Der Baum der Harmonie

Schon Dichterfürst Goethe (1749-1832) war von diesem Baum fasziniert. Heute interessiert sich vor allem die Medizin für den Ginkgo. Werden ihm doch zahlreiche Heilwirkungen zugeschrieben

Es gibt wohl kaum einen Baum, der so symbolträchtig ist wie der Ginkgo. Er steht für Harmonie und Hoffnung, für Lebenskraft und Fruchtbarkeit. Apropos Fruchtbarkeit: der Baum hat zwei Geschlechter, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Botaniker sprechen von Zweihäusigkeit. Aber das ist nur eine von vielen Besonderheiten. Eine weitere: Entwicklungsgeschichtlich soll er bereits rund 300 Millionen Jahre alt sein. Botaniker sprechen von einem „lebenden Fossil“.

Holzgewächs mit Historie

Ursprünglich stammt Ginkgo Biloba aus Ostasien. In China war und ist er häufig unweit von buddhistischen Tempeln oder Klosteranlagen zu finden. Daher stammt auch sein Spitzname „Tempelbaum”. In Asien wurde auch zuerst die gesundheitsfördernde Wirkung des Ginkgo entdeckt. Nach Europa gelangte er im 18. Jahrhundert. Der deutsche Arzt und Botaniker Engelbert Kaempfer (1651-1716) entdeckte ihn in Japan.

In Europa wurden ihm viele neue Namen gegeben, beispielsweise Fächerblattbaum, Goldfruchtbaum oder Goethe-Baum. Letztere Bezeichnung hat ihren Ursprung auch in der zarten Ode an den Ginkgo, mit der der Dichter seine Liebe zu Marianne von Willemer umschrieb (siehe Gedicht). Man kennt das Gewächs aber auch unter der eher sachlich-beschreibenden Bezeichnung Silberaprikose, da die länglichen Samen in silbrigem Glanz scheinen. Die fächerförmigen Blätter erscheinen im Frühling hellgrün, werden über die Sommermonate etwas dunkler und im Herbst, bevor sie abfallen, leuchten sie gelb. Die Blätter sind zweilappig, daher der Zusatz Biloba im Namen.

Wertvolle Blätter

In den Blättern steckt auch viel von der gesundheitsfördernden Wirkung des Ginkgo. Erstmals erkannt wurde sie von der Traditionellen Chinesischen Medizin. Dort werden beispielsweise Tees verabreicht. In unseren Breitengraden gewann der Ginkgo für die Medizin erst Mitte des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Mediziner setzen auf die heilende Wirkung von so genannten Ginkgoliden und Bilobaliden. Die Blätter-Extrakte werden beispielsweise in pflanzlichen Arzneimitteln unter anderem gegen Gedächtnisschwäche, Störungen der Konzentration oder Schwindel eingesetzt (z.B. Tebonin von Dr. Schwabe als Tabletten oder Tropfen; Gingium von Hexal). Zudem verbessern Ginkgo-Präparate die Fließeigenschaften des Blutes. Sauerstoff gelangt besser in die Arterien des Kopfes; außerdem werden schädliche „freie Radikale“ gebunden (z.B. Kaveri von Lichtwer Pharma).

Ginkgo für das Wohlbefinden

Nahrungsergänzungsmittel können ebenfalls zur Unterstützung der geistigen Leistungsfähigkeit und zur Förderung der Durchblutung genutzt werden (z.B. Ginkgo-Tabletten von Herbafit). Außerdem hilft pflanzliche Nahrungsergänzung, das Gedächtnis zu stärken (z.B. Ginkgo Biloba von Vitalispharm).

Darüber hinaus findet die Pflanze in der Naturkosmetik Verwendung. Sprödem und strapaziertem Haar verhelfen spezielle Shampoos zu mehr Glanz (z.B. Logona Repair Shampoo Ginkgo). Auch die Haut kann mit einer reichhaltigen Feuchtigkeitspflege mit Ginkgoextrakt verwöhnt werden (z.B. Pflegecreme Bio Sanddorn + Ginkgo von Sante). Pflanzenessenzen aus den Gingko-Blüten sind genau das Richtige, um seinen Körper nach einem stressigen Tag wieder in Einklang zu bringen. Und genau das ist ja auch von einem Gewächs zu erwarten, das den Beinamen „Baum der Harmonie“ trägt.

Ulrike Zänger