Das perfekte Gemeinschaftsdinner
Viele Köche verderben den Brei, so heißt es. Falsch! Zwar sollte für jede Speise ein Koch den Hut aufhaben. Doch für die verschiedenen Aufgabenbereiche wie Vor- und Hauptspeisen, Suppen und Soßen, Salate und Desserts darf sehr wohl jeweils jemand anderes zuständig sein. Auch Planung, Einkaufen, Zubereiten und Anrichten können in die kulinarische Obhut verschiedener Teilnehmer gelegt werden. So machen es ja auch die Profis.
Bevor Sie aber die Verantwortungsbereiche zuteilen, gilt es, noch Einiges zu klären: Mit wem wollen Sie kochen, was wollen Sie kochen und über welche Ausstattung verfügt der „Arbeitsplatz“?
Gut vorbereitet ist halb gekocht
Bevor Sie also Ihr erstes Koch-Event in Angriff nehmen, erstellen Sie eine Checkliste:
• Wie viele Personen sind beteiligt? Wie viele davon kochen mit, wie viele essen mit?
• Was wird gekocht, welche Zutaten werden dazu benötigt und welche sind bereits vorhanden?
• Sind zweckmäßige Küchengeräte vorhanden? Sind etwa Töpfe, Schüsseln und Pfannen groß genug?
• Sind ausreichend freie Arbeitsflächen vorhanden?
• Wer übernimmt welche Aufgabe bei der Zubereitung, wer kauft ein?
Am besten, Sie übernehmen zunächst einmal selbst die Initiative und schlagen ein relativ einfaches Gericht vor. Kochen sie mit mehreren Freunden oder für mehrere Genießer, sollten mehrere Gänge eingeplant werden. Das erleichtert zum einen die Aufgabenverteilung, zum anderen können kleinere Mengen der einzelnen Gerichte gekocht werden. Denn mit Pfannen gewöhnlicher Größe kommen Sie schnell in die Bredouille, beispielsweise bei der Zubereitung größerer Mengen von Kurzgebratenem.
Planen Sie so, dass für jeden Arbeitsgang ausreichend Raum und Zeit zur Verfügung stehen. Gemeinsam kochen kann bei schlechter Planung nämlich schnell in Stress ausarten – nicht umsonst herrscht in so mancher Profiküche ein rauer Ton.
Kochspaß zu zweit
Wer hätte das gedacht: Beim Kochen zu zweit kann es manchmal noch wichtiger als bei einer großen Kochgruppe sein, den Chefkoch für jedes einzelne Gericht zu bestimmen. Das verhindert nicht nur Kompetenzstreitigkeiten, sondern auch das Risiko von Geschmacksgleichheit der einzelnen Gänge. Das kann schnell passieren, wenn Sie stets bestrebt sind, den von Ihnen so geliebten Rosmarin zuzugeben oder Ihr Kochpartner findet, dass Thymian und Oregano noch keinem Gericht geschadet haben. Am Ende haben Sie auf jeden Fall etwas auf dem Tisch, was nach Kräutern der Provence schmeckt.
Viel interessanter ist es also, herauszufinden, was dem anderen schmeckt, wie er auf die eigenen Lieblingsrezepte reagiert und auch wie Ihnen die Küche Ihres Kochpartners mundet. Auch Neues ausprobieren bietet sich zu zweit an. Der Genuss kommt schon beim gemeinsamen Studieren der Rezepte. Kochen Sie öfter zusammen, werden sich bestimmte Kompetenzen je nach Talent und Vorlieben wie von selbst entwickeln. Ob Zwiebeln schneiden, oder Kartoffeln schälen, ob Suppenkönigin oder Chef-Sauce – jedem fallen einige Dinge leichter als andere.
Kochen mit Freunden
Wenn Sie das nächste Mal gemütlich im Freundeskreis zusammensitzen, überraschen Sie Ihre Freunde doch mit dem Vorschlag, beim nächsten Treffen gemeinsam den Kochlöffel zu schwingen. Wenn Sie dann noch ein paar Ideen dazu in die Runde werfen oder ein Buch mit leckeren Rezepten dabei haben, wird ihnen der Mund sicherlich wässerig werden. Abgesehen davon gibt ein gemeinsames Projekt auch Stoff für neue Gesprächsthemen. Mit der bereits beschriebenen Checkliste im Kopf, ermitteln Sie behutsam die wichtigsten Fakten und klären, ob jemand Vegetarier ist oder bestimmte Zutaten oder Gerichte überhaupt nicht leiden mag. Vereinbaren Sie einen Termin und teilen Sie bereits den Einkauf von Zutaten und Getränken auf. Wer Zeit hat, besorgt frische und gesunde Zutaten von einem Wochen- oder Biomarkt. Der erste Kochabend wird dann garantiert ein besonderes Erlebnis. Denn gemeinsames Kochen und Verspeisen selbst zubereiteter Köstlichkeiten bedeutet Kreativität, Kommunikation und Genuss zugleich.
