Flotte Sohle, starker Auftritt
Oh Sohle mio! Die Stadtführung dauert noch gut zwei Stunden und es ziept, schmerzt und drückt bereits in den Schuhen. Ob bei der Tour durch die City, im Urlaub oder im Alltag – jeder dürfte schon einmal die Erfahrung gemacht haben, dass man gut beschuht besser durchs Leben läuft. Denn außer beim Schlafen tragen wir sie ständig: Hausschuhe, Sportschuhe, Lederschuhe, Sandalen, Badeschlappen. Was aber macht sie alle zu fußgesunden Schuhen für insgesamt 26 Fußknochen und eine Vielzahl von Sehnen und Bändern, die den Fuß stabil und flexibel halten? Individuell angefertigte Schuhe wären die ideale Lösung – nur leider sind die mit erheblichen Kosten verbunden. Und das ist nicht in jedem Portemonnaie drin.
Einkaufsführer
Gehen wir also vom Ladenangebot aus, und das sieht gar nicht mal schlecht aus. Die (Stein-)Zeiten, in denen Füße mit Fell oder Palmblättern umwickelt wurden, sind lang vorbei. Wenn Sie also ein paar Kriterien beim Schuhkauf beachten, wird das Paar Ihrer Wahl auch nicht drücken und Halt geben. Ausreichend Spielraum brauchen die Zehen: Vor dem längsten Zeh sollte noch ca. 1,5 Zentimeter Platz im Schuh sein. Auch die Weite muss stimmen, ansonsten besteht die Gefahr für einen Hallux valgus, den sogenannte Ballenzeh.
Zur genauen Bestimmung der Schuhgröße gibt es einen einfachen Trick: Zeichnen Sie Ihren Fußumriss auf ein Blatt Papier und legen Sie es in den Schuh. Wölbt sich das Papier vorne oder seitlich, ist der Schuh zu klein oder zu eng. Auf Absätze brauchen Sie im Übrigen nicht verzichten. Kritisch wird es nur ab vier Zentimetern Länge: Durch die einseitige Belastung auf den Vorfuß kommt es auf Dauer zu einer Aufspreizung des Fußes. Schuhe ohne Fußbett sollten unbedingt mit einer zusätzlichen Einlage ausgestattet werden, schließlich ist es für das richtige Abrollen verantwortlich. Lassen Sie sich dazu am besten im Fachhandel beraten.
Egal, welche Wahl Sie letztendlich treffen, achten Sie immer auf Qualität: Gut verarbeitete Nähte und hochwertige luftdurchlässige und atmungsaktive Materialien sprechen dafür, dass der Schuh insgesamt gut verarbeitet wurde. Investieren Sie lieber in wenige Paar Schuhe, von denen Sie lange etwas haben – Ihre Füße werden dankbar und fröhlich die Zehen von sich strecken.
Orthopäde gefragt
Problematisch wird es bei den relativ weit verbreiteten Fehlstellungen der Füße, z.B. Senk-, Platt- oder Spreizfuß. Sie werden in der Regel mit individuell angepassten und vom Orthopäden verschriebenen Einlagen, sogenannten Orthesen, behandelt. Die passgenaue Herstellung der Einlagen aus Kork, Leder, Kunststoff oder Metall berücksichtigt spezielle Druckpunkte der Füße, die durch eine Umverteilung entlastet werden müssen. Der Fuß wird dadurch gestützt und eine Verschlimmerung der Fehlhaltung vermieden. In der Regel passen sie in jeden Schuh. Sollte das mal nicht der Fall sein, passt sie Ihnen Ihr Orthopäde sicherlich gerne an. Krankenkassen tragen übrigens einen Teil der Herstellungskosten.
Hühnerauge & Dornschwiele
Unpassendes Schuhwerk, Strümpfe oder auch falsche Belastung der Füße können allerdings auch zu Verhornungen führen. Sie entstehen durch Druck und Reibung. Werden sie nicht regelmäßig abgetragen, können sie zu Hühneraugen und Dornschwielen auswachsen. Bei den ersten Verhornungen heißt es also aktiv werden, etwa mit Fußpeelings. Bei stärkeren Verhornungen zücken Sie am besten Hornhautfeile und Bimsstein, oder Sie machen sich auf zur Fußpflege. Mittels Skalpell oder Nassschleifer kann dann die Hornschicht schmerzfrei und unblutig abgetragen werden. Bedenken Sie dabei: Eine dauerhafte Entfernung ist nur möglich, wenn die Ursache behoben wird: Müssen Sie etwa berufsbedingt lange stehen oder drücken und schmerzen die Füße, egal welches Schuhwerk Sie tragen? In solchen Fällen, ebenso bei einer diagnostizierten Fehlstellung des Fußes, sollten Sie einen Orthopäden aufsuchen.
