Aromatherapie
„Nachbarin, Euer Fläschchen!“ Mit dieser Bitte des schwangeren Gretchens in Goethes Faust hat die Aromatherapie in die Weltliteratur Eingang gefunden. Das Riechfläschchen ist aus der Mode gekommen, das Verfahren aber, durch feine Düfte den gesundheitlichen Zustand zu verbessern, hat neues Ansehen erlangt.
Schon die Ägypter, die Griechen und Römer, kannten das Geheimnis duftender Pflanzenöle. Mit der verstärkten Hinwendung zur Chemie geriet das sanfteste der natürlichen Heilverfahren zunächst in Vergessenheit. Heute versteht man unter Aromatherapie den therapeutischen Einsatz von Essenzen aus Pflanzen und Pflanzenteilen – Wurzeln, Blättern, Blüten, Früchten und Samen, Hölzern und Harzen –, die einen sehr intensiven Duft verströmen, wie Kamille, Zitrone, Lavendel, Minze, Orange, Jasmin, Sandelholz, Zimt und mehr.
Aktivierung der Selbstheilung
Eingeatmet, sollen die Düfte über das Riechzentrum und die für die Steuerung der Gefühle zuständigen Bereiche im Gehirn eine ganzheitlich heilsame Wirkung entfalten. Im Krankheitsfall dient die Aromatherapie in der Pflege nicht der Symptombekämpfung, sondern der Aktivierung der Selbstheilungskräfte, insbesondere über die Psyche. Bei Wickeln, Bädern, Dampfbädern und anderen Wasseranwendungen werden die Öle als heilender Zusatz verwendet. Durch die Haut, das größte reflektorische Organ unseres Körpers, wirken sie bei Massagen lockernd, entspannend, nervenstärkend und anregend.
Je nach den biochemischen Inhaltsstoffen ist die Wirkung der Essenzen anders. Gewisse Aromen fördern die Durchblutung und stärken das Immunsystem, einige wirken antibakteriell und entzündungshemmend. Manche regen an und erfrischen andere beruhigen und entspannen. Zitronengraß stärkt die Nerven und hilft bei Depressionen. Euphorisierend und aphrodisisch ist der Duft des Ylang-Ylang. Das aus den Blüten der Rose gewonnene Öl wirkt entzündungshemmend, antiseptisch, anregend und aufbauend. Bei Stress helfen die Aromaöle von Lavendel, Baldrian, Majoran, Weihrauch, Melisse, Muskatnuss und Jasmin.
Erfahrungsheilkunde
Zwar gehört die Aromatherapie zur sogenannten Erfahrungsheilkunde. Therapeutisch und kosmetisch wirkt sie wohltuend, die Resultate sind aber nicht in allen Fällen exakt nachweisbar. Wer sich selbst etwas Gutes tun will, sollte es dennoch mit Hippokrates halten: „Der Weg zur Gesundheit führt über ein aromatisches Bad und eine tägliche Duftmassage“.