Die gesellige Kochgruppe
Aus einem solchen Abend kann schnell eine regelmäßige Einrichtung werden. Aber es gibt noch weitere Varianten für eine Kochgruppe. Eine besonders abwechslungsreiche und kommunikative ist die Vierer-Kochgruppe. Das können vier einzelne Kochbegeisterte oder zwei Pärchen sein. Laden Sie dazu noch zwei Gäste ein, die zwar dem Gastgeber, jedoch dem Rest der Gruppe kaum oder gar nicht bekannt sind. Das Kochen übernehmen jeweils ein bis zwei Personen, die übrigen werden mit der Beschaffung der passenden Getränke beauftragt.
Für gesellige Menschen, aber auch für Singles, werden mit dieser Version einer Kochgruppe viele Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Sie verbringen einen Abend im Freundeskreis, haben Spaß beim gemeinsamen Zubereiten des Essens und lernen in einer persönlichen Atmosphäre entspannt neue Menschen kennen. Beim gemeinsamen Mahl kommt man mit den Neuankömmlingen leicht und unverkrampft ins Gespräch und durch die wechselnden Gastgeber hat jeder einmal mehr, einmal weniger zu tun. Beim nächsten Termin lernen Sie dann schon wieder zwei interessante Menschen kennen, die Freude am leckerem Essen in gemütlicher Runde haben.
Themenkochgruppen
Bei festen Kochgruppen steht ein bestimmtes Thema im Mittelpunkt. Die Spanne reicht von Vegetarier-Kochgruppen über handwerklich ambitionierten Hobbyköchen, Liebhabern asiatischer oder mediterraner Küche bis hin zur Kochclique mit ökologischer Ausrichtung. Wenn sie Kontakt zu solchen Gruppen suchen, können Sie eine entsprechende Notiz am Schwarzen Brett Ihres Bio- oder Asiamarkts hinterlassen, sich im italienischen Feinkostgeschäft erkundigen oder im Internet recherchieren. Auch dort sind zahlreiche Kochinitiativen zu finden. In größeren Ortschaften wird multikulturelles Kochen vor allem von Vereinen und sozialen Projekten angeboten. Das können durchaus interessante Kochevents sein, bei denen Migranten ihre landesüblichen Spezialitäten vorstellen. Weil dabei oft schon gemeinsam gekocht wird, lernen Sie die Zubereitung neuer Gerichte aus erster Hand.
Kochen mit Kindern
Etwas wie die Großen tun! Sie werden staunen, wie spannend Kinder es finden, beim Kochen zu assistieren. Wichtig ist: Seien Sie geduldig und überfordern Sie die Kleinen nicht. Die Jüngsten können Obst und Gemüse abwaschen oder die Einkaufstasche auspacken betraut werden. Sobald Kinder auch ohne Ihre Hilfe mit dem Messer umgehen können, ist es auch völlig in Ordnung, sie etwas schnippeln zu lassen. Am besten erst einmal eine weiche Banane für den Obstsalat mit einem stumpfen Messer. Nach und nach kann weiteres Obst dazukommen. Später auch eine Möhre oder ein Bund Suppengemüse. So lernen die Kleinen in sinnvollem Zusammenhang den Umgang mit einem Messer und werden von Anfang an mit dem Kochen vertraut gemacht. Achtjährige können in der Regel schon dazu angeleitet werden, einfache Gerichte selbst zuzubereiten. Erklären Sie am besten beim ersten Mal jeden Arbeitsschritt und jede Zutat und lassen Sie die Kinder das Rezept mitschreiben. Ein paar grundsätzliche Küchen- und Herdregeln waren schon vorher Thema einer Schreibübung. Auch Wert und Bedeutung bestimmter Lebensmittel haben Sie bereits anschaulich erklärt. Beim nächsten Mal, wenn Sie dann wieder Kochstudio spielen, ist das Kind der Chef und Sie sind der Assistent. Der Stolz auf ihr erstes selbstgekochtes Essen ist für Sie ein wundervoller Anblick und für die Kinder ein großartiges Erfolgserlebnis, das ihrem Selbstbewusstsein einen Schubser gibt.
Gemeinsam schaffen – gemeinsam genießen
Ganz gleich für welche Variante des gemeinsamen Kocherlebnisses Sie sich entscheiden, fangen Sie bald damit an! Der Genuss von selbst Zubereitetem – ob mit dem Liebsten, mit Kindern oder im Kreis von Freunden – ist immer ein schönes Erlebnis und macht viel geteilte Freude. Abgesehen davon haben Sie volle Kontrolle über die Zutaten und wissen genau, was Sie auf dem Teller liegen haben. Das beschert Ihnen sogar noch ein Gesundheitsplus – es sei denn, Ihr Kochkollege hat geschummelt...