Was Sie noch gegen die unliebsamen Stellen tun können: Tragen Sie bequemes Schuhwerk und meiden Sie Hühneraugentropfen und -pflaster. Sie greifen nur die umliegenden Hautschichten an. Pflegen Sie lieber regelmäßig Ihre Füße und betreiben Sie Fußgymnastik. Das festigt die Muskulatur und beugt Fehlstellungen vor, die zu entsprechenden Reibungen im Schuh führen.
Hexisches Erbe
Anders als bei Hühnerauge und Dornschwiele gibt es bei Warzen nur eine Lösung: Der Arzt muss die anlagebedingten Hautveränderungen genau analysieren. Warzen sind nämlich eine infektiöse, durch Viren hervorgerufene Neubildung der Haut. Das macht die Behandlung um einiges komplizierter. Auf keinen Fall sollte man selbst Hand anlegen, denn das Gewebe ist durchblutet. Verletzt man die Gefäße dieser Erhebungen, kann es zu einer Viren Ausbreitung auf andere Hautbereiche kommen. Eine einzelne Warze kann auch vom Fußpfleger punktuell mit einem Salicyl-Pflaster behandelt werden. Alles weitere sollte jedoch dem Arzt überlassen werden. Warzen erkennt man übrigens an den kleinen, schwarzen Punkten.
Fußpfleger oder Arzt?
Oftmals wird die Auffassung vertreten, die Fußpflege sei in die Kategorie der nichtärztlichen Heilberufe einzugliedern. Dazu ist klar zu sagen: Die Fußpflege ist, wie das Wort schon sagt, nur für die Pflege der Füße da. Bei deutlich erkennbaren Entzündungen, Schwellungen, Durchblutungsstörungen (z. B. Krampfadern) sowie inneren und orthopädischen Erkrankungen sollte man nur den Arzt an seine Füße lassen. Definitiv dazu gehören auch Hautveränderungen, die durch Schuppenflechte (Psoriasis), Neurodermitis oder Ekzeme verursacht werden.
Sollten Sie unter einer chronischen Krankheit leiden, etwa Diabetes mellitus oder Marcumar, können Sie Ihren Fußpfleger bei seiner Tätigkeit unterstützen, indem Sie ihm vor der Behandlung Ihre Beschwerden schildern. Diabetes mellitus ist weit verbreitet und als Folge auch der diabetische Fuß. Teilen Sie ihm auch mit, wenn Sie Medikamente gegen Blutgerinnung einnehmen. Denn Hautverletzungen können in diesen Fällen schwerwiegende Folgen haben. Generell gilt: Arzt und Fußpfleger können sich optimal ergänzen. Wenn die Diagnose etwa Nagelpilzinfektion lautet, kann ein medizinischer Fußpfleger (Podologe) durch mechanisches Schleifen der Nagelplatte (Nagelabarsion) die Fußzehen auf die anschließende ärztliche Behandlung optimal vorbereiten.
Prävention gegen den Pilz
Die Zahl der Fußpilzerkrankungen steigt stetig. Hier heißt es, sofort reagieren: „Nagelpilzinfektionen heilen nicht von selbst“, betont Prof. Effendy, Chefarzt der Hautklinik an den Städtischen Kliniken Bielefeld: „Moderne medizinische Nagellacke mit dem Wirkstoff Amorolfin können sie jedoch erfolgreich bekämpfen. Das Präparat muss einmal pro Woche aufgetragen werden und kann mit einem dekorativen Lack überlackiert werden.“ Zu beachten gilt jedoch: Nur eine beginnenden geringgradige Nagelmykose kann durch eine Lokaltherapie erfolgreich bekämpft werden. Bei fortgeschrittenen Nagelpilzinfektionen wird eine zusätzlich verordnete Tablettentherapie erforderlich. Ausschlaggebend ist die Einstellung der Betroffenen: Wer die Infektion frühzeitig und konsequent behandelt, wird mit gesunden Füßen belohnt. Machen Sie also den Nagelcheck: Eine stumpfe und glanzlose Nagelplatte, weißlich-gelbe oder auch braune Flecken auf den Zehennägeln, sind Hinweise auf eine Nagelpilzinfektion. Dann sollten Sie auf alle Fälle einen Arzt aufsuchen, der Sie fachgerecht behandelt. Danach erst geht es zur Fußpflege. Das senkt das Übertragungsrisiko der Keime erheblich, die erfahrungsgemäß zu 80 Prozent über die Hände übertragen werden.
