natürlich genießen

Wieviel Gutes gibt’s fürs Geld?

Wer gut und gesund essen will, sollte nicht immer nur sparen

Nie waren Lebensmittel in Deutschland so günstig wie heute. Die Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion ist ebenso wie ihre Globalisierung zu einer Perfektion gereift, die dem Verbraucher das immerwährende Schlaraffenland vorgaukelt, bei Super-Niedrig-Dauerpreisen, die alle Bedenken hintanstellen. Allerdings werden nicht nur ständig neue Lebensmittel, sondern auch immer neue Gesundheitsrisiken produziert. Dass Geiz geil sei, ist also eine Devise, die zumindest dann nicht gelten sollte, wenn von guten und sauberen kulinarischen Produkten die Rede ist. Essen und Trinken, so heißt es, hält Leib und Seele zusammen. Wer würde dieser scheinbar simplen Weisheit nicht zustimmen? Unumstritten dürfte auch sein, dass eine Mahlzeit mehr sein sollte, als die bloße Kalorien- und Nährstoffaufnahme um ihrer stofflichen Wirkung auf unsere Organe willen. Was aber ist richtige Ernährung? Da scheiden sich die Geister. Und mal ehrlich, wissen wir überhaupt, was da so täglich auf unseren Tisch kommt?

Der Mensch ist, biologisch gesehen, ein Allesfresser. Doch alle Nahrung kommt aus der Natur, lebt auf Äckern und Wiesen, in Wäldern und Gärten, im Wasser und in der Luft. Es kann nicht zu gut um die Naturprodukte bestellt sein, die der Handel bereitstellt, wenn die Industrie permanent in Tüten, Dosen, Packungen und Tiefgekühltem „Gesundheit“ dazupackt, von Ballaststoffen bis zu Vitaminen. „Functional food“ heißt das Geschäft mit angeblich gesunden Zusätzen, als ob die ursprünglichen Ausgangsprodukte längst ihren Funktionen nicht mehr genügen würden. Bis zum Jahr 2010 soll das mit gesundheitsfördernden Substanzen angereicherte „functional food“ ein Viertel aller Lebensmittel ausmachen. Schon arbeiten Lebensmittelkonzerne an blutdrucksenkenden Produkten. In Japan gibt es bereits probiotische Gummibärchen, bei uns finden sich Probiotika inzwischen vor allem in Milchprodukten und Müslis. Besonders cholesterinsenkende Margarinen haben Konjunktur. Wer aber dazu täglich einen Becher cholesterinsenkendes Pro-activ-Joghurt isst und ein Glas cholesterinsenkende Pro-activ-Milch trinkt, gerät leicht in die Gefahr, zu viel Phytosterine aufzunehmen, die dann die Aufnahme wichtiger anderer Substanzen, wie etwa fettlösliche Vitamine, verhindern. Den Kunden wird deshalb auf der Verpackung der Margarine geraten, zusätzlich viel Obst und Gemüse als Vitaminlieferanten zu essen. Das gibt zu denken. Denn wenn die Kunden das ohnehin schon getan hätten, hätten sie ja mit ihrem Cholesterinspiegel weit weniger Probleme...

Bio? Logisch!

In den letzten Jahren haben allerlei Skandale die deutschen Fleischesser verunsichert. Rinderwahn, Schweinepest, Maul- und Klauenseuche, Dioxine in den Eiern, Futtermittelskandale... Am Konsumverhalten hat dies allerdings nur wenig geändert. So klagte Verbraucherschutzministerin Renate Künast vor Kurzem: „Allerdings klafft zwischen einem fortschreitenden Bewusstsein und dem konkreten Handeln – sprich: dem Kaufentscheid – immer noch eine große Lücke“. Auch das weiß der Verbraucher: Großmäster verabreichen den Tieren auch illegal und in hoher Konzentration Medikamente. Sie „verbessern“ ihr Produkt mit Hormonen, Beruhigungsmitteln, Sulfonamiden und Antibiotika. Außerdem vegetieren die Tiere unter höchst unnatürlichen Bedingungen. Die traurigen Mutationen wurden uns vorgestellt: Das federlose „Hochleistungshuhn“, das 300 Eier im Jahr legt und sein kurzes Leben auf engstem Raum fristen muss. Die 90 Millionen Küken aus deutscher Legehennenzucht, die sofort nach dem Schlüpfen geschreddert werden, weil sie männlich und damit zu nichts taugen. Die „Super-Pute“, die statt sechs ganze 20 Kilo auf die Waage bringt und nicht laufen kann, weil 40% ihres Gewichts aus Brustmuskeln bestehen, die sie zu Boden ziehen. Das „Turbo-Schwein“, eine mit Antibiotika, Enzymen und Hormonen hochgepowerte Futterverwertungsmaschine, die bei einer Lebensdauer von 5,5 Monaten ganze 95 Kilo Schlachtgewicht auf die Waage bringt. Weil der Verbraucher mageres Fleisch fordert, werden fettarme Ferkel gezüchtet, die dann extrem stressanfällig sind. Auch das Mastkalb kennen wir, das nie Muttermilch bekommt, dafür aber jede Menge Penicilline und die Asthmamittel Clenbuterol und Salbutanol, damit sein Fleisch fettarm und zart ist. An Tiergesundheit denkt keiner. Fleisch ist zum billigen Spritzenprodukt geworden und wie es sich anhört, packen wir uns damit eher Suspektes auf den Teller. Immerhin wird die Mehrzahl der weltweit erzeugten Antibiotika an die Tieraufzucht verkauft. Da sind gigantische finanzielle Interessen im Spiel. Shareholder Value steht gegen Verbrauchergesundheit... Umdenken tut Not!

Damit das Fleisch zum gesunden Genuss wird und so richtig herzhaft natürlich schmeckt, ist die artgerechte Aufzucht und Haltung ohne prophylaktische Tierarzneimittel unentbehrlich. Kühe, Schweine, Puten und Hühner sollen in sauberen Ställen, mit Auslauf in frischer Luft und mit reinem natürlichem Futter langsam und länger wachsen und reifen dürfen, damit das Fleisch dann wohlschmeckend und aromareich auch für uns gesund ist. Bio-Fleisch wird inzwischen unter anderem in Bio-Läden, von Ökobauern auf Wochenmärkten oder direkt ab Hof angeboten. Die Rahmenrichtlinien gibt die EU-Bio-Verordnung vor. Die deutschen Vermarktungsgemeinschaften, wie Demeter, Bioland, Naturland, Anog, Gäa, Herrmannsdorfer Landwerkstätten, haben noch strengere Richtlinien für die Aufzucht gesetzt und ein rigoroses Prüfsystem durch jährliche Kontrollen aufgebaut. Noch freilich gilt der Preis als Hemmschuh. Ökoprodukte sind zwar unter der steigenden Nachfrage günstiger geworden, gehören aber immer noch zum Hochpreissegment. Insgesamt kosten sie dennoch nicht so unverschämt viel, dass sie nicht erschwinglich wären. Hier sollte die Devise „Klasse statt Masse“ gelten. Mit dem Mehrpreis wird übrigens nicht nur in die eigene Gesundheit und das eigene Wohlbefinden investiert. Auch der Umwelt und ihren Ressourcen tut man Gutes! Ökobetriebe verbrauchen nämlich bei gleichen Erträgen weniger Energie, produzieren weniger Müll und schonen die Wasser- und Bodenreserven.

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