sich nehmen.

Außerdem sollten täglich Samen z.B. Kürbiskerne, Sprossen und Nüsse verzehrt werden, da sie sehr viel Vitamin B enthalten sowie Mineralstoffe und Spurenelemente wie Selen, Zink, Kupfer und Eisen.

Bei der Nahrungszufuhr sollten des Weiteren folgende Grundregeln beachtet werden, damit die Bestandteile gut vom Körper aufgenommen und umgesetzt werden können:

• Generell sollte nur gegessen werden, wenn man hungrig ist
• Es sollte immer im Sitzen gegessen werden und in ruhiger Umgebung
• Eine Mahlzeit sollte alle Sinne des Menschen ansprechen
• Die Einhaltung einer gleichen Uhrzeit an der gegessen wird, ist sinnvoll
• Es sollte nicht spät abends gegessen werden und am besten auch nicht mehr nach 18 Uhr
• Ebenfalls sollte man nicht essen, wenn man gestresst oder angespannt ist

Autor: Andrea Fettweis
Bilder: Shutterstock, Andrea Fettweis
Aus: Body&Mind, Ausgabe 02/2010