Wanne, Wonne, Wohlgefühl
Was uns heute vorwiegend Entspannung ist, sollte zu früheren Zeiten Jugend und Schönheit bewahren. Thermales Wasser war der Jungbrunnen par excellence. Nicht im Alleingang, sondern in fröhlicher Gesellschaft frönte man vor gut 2.000 Jahren dem Genuss im Wasser. Man traf sich in öffentlichen Thermen um die heilende Wirkung des Bades gemeinschaftlich und ausgiebig zu zelebrieren. Die prominenteste Anhängerin dieses Kults ist wohl Kleopatra. Die ägyptische Königen mischte sich zwar nicht unters Volk, genoss jedoch täglich erlesenste Zusätze wie Stutenmilch und Honig in handwarm temperiertem Wasser. Nicht ganz so lieblich hielten es die alten Griechen. Zwar badeten auch sie grüppchenweise, jedoch ausschließlich in klirrendem Eiswasser. Warmes Wasser galt als pure Verweichlichung.
Heute wird das zum Glück anders gesehen. Bei der Wiederbelebung des gemeinschaftlichen Badekults geht es in erster Linie um Erholung und Wohlbefinden. Moderne SPA‚Äôs ‚Äì SPA heißt wörtlich ‚Äûsanus per aquam‚Äú, also ‚ÄûGesundheit durch Wasser‚Äú ‚Äì bieten Wassererlebnisse der warmen und wohltuenden Art und damit eine ideale Rückzugszone vor der Hektik des Alltags. Wer hingegen Naherholung der ganz persönlichen Art sucht, legt die Wahl am besten auf die heimischen Fluten in der eigenen Badewanne um. Die wiegen nämlich nicht nur den Körper in die Entspannung, sondern auch die Seele.
Gehaltvoller Dampf
‚ÄûVor allem die Duftreize und der Wasserdampf haben sensorische und inhalatorische Wirkungen. Sie beeinflussen das subjektive Empfinden‚Äú, erklärt Dr. med. Janette Eicholtz, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie aus Berlin. Die Region im Gehirn, die olfaktorische Informationen, also Duftreize jeglicher Art empfängt und ungefiltert verarbeitet, wird als das limbische System bezeichnet. ‚ÄûExperten nennen dieses Areal auch das "Vergnügungsviertel im Kopf‚Äú. Die hier wahrgenommenen Gerüche werden automatisch mit Emotionen und Stimmungen in Verbindung und beeinflussen damit unser Fühlen‚Äú, verrät die Expertin. Das ist auch der Grund, weshalb wir beispielsweise beim Duft von Zimt automatisch an Weihnachten denken oder Angebranntes mit Gefahr verbinden.
Auch die im Wasserdampf enthaltenen Gerüche beleben unseren Organismus. Essenzen von Rosmarin, Minze, Zitrone, Basilikum, Rose und Kardamom sind ideale Stimmungsaufheller im Winter und häufig Bestandteil von Badezusätzen.
Und wenn die Seele erst einmal baumelt, folgt körperliche Entspannung auf den Fuß. Die Expertin erklärt den Grund: ‚ÄûDer Auftrieb, der Wärmeaustausch und der hydrostatische Druck des Badewassers wirken auf die Muskel wie eine Massage. Verspannungen lockern sich, Muskeln entkrampfen.‚Äú Vor allem Vollbäder, in denen der Körper schwerelos treiben kann, bringen körperliche Ausgeglichenheit.
Die körperlichen Reaktionen auf das Wasser gehen sogar noch weiter. ‚ÄûDurch die Vielfalt sensorischer, psychischer und physiologischer Informationen des Bades wird das gesamte Nervensystem stimuliert‚Äú, so Dr. Eicholtz. Die dadurch ausgelösten nervlichen Reaktionen wirken nicht nur auf die Muskeln. Sie beleben auch die Blutverteilung und -zirkulation, sowie andere vitale Körperfunktionen. Der Kreislauf kommt sprichwörtlich in Wallung. Dr. Eicholtz erklärt dazu: ‚ÄûDem gesunden Menschen tut diese Belebung des Herz-Kreislauf-Systems gut; er fühlt sich nach dem Baden wohl und ausgeglichen.‚Äú
Auf das Baden verzichten sollte man jedoch bei einem Herzleiden oder einer fieberhafte Erkältung. Für den ohnehin geschwächten Kreislauf bedeutet jede weitere Anregung eine unnötige und überfordernde Strapaze.‚Äú
Kleine Wannenphilosophie
Kurz gesagt: Baden ist für den gesunden Menschen die beste Medizin gegen alltägliche Winter-Wehwehchen ‚Äì vorausgesetzt, ein paar Grundregeln werden beherzigt:
Das Wichtigste ist zunächst die Wassertemperatur. Ideal zur Entspannung ist eine Temperatur, die der Körpertemperatur entspricht, also circa bei 36 Grad liegt. Für die Schönheit kann es auch eine Spur wärmer sein, wenn der Kreislauf mitmacht. ‚ÄûEinmal am Tag sollte jeder gesunde Mensch ins Schwitzen kommen", rät die Berliner Dermatologin. ‚ÄûDer Körper wird auf diese Weise bis in die kleinste Kapillare durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Das entgiftet den gesamten Organismus."