Schon die Beachtung einiger Regeln verringert im Übrigen das Nagelpilzrisiko wesentlich. Zum Basisprogramm gehören tägliche Reinigung, sorgfältiges Abtrocknen und regelmäßiges Eincremen. Präparate, die Fett und Feuchtigkeit spenden, halten die Haut geschmeidig und vermeiden Hautrisse, in die Pilz eindringen können. Hegen und pflegen Sie also Ihre Füße, schließlich spielen sie eine tragende Rolle.
Barfuss über Stock und Stein
Wenn der Rücken schmerzt und Bewegungen schwer fallen, verdächtigen die Wenigsten ihre Füße als Auslöser. Dabei bestimmen sie zu einem großen Teil unsere Körperhaltung. Mit stärkenden Übungen halten Sie Ihre Fußmuskulatur auf Trab. Besuchen Sie zum Beispiel einen Barfußpfad, etwa in Dannewalde (www.barfusspfad-dannenwalde.de). Oder erleben Sie Natur und Körper auf besonders intensive Art beim Barfusswandern im österreichischen Kleinwalsertal: Auf dem dreistündigen Barfußmarsch „ertasten“ Sie Wurzeln, Moos oder Tannezapfen, gehen durch kalte Gebirgsbäche oder über Rinde. Das sensibilisiert die Körperfunktionen und man erfährt Wissenswertes über Wildgemüse und Heilkräuter (www.kleinwalsertal.com, www.erlebniswanderungen.de).
Ein Trost für Daheimgebliebene: Einen ähnlichen Effekt auf die Fußmuskulatur bieten sensomotorische Spezialeinlagen, die der Orthopäde verschreibt. Sie kräftigen die Fußmuskeln und entstauen die Beine.
Gut beraten bei Nagelbettentzündung
Bei Verletzungen im Nagelbett können Bakterien oder Pilze unter die Haut gelangen und eitrige Entzündungsherde verursachen. Das Nagelbett ist dann gerötet und geschwollen und der Schmerz pocht. Durch die Hautdicke um den Nagel kann jedoch der Eiter schlecht abfließen und breitet sich im ungünstigen Fall unter der Haut auf Sehnenscheiden, Knochen und Gelenke aus. Häufige Ursachen sind Verletzungen während der Maniküre, aber auch unsachgemäßes Schneiden der Nägel.
Was Sie tun können
Warme Seifenbäder oder Baden in verdünnter PVP-Iod-Lösung
Auftragen einer Zugsalbe auf die geschlossene Schwellung (z.B. mit Terpentinöl)
Bei sich öffnenden und eiternden Schwellung mit Iod-Lösung desinfizieren
Wann der Arzt tun kann
Abklären der Erreger (Pilze oder Bakterien) und Verordnung eines Antimykotikums, eines Antibiotikums oder Antiseptikums (PVP-Iod)
Chirurgische Öffnung der Eiterblase– keinesfalls selbst aufschneiden!
Vorbeugung
Schneiden Sie die Nägel nie zu kurz
Achten Sie darauf, dass Sie die Nagelhaut nicht verletzen
Tragen sie Handschuhe bei der Arbeit mit Wasser und Reinigungsmitteln
Auf zarten Sohlen durch den Herbst
Die Haut an den Füßen hat wenig Talgdrüsen und wird speziell bei kaltem Wetter spröde und schuppig. Helfen Sie Ihren Füßen durch die kalte Saison!
Regelmäßige Fußbäder
weichen verhärtete Hornhaut auf und sind eine gute Vorbereitung für die Nagelpflege. Zusätze wie Kamille oder Melisse erfrischen müde Füße und regen den Kreislauf an. Massieren Sie anschließend Ihre Füße mit Cremes auf Basis von Meeresschlick-Extrakt. Das ist wohltuend und beugt Hautrisse vor, in die Bakterien leichter eindringen könnten. Vorher die Füße gut abtrocknen – auch zwischen den Zehen. Nur dann können Bimsstein und Cremes ganze Arbeit leisten. Die ideale Temperatur: 32 Grad. Die ideale Dauer: 10 Minuten.
