Sonne? Aber sicher!
Sie ist durchsichtig, trägt aber gleichzeitig alle Farben des Regenbogens in sich. Sie reguliert die Gezeiten der Meere, die Jahreszeiten und sogar unsere Laune. Sie macht süchtig und glücklich. Wer jedoch nicht aufpasst, verbrennt sich. Warm und hell ist sie – und vor allem ist sie eines: ein Mythos.
Die Sonne und ihr wärmendes Licht sind das, um was sich alles im Leben dreht. Die Sonne ist der Mittelpunkt – nicht nur für die Planeten, sondern auch für uns Menschen. Früher wurde sie deshalb als Gottheit verehrt. Gebete, Tänze und Trommelkonzerte sollten den goldenen Ball dazu animieren, jeden Morgen von Neuem strahlend über dem Horizont aufzugehen.
Bis heute wissen wir die Sonne zu schätzen – aber auch zu nutzen. Vor allem in Sachen Schönheit. Denn ein sportlich brauner Teint ist „beautiful“. Und deshalb sind hier die wichtigsten Regeln fürs sommerliche Sonnenanbeten!
Cremige Schutzschichten
Wo Sonne ist, da fallen auch Schatten. Hier noch mal zur Erinnerung: Ungeschützter Sonnengenuss kann den Alterungsprozess der Haut beschleunigen und schlimmstenfalls Krebs verursachen. Häufiger Irrtum: Viele glauben, dass Lichtschäden vor allem durch ausgiebiges Sonnenbaden entstehen. „Das ist falsch“, warnt Dermatologe und Allergologe Dr. Herbert Kirchesch aus Pulheim. „Vor allem beim unbewussten Sonnenbad im Alltag, beim Joggen oder Stadtbummel, entstehen Schäden“, so der Experte. Sonnencremes sind daher jeden Tag Pflicht. Entweder gibt man sie unter die normale Pflege oder man wählt eine Creme, die bereits einen Lichtschutz integriert hat. Dr. Kirchesch: „Beachten sollte man nur, dass die Creme dem Hauttyp entspricht. Je heller die Haut, desto höher der Schutz.“ Die vier Hauttypen sagen aus, wie lange die Haut aus eigenen Mitteln der Sonne trotzen kann. „Generell gilt, dass hellhäutige, oft blonde oder rothaarige Menschen, empfindlicher sind als dunkle Typen. Länger als 25 Minuten ist aber niemand geschützt“, so Dr. Kirchesch.
Auf die Haut aufgetragene Sonnencremes können den Schutzzeitraum verlängern. Der Lichtschutzfaktor, abgekürzt auch LSF, gibt nämlich an, um welche Zeit der Eigenschutz der Haut durch die Creme ausgedehnt wird. Beispiel: Der Eigenschutz von Hauttyp 1 beträgt maximal 10 Minuten. Mit LSF 15 kann man diese Zeit auf maximal 150 Minuten verlängern, also 15 mal 10 Minuten. Warnung vom Profi: „Nachcremen verlängert nicht den Schutzzeitraum. Allenfalls lassen sich durch Schwitzen oder Wasser entstandene Sicherheitslücken schließen“, so Dr. Kirchesch.
Sonne mit System
Aber was genau macht Sonnenschutzprodukte aus? Sonnenprodukte enthalten entweder chemische oder physikalische UV-Filter. Letztere erkennt man am weißen Film, den sie auf der Haut hinterlassen. Sie bestehen aus mikroskopisch kleinen Partikeln, etwa Titanoxid, die sich dicht und lückenlos auf die Haut legen und die einfallenden UV-Strahlen reflektieren. Der Vorteil von physikalischen Filtern: Sie wirken unmittelbar nach dem Auftragen. Chemische Filter dagegen müssen erst in die Haut eindringen, um dort die energiereiche UV-Strahlung aufzufangen und unschädlich zu machen. Ihr Schutz beginnt zeitverzögert. Das macht es sinnvoll, Cremes mit chemischen Filtern etwa 20 Minuten vor dem Sonnenbad aufzutragen.
Was neu ist im Sonnenschutzmittelregal: Immer mehr Firmen mischen besondere Wirkstoffe in die Sonnencremes. Vitamine, Pflanzenextrakte & Co sorgen für optimale Befeuchtung der Haut und für ein angenehmes Hautgefühl. Besonders beliebt sind Produkte, die Hautschäden sofort erkennen und die Haut schon während des Sonnenbadens bei der Regeneration unterstützen.
Unabhängig von den Filtermöglichkeiten entsprechender Produkte gilt es eines zu beachten: „Man muss aufpassen, dass keine Schutzlücken auf der Haut entstehen – zum Beispiel, wenn man mit der Kleidung die Creme versehentlich wegwischt“, so Dr. Kirchesch.
Besonders verführerisch bei Trägheit: In der Sonne liegen und schlank werden. Das versprechen Produkte mit hautstraffender Wirkung. Sie nutzen die Sonnewärme als Katalysator, um fettreduzierende Wirkstoffe wie Koffein oder Algenextrakte tief in die Haut einzuschleusen. Was diese tatsächlich bewirken: Sie kurbeln den Zellstoffwechsel an und wirken damit anregend auf den Abtransport von Schlackenstoffen, etwa Wassereinlagerungen und Stoffwechselrückstände. Der Umfang reduziert sich und die Haut wirkt straffer. Abnehmen, also Fett verlieren, kann man damit allerdings nicht.
Sonnenstiefkinder
Auch vor den Haaren macht die Sonne keinen Halt. Im Gegenteil: UV-Strahlen machen die Schuppenschicht porös, Feuchtigkeit entweicht und das Haar wird stumpf und brüchig. Vorbeugen kann man mit Sonnenschutzsprays fürs Haar. Wer etwas wieder gut machen will gönnt matten Mähnen eine Kur: Hiefür einfach das Fruchtfleisch einer reifen Avocado pürieren, im feuchten Haar verteilen und nach ein paar Minuten ausspülen.