Schön schweißtreibend: Ein Bad von 38 bis 42 Grad macht die Lymphe auf. Bei dieser Temperaturhöhe entspannen Muskeln optimal in der feuchten Wärme. Tipp: Wer gleichzeitig die Augen verwöhnen will, streut frische oder getrocknete Blütenblätter ins Badewasser. Die hübschen Gedanken kommen dann von ganz allein.
Frische Minzblätter erfrischen wiederum Nase und Atemwege. Kein Wunder, dass Eukalyptus und Minze typische Ingredienzien für Erkältungsbäder sind. Sie legen sich wohlig auf die Atemwege. Eine Warnung der Expertin: ‚ÄûErkältungsbäder eignen sich nur für Patienten mit einer leichten Erkältung. Bei einer Grippe mit Fieber ist baden tabu, auch Erkältungsbäder. Die Wärme belastet das ohnehin schon geschwächte Herz-Kreislauf-System und nimmt eher Kraft als umgekehrt.‚Äú Wer auf die wohltuenden Dämpfe dennoch nicht verzichten möchte, nutzt den Badezusatz lieber als Inhalationsbeigabe.
Alptraum aus Schaum?
Warum man sich im warmen Nass nicht allzu sicher sein darf, erklärt Dr. Eicholtz: ‚ÄûZuviel Nass macht trocken.‚Äú Gemeint ist damit vor allem die Haut, die durch warmes Wasser und Badezusätze stark entfettet werden kann. ‚ÄûRötungen, Juckreiz und sogar Allergien sind häufige Reaktionen‚Äú, so Eicholtz. Die Ursache dafür sind im Badezusatz versteckte Substanzen, die vielleicht dem Umsatz des Herstellers gut tun, keinesfalls aber unserer Haut. Vor allem Schaumbäder geraten oft in Verruf. Sie enthalten Tenside, die den Schaum stabilisieren und länger haltbar machen sollen. Problematisch dabei ist, dass in der Regel das auf Erdölbasis gewonnene synthetische Tensid Natriumlaurethsulfat verarbeitet wird. ‚ÄûDieses Tensid hat sich in Sachen Schaumbildung zwar bewährt, ist aber unnötig hautaggressiv. Besitzen wir im Winter ohnehin nur einen sehr dünnen Talkmantel, wird dieser durch das Natriumlaurethsulfat noch zusätzlich ausgetrocknet‚Äú, erklärt die Dermatologin. Ferner wirkt das in Tensiden enthaltene Laureth ätzend auf die Schleimhäute in Mund und Nase.
Neben Tensiden sind vor allem bestimmte Duft- und Farbstoffe bedenklich. Bei konventionellen Produkten oft synthetisch hergestellt, können sie Allergien hervorzurufen‚Äú, so Dr. Eichholtz. Zwar reagiert nicht jeder Mensch unverträglich auf solche Substanzen; wer aber lieber auf Nummer sicher gehen will, benutzt Schaumbäder mit natürlichen und milden Stabilisatoren, etwa Kokosöl-, Zucker- oder Eiweiß-Tensiden. Bio-Produkte verzichten ganz auf synthetische Farb- und Duftstoffe und verwenden stattdessen pflanzliche Extrakte aus ätherischen Ölen. Sicher ist nun mal sicher!
Katzenwäsche für empfindliche Haut
Sollten Sie eine sensible Haut besitzen oder an Neurodermitis leiden, ist beim Baden Vorsicht angesagt. ‚ÄûDenn grundsätzlich gilt, dass warmes Wasser auf Grund seines geringeren pH-Werts die Haut entfettet. Die Haut verliert dann ihren schützenden Talkmantel und ist Bakterien und andern Erregern schutzlos ausgeliefert‚Äú, erklärt die Expertin. Wer obendrein noch Badezusätze benutzt, reizt die Haut noch mehr. ‚ÄûMenschen mit empfindlicher, gereizter oder von Neurodermitis befallener Haut rate ich lieber zu einer Katzenwäsche ‚Äì ohne Katzenjammer! Eine kurze Dusche ist einfach verträglicher als ein ausgiebiges Bad‚Äú, rät Eicholtz.
Wen es dennoch in die Fluten lockt, der verzichtet am besten auf künstliche Badezusätze. Sanfter zur Haut sind natürliche Zugaben wie Olivenöl. Milch oder entzündungshemmende Weizenkleie. Sie können auch alle drei Zutaten mischen und gemeinsam ins Wasser geben. Je eine Tasse Milch, Öl und Weizenkleie ist die optimale Dosis für ein Vollbad. Das wusste schon Kleopatra.