Fußpeelings
helfen bei der Entfernung leichter Verhornungen, z.B. ein Kieselalgenerde-Peeling. Für besonders beanspruchte Füße kann auch ein Spezialpeeling aus Meersalz und Olivenöl angerührt werden: Vermengen Sie 5 EL Meersalz so lange mit dem Öl, bis eine streichfähige Masse entsteht. Lassen Sie die Mixtur auf rauen Stellen gut einwirken. Stark verhornten Stellen an Ballen oder Ferse können Sie mit einer halben Zitrone zu Leibe rücken: Die natürliche Zitronensäure löst die Hornhaut schonend.
Fußgymnastik
wirkt durchblutungsfördernd, steigert die Beweglichkeit der Zehen und kräftigt die Fußmuskulatur. Folgende Grundübung lässt sich ohne großen Aufwand machen – wenn möglich mehrmals am Tag: Stellen Sie sich etwa beim Zähneputzen auf die Zehenspitzen und lassen sie die Füße 10x nach links und 10x nach rechts kreisen ohne die Fersen aufzusetzen.
Expertenrat: Diagnose Nagelpilz
Dr. Dieter Reinel kommentiert die häufigsten Ammenmärchen zur Behandlung einer Volkskrankheit.
Socken und Schuhe ins Eisfach, denn Kälte tötet Pilze.
„Nagelpilzerreger sind unempfindlich gegen eisige Temperaturen. Man kann zwar versuchen, Schuhe mit Anti-Pilz-Puder zu desinfizieren, eine 100-prozentige Garantie gibt es aber nicht. Socken und Handtücher immer heiß waschen, mindestens bei 60, besser bei 90 Grad. Falls das nicht möglich ist, vor der Maschinenwäsche in ein desinfizierendes Wäschebad einweichen lassen.“
Nagelpilz kann mit Peelings, Cremes und Fußbädern weggepflegt werden.
„Nagelpilz heilt nicht durch kosmetischer Produkte. Er muss immer mit Arzneimitteln behandelt werden. Hilfe bringt z. B. medizinischer Nagellack mit dem Wirkstoff Amorolfin. Eine gute Pflege der Füße ist jedoch wichtiges Mittel zur Vorbeugung.“
Einfach warten, bis der infizierte Nagel ausgewachsen ist.
„Ein Nagelpilz heilt nie von alleine. Wird er nicht behandelt, kann das sogar zur vollständigen Zerstörung des Nagels führen.“
Naturheilmittel oder selbstgemachte Tinkturen, z. B. mit Olivenöl und Zitrone, wirken gegen Nagelpilz.
„Gegen Nagelpilz wirken nur spezielle Arzneimittel wie medizinische Nagellacke oder spezielle Tabletten. Nur sie können tief genug in den Nagel eindringen und dort die Pilze abtöten. Das schaffen weder Fußpilzmittel, noch Naturheilmittel oder selbstgebraute Mittel aus der Hausapotheke. Zwar haben manche Öle eine Anti-Pilz-Wirkung, sie erreichen aber keinesfalls die gleiche Wirkung.“
Nur wer sich nicht anständig pflegt, bekommt einen Nagelpilz.
„Das ist falsch, jeder kann sich anstecken: Pilze lauern zum Beispiel an allen feuchtwarmen Orten. Besonders anfällig sind Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem, Diabetes oder eine Durchblutungsstörung haben.“
Gegen Nagelpilzinfektionen helfen Antibiotika.
„Antibiotika heilen keine Nagelpilzinfektionen, nur so genannte Antimykotika. Wirksame Arzneimittel dieser Art sind z. B. medizinische Nagellacke. Ist der Nagel zu mehr als 50 Prozent betroffen, ist eine Kombination aus Nagellack und Tabletten notwendig.“
Die Desinfektionsdusche im Schwimmbad beugt vor.
„Die notwendige Einwirkzeit des Desinfektionsmittels wird nur selten beachtet. Gerade in ihrer Umgebung können sich außerdem viele Pilzerreger aufhalten. Werden nach der Anwendung schlecht abgetrocknete Füße in Strümpfe und Schuhe verpackt, greift das Desinfektionsmittel im Zweifelsfall sogar noch die Hautbarriere an und erleichtert Pilzen das Eindringen in Haut und Nagel.“
Medizinische Nagellacke sind schädlich, da sie mit Nagellackentferner entfernt werden müssen.
Bild: Shutterstock
Autor: Ann-Karin Heyer
Aus: Body&Mind, Ausgabe 4/2009
Unsere Füße haben viel zu tun: Im Laufe unseres Lebens tragen sie uns ungefähr einmal um den ganzen Erdball. Dabei läuft Ihnen so manche Schwiele und auch der eine oder andere Pilz über den Weg – doch beides kann verhindert werden