Echte Sonnen-Sensibelchen sind außerdem die Augen; die UV-Strahlen können die empfindliche Bindehaut schädigen und zu entzündlichen Reaktionen führen. Sonnenbrillen sind deshalb mehr als ein Accessoire – vorausgesetzt sie haben einen 100prozentigen UV-Schutz. Wichtig: „Dunkle Sonnenbrillen schützen die Augen nicht unbedingt besser; sie reduzieren nur das helle Licht. Ein wirklicher UV-Schutz sollte deshalb beim Kauf der Brille ausgewiesen werden“, rät der Arzt.
Böse Schwester der Sommersprosse
Sommersprossen sind ja ganz süß. Unregelmäßige, bräunliche Pigmentflecken sind dagegen ein unerwünschtes, aber leider nicht seltenes Problem. Zu häufige Sonnenbäder überreizen die Pigmentzellen. Sie geraten dadurch buchstäblich aus dem Takt und produzieren übermäßig helle und dunkle Farbstoffe. Auch weibliche Hormone (Östrogene) begünstigen die Entstehung von Sonnenflecken. Was hilft: „Whitening-Produkte“. Sie hellen die Haut mit pflanzlichen Extrakten wie Süßholzwurzel, Maul- oder Preiselbeeren auf und verhindern die Entstehung weiterer Spots, die Haut wirkt wieder frischer. Nichts desto trotz gilt, so Kirchesch: „Auch wenn es sich bei Pigmentflecken grundsätzlich um ein kosmetisches Problem handelt, sollte man bei Verfärbung oder Veränderung einen Arzt konsultieren.“
Abkühlung bei Alarmstufe Rot
Und wenn es doch passiert ist – Sonnenbrände löscht man am Besten mit kosmetischen Abkühlungsprodukten: „Eine Packung aus Magerquark zieht die Wärme aus der Haut und lässt sie abschwellen“, rät Dr. Kirchesch. Hitze und Rötung sind ein Zeichen dafür, dass sich die Haut selbst repariert. Kosmetische Streicheleinheiten wirken jetzt unterstützend. Après-Lotions enthalten beruhigende Inhaltsstoffe wie Allantonin, Pantheol, Thermalwasser, Pro-Vitamin B5 und hydratisieren die Haut mit Vitaminen und Phyto-Extrakten wie Aloe-Vera.
Geheim-Tipp: Reinen Aloe Vera-Saft in eine Sprühflasche füllen, kühl lagern und bei Rötungen den Körper damit einnebeln. Das fühlt sich an wie Fisherman’s Friend auf der Haut und kühlt wohltuend.
Richtig vorbereitet:
Sonnenschutz von innen
Um die hautschädigenden, freien Radikale zu entschärfen, braucht der Körper verstärkt Calcium, Vitamin C und E sowie Beta-Carotin, die zur Gruppe der Antioxidantien gehören. Antioxidantien, die auch als Radikalfänger bezeichnet werden, kommen in der Natur in verschiedenen Obst-und Gemüsesorten vor. Da der Bedarf über die Ernährung oft nicht ausreichend gedeckt wird, empfiehlt sich die Einnahme von speziellen Nahrungsergänzungsprodukten. Mit dieser Vorbereitung der Haut auf die Sonne sollte man rund 14 Tage vor dem ersten Sonnenbad beginnen.
Wirklich Gutes tun Sie jedoch Ihrer Haut, wenn Sie die 25 Minuten-Marke nicht überschreiten und sich dann ein schattiges Plätzchen suchen. Frisch und jugendlich wirkt eben nicht nur gebräunte Haut, sondern eben auch ein feines Hautbild – das können Ihnen auch die besten Produkte der Welt nicht mehr zurückgeben.
Vorsicht vor dem Krebs!
Bis zum 18. Lebensjahr bekommen Kinder und Jugendliche bereits 80 Prozent der UV-Strahlendosis ihres gesamten Lebens ab. Schließlich verbringen sie weitaus mehr Zeit im Freien als Erwachsene. Je intensiver die Belastung mit natürlichen oder künstlichen UV-Strahlen, dessto höher ist das Risiko, später im Leben an Hautkrebs zu erkranken. Rund 140.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu daran, mindestens 22.000 davon am besonders gefährlichen Malignen Melanom, dem so genannten Schwarzen Hautkrebs, der bei rund 3.000 Betroffenen jährlich zum Tod führt. Die sehr viel häufigeren auch als „weißer Hautkrebs“ bezeichneten Hautkrebserkrankungen bilden selten Metastasen, also Tochtergeschwülste, und sind früh erkannt heilbar.
Wer mehr über aktiven Sonnenschutz wissen möchte, erhält kostenlose Ratgeber, Sonnemützen sowie Bastel- und Malbögen sowie ein „Sonnen-Memory-Spiel bei der Deutschen Krebshilfe. Kontakt: Tel. 0228-72990-0, www.krebshilfe.de, www.unserehaut.de
Krebsvorsorge kostet nichts!
Alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren können sich alle zwei Jahre bei der Vorsorgeuntersuchung durchchecken lassen. Den Arzt dürfen Sie aussuchen, solange er als Haus- bzw. Facharzt speziell weitergebildet ist.
Alles Gute kommt von oben: Wenn die Sonne scheint, strahlt nämlich nicht nur das Lächeln, sondern auch der Teint. Sonne macht schön – vorausgesetzt man hört auf seine Haut und seinen Dermatologen. Hier sind die besten Tipps, wie Sie sicher sonnen