Ihr erstes Kochprojekt: Menü für 6 Personen
Mit einem einfachen, vegetarischen und gesunden Rezept für sechs Personen können Sie gleich das erste Kochprojekt starten. Selbst Fleisch- und Vielfrasse werden gesättigt sein!
Zur Planung Ihres Kochprojekts: Überlegen Sie sich genau die Aufgabenverteilung und wie viele Töpfe, Pfannen und Teller benötigt werden. Die Möhrensuppe lässt sich gut vorbereiten und wird nur noch einmal vor dem Anrichten erhitzt. Je nach Kocherfahrung kümmert sich jemand um den Salat, um das Dressing, um die Pilze für das Risotto oder um das Risotto selbst. Am erfahrendsten sollte der Risotto-Koch sein. Er muss während des gemeinsamen Verspeisens der Suppe das Risotto immer im Auge behalten. Salat und Reis kommen dann zeitgleich auf den Tisch, und erst nach einer Pause bereitet jemand die Nachspeise schnell zu. Lassen Sie sich Zeit zwischen Suppe, Hauptspeise und der süßen Kleinigkeit danach. Und jetzt guten Appetit!
Möhrensuppe Jackson Pollock
Zutaten: 750 Gr. Möhren, 1 große Kartoffel , 1 Zucchini, 1 fein gehackte Zwiebel, 2 fein gehackte Knoblauchzehen, etwas Butter, 1 Liter Gemüsebrühe, 4-5 EL saure Sahne, 1 Spritzer Zitronensaft, reichlich Kürbiskernöl, 1 Bund Frühlingszwiebel, Salz, Pfeffer
Zubereitung: Möhren, Kartoffel und Zucchini schälen und würfeln, die gehackten Zwiebeln und den Knoblauch in einem mittleren Suppentopf in Butter glasig werden lassen, Möhren und Kartoffel hinzufügen und 5 Min. dünsten. Danach die Zucchini dazugeben und mit der Gemüsebrühe auffüllen. Wenn alles nach etwa 20 Min. weich ist, pürieren und die saure Sahne dazugeben. Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken und kurz aufkochen lassen. Auf vorgewärmten Suppentellern anrichten und mit reichlich Kürbiskernöl in Jackson Pollock Manier bespritzen, feine Ringe von Frühlingszwiebeln darüber streuen.
Das Gesundheitsplus: Das schmackhafte Kürbiskernöl besitzt viele ungesättigte Fettsäuren und wird besonders von männlichen Personen fortgeschrittenen Alters sehr geschätzt.
Pilzrisotto für die Nerven
Zutaten: 4 EL Butter, 4 EL Olivenöl, 300 Gramm Risotto-Reis, 1 Liter Steinpilzhefebrühe (Reformhaus), 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 400 Gr. Pilze nach Wahl, 1-1,5 Portionen Safran, 80 ml trockener Weißwein, 150 Gr. geriebenen Parmesan, reichlich glatte Petersilie
Zubereitung: 1 EL Butter und 2 EL Olivenöl in einem breiten, flachen Topf erhitzen. Darin Zwiebeln und Knoblauch 5 Min. andünsten. Den Reis dazugeben und unter Rühren einige Minuten anbraten, bis sämtliche Körner glänzen. Bei kontinuierlichem Rühren nach und nach Brühe dazugeben. Immer wenn die Brühe vom Reis aufgesogen wurde, etwas Flüssigkeit nachgießen. Zwischendurch die Pilze mit dem übrigen Fett in einer Pfanne anbraten, salzen und pfeffern. Mit einem Schuss Wein und dem Safran zum Risotto geben, weiterrühren und probieren. Vor dem Servieren Parmesan unterrühren und mit reichlich frischer Petersilie bestreuen.
Das Gesundheitsplus: Die Hefebrühe aus dem Reformhaus macht das Risotto noch sättigender und versorgt Sie mit Nervennahrung, den B-Vitaminen.
Einfacher Salat
Zutaten: Salat nach Wahl (z.B. Ruccola, Eichblattsalat, Lollo Rosso), 1 Schale Cherrytomaten, Öl, Essig, Dijonsenf, Salz, Pfeffer, Zucker
Zubereitung: Öl, Essig, Dijonsenf, Salz, Pfeffer und eine Prise Zucker zu einem Dressing schütteln und über den gewaschenen, zerpflückten Salat und die geviertelten Kirschtomaten geben.
Bild: Shutterstock
Autor: Lutz Exner
Aus: Body&Mind, Ausgabe 4/2009
Haben Sie auch all diese zwar rasant geschnittenen, aber saftlosen Kochshows im Fernsehen satt? Kochstars spulen ihre Phrasen ab, Fernsehstars offenbaren sich je nach Programm mal als Unwissende, mal als Kenner, und alles muss immer schneller und origineller werden. Drehen Sie doch einfach mal Ihrem Fernseher den Saft ab und den Herd an