Ihr kleiner Wannen-Führer
Für Ihr persönliches Entspannungsritual brauchen Sie etwas Zeit, viel Ruhe und vor allem den richtigen Badezusatz. Mit dem richtigen Überblick treffen Sie die richtige Wahl für Haut & Seele.
Der Klassiker: Schaumbad
Turmhohe Schaumberge lassen nicht nur Kinderherzen höher schlagen; auch im Erwachsenenalter bringt die private Schaumparty eine Menge Spaß. Vorsicht ist dennoch geboten. Selbst cremige Schaumbäder enthalten in der Regel weniger als fünf Prozent rückfettender Substanzen. Die Haut verliert dann mehr Fett, als sie durch den Badezusatz erhält. Bringen Sie daher besonders im Winter Ihre Haut nach dem Bad mit pH-neutralen Cremes und Lotionen wieder ins Gleichgewicht. Sie ersetzen zwar nicht den hauteigenen Talkfilm, verschaffen aber rasch Linderung, wenn die Haut juckt oder spannt.
Haut und Seele fetten: Ölbad
Sie schäumen zwar nicht, signalisieren aber dem Nervensystem: abschalten, bitte! Öle sind die besten Überträger von Duftessenzen und kommen deshalb häufig in der Aromatherapie zum Einsatz. Vor allem frische Duftrichtungen wie Limone, Orange oder Grapefruit bringen ein wenig Sommerlaune in die winterliche Zeit. Daneben verwöhnen sie die vom Winter gebeutelte Haut, indem sich das Öl wie ein Netz über die feuchte Haut legt und auf diese Weise verhindert, dass Feuchtigkeit verdunstet. Die Nässe wird also regelrecht in den Poren eingeschlossen, und das macht die Haut prall und zart. Besonders für Menschen mit trockener oder empfindlicher Haut sind Ölzusätze optimal geeignet.
Rosenblütenbad: 10 Tropfen ätherisches Rosenöl in warmes Wasser tropfen, Rosenblütenblätter dazugeben. Badedauer: mind. 20 Minuten.
Meerwert für die Schönheit: Salzbad
(Meer-)Salzbäder wirken wie ein Kurzurlaub an der Küste. Warum also auf die nächsten Ferien warten? Holen Sie sich das Meer einfach zu sich nach Hause. Ihre entzündungshemmende Wirkung eignet sich vor allem für gereizte oder von Neurodermitis geplagte Haut. Problematisch ist nur, dass vor allem wunde Hautstellen durch den Kontakt mit Salz schmerzhaft brennen. ‚ÄûZwar beweist das Brennen nur, dass das Salz seine lindernde Wirkung zeigt, manche Patienten empfinden es aber als sehr unangenehm‚Äú, erklärt Eicholtz. Wer sich trotzdem traut, sollte mit dem weißen Körnern nicht sparen: Ein Kilogramm Salz für eine Wannenfüllung sollten schon sein, damit das Salz wirken kann.
Zubereitung: 500 g Totes-Meer-Salz heiß überbrühen und eine Weile rühren, bis sich die Kristalle lösen. In die Wanne geben und das Wasser einlaufen lassen. Badedauer: 15 Minuten.
Das schmeckt der Haut: Milchbad
Machen Sie es wie die Schönheitskönigen Kleopatra und geben Sie mehrere Tassen Milch ins Badewasser, noch besser ist Sahne. Der Effekt: Da Milch den gleichen ph-Wert wie unsere Haut hat, pflegt sie sanft. Die Peptide, also die Milchfette, legen sich dabei wie ein pflegender Fettfilm um die Haut und schließen die Feuchtigkeit in den Poren ein. Der einzige Haken: Milchreste lassen sich leider nur schwer von der Badewanne entfernen. ‚ÄûAlternativ kann man auch natürliche Milchbäder kaufen; sie pflegen auch gut und lösen sich meist leichter vom Wannenrand‚Äú, empfiehlt die Expertin.
Zubreitung: 1 Liter Vollmilch erwärmen, 4-6 TL Körperöl (mit Duftessenzen) mit der Milch verquirlen und ins Badewasser geben. Badedauer: 10-15 Minuten.
Anregend & ausgleichend: Kräuterbad
Rosmarin(blätter) oder Wachholder(eeren) regen den Kreislauf an und wirken sich positiv auf die Atmung aus. Eukalyptus-, Fichten- und Kiefernadelessenzen helfen bei Erkältungen. Arnika wärmt die schmerzende Muskulatur und Lavendel und Melisse haben entspannende Wirkung. Tipp: Hängen Sie die getrockneten Kräuter in Baumwollsäckchen ins Badewasser! Alternativ können Sie ätherische Öle ins Badewasser tropfen.
Zubereitung: 10 g Fenchelessenz und 5 g Salbei mit 100 ml 90-prozentigen Alkohol mischen und davon 1-2 EL in das Vollbad geben. Badedauer: 10-20 Minuten.
Autor: Linda Freutel
Bild: Shutterstock
Aus: Body&Mind, Ausgabe 1/2010