Praxis-Serie: Frauenheilkunde
Was Frau gesund und stark macht!
Es gibt also genug Gründe, sich mehr auf „Sie“ zu konzentrieren. Erfahren Sie selbst in unserer Gesundheitsreihe für die Frau, welche Naturheilverfahren effektiv gegen bestimmte Frauenleiden wirken. Der langjährig praktizierende Heilpraktiker Manfred Backhaus gibt Ihnen dafür wertvolle Tipps.
In dieser Ausgabe: Die in der kalten Jahreszeit häufig auftretende Blasenentzündung und ein Thema, das jede Frau betrifft, Bluthoch- beziehungsweise -niederdruck.
Blase entzündet!
Frauen erkranken wesentlich häufiger an Blasenentzündungen als Männer. Der Grund dafür ist einfach. Die Harnröhre der Frau ist nur 2,5 cm lang, die männliche immerhin 15 bis 20 cm. Durch die kürzere Harnröhre der Frau wird es den Krankheitskeimen außerdem viel leichter gemacht, in die Blase einzudringen. Hinzu kommt, dass der weibliche Geschlechtsbereich geradezu eine Brutstätte für Bakterien ist. Sie haben vor allem dann leichtes Spiel, wenn der Unterleib schlecht durchblutet ist und die Abwehrkräfte dadurch schwächer werden. Das ist besonders bei kaltem Wetter im Herbst und Winter der Fall. In dieser Zeit klagt jeder dritte Frau über Blasenbeschwerden.
Symptome beachten
Die ersten Anzeichen sind verstärkter Harndrang und Brennen beim Wasserlassen. Hinzu kommen meist noch Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Fieber, eine belegte Zunge und Augenränder. Gefährlich wird es, wenn auch noch Kreuzschmerzen auftreten. Dann hat die Entzündung wahrscheinlich das Nierenbecken erreicht. Um chronische Beschwerden zu vermeiden, sollte spätestens jetzt ein Arzt aufgesucht werden.
Und so können Sie sich helfen
Vor allem in der kalten Jahreszeit können Sie sich mit entsprechend warmer Kleidung und Schuhwerk helfen. Gegen die brennenden Schmerzen beim Wasserlassen und den ständigen Harndrang haben sich besonders Bärentraubenblätter bewährt. Hiervon einen Kaltauszug machen, anschließend den Tee auf Trinktemperatur erwärmen und dann mindestens zwei Tassen täglich trinken. Hilfreich ist auch eine Teemischung aus Birkenblätter, Hauhechelwurzel und Goldrutenkraut. Bereiten Sie davon einen Aufguss zu und trinken Sie drei Tassen täglich.
Überhaupt sollte bei einer Blasenentzündung mindestens drei Liter am Tag getrunken werden. Nur so können Bakterien auch schnell wieder aus der Blase herausgespült werden. Das ist der erste Schritt zur Heilung. Empfehlenswert für eine Trink-Kur sind Heilwasser, vor allem Wasser mit Kalzium- und Natrium-Kalzium-Karbonat. Davon sollten Sie etwa sechs Wochen lang morgens, mittags und abends vor und nach den Mahlzeiten jeweils ein großes Glas trinken. Neigen Sie zu Blasenentzündungen, trinken Sie präventiv täglich drei Liter Flüssigkeit.
Gerade beim Geschlechtsverkehr werden Bakterien vom äußeren Schambereich in die Blase befördert. Lassen Sie ihnen keine Chance und trinken Sie im Anschluss einen Viertel bis einen halben Liter Flüssigkeit, am besten Wasser mit wenig Natriumanteil. Natrium sorgt dafür, dass das Wasser im Körper gespeichert wird, das soll in diesem Fall jedoch vermieden werden. Durch die Blase eingedrungene Bakterien werden so wieder ausgespült.
Wer sich schlapp und müde fühlt, sollte unbedingt im Bett bleiben und sich warm halten. Am besten zusätzlich alle halbe Stunde Kartoffelbreipackungen auf die Blase zu legen. Kochen Sie dazu Kartoffeln in der Schale gar und zerdrücken Sie sie anschließend zu einem Brei. Schlagen Sie diesen Brei in ein Handtuch ein und legen Sie die Packung so heiß, wie Sie es vertragen können, auf die Blasengegend. Legen Sie dann ein trockenes Zwischentuch darüber und anschließend eine Bettdecke. Schnelle Linderung können auch Heublumenabkochungen als Sitzbad bringen. Anschließend schnell ins Bett und gut warm halten! Packen Sie am besten noch ein Heizkissen oder eine Wärmflasche auf die Blasengegend.
Sehr nützlich ist auch, wenn Sie der Blase über die Reflexzonen des Rückens Wärme zuführen. Hierzu am besten wärmende Rheumasalben im Bereich der Lendenwirbelsäule einreiben. So wird auch die Blase besser durchblutet, die Widerstandsfähigkeit der Blasenschleimhaut nimmt zu, und Bakterien haben es schwer. Gegen das Brennen beim Wasserlassen sind auch Sitzbäder mit Kamille sehr wirksam. Auch hier sollten Sie anschließend Bettruhe halten.
Bluthochdruck (Hypertonie)
Bluthochdruck ist heimtückisch, denn lange merkt man nichts von seinem Leid. Im Gegenteil: Man fühlt sich vital und schaut aus wie das blühende Leben. Kein Wunder, denn alle Blutgefäße des Körpers werden reichlich mit Blut und dadurch auch mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Zu reichlich, denn durch den zu hohen Druck, der in den Blutgefäßen entsteht, können Adern platzen und ein Schlaganfall oder auch Herzinfarkt entstehen. Aber was bestimmt nun den Bluthochdruck?
Der Bluthochdruck ist abhängig von der Kraft, mit der das Herz die Blutmenge in die Adern drückt. Erfahrungsgemäß sollte der Bluthochruck bei einem 18- bis 25jährigen nicht höher als 120/80 mmHg, bei 40- bis 60jährigen nicht höher als 140/90 mmHg und bei über 60jährigen nicht höher als 150/90 mmHg sein. Bei höherem Druck wird das Gefäßsystem überstrapaziert, und das Risiko nimmt zu. Achten Sie also immer auf die ersten Warnzeichen eines hohen Blutdrucks und begeben Sie sich sofort in Behandlung. Die Naturheilkunde kennt eine Reihe sehr wirksamer Heilmethoden, mit denen Sie auch ohne Chemie Ihren Bluthochdruck auf unschädliche, aber nachhaltige Weise in den Griff bekommen können.
Symptome beachten
Gedächtnisschwäche, Konzentrationsschwäche, Schlaflosigkeit, Unruhe, Reizbarkeit, Schwindel, Atemnot, Kopfschmerzen, Nasenbluten, aber auch innere Unruhe, Schlafstörungen und Wetterfühligkeit sind oft Hinweise auf Hypertonie.
Und so können Sie sich helfen
Reduzieren Sie Ihr Übergewicht. Jedes Gramm zuviel ist Belastung für Herz und Kreislauf und begünstigt Durchblutungsstörungen.
Essen Sie viel Vollkornbrot, frische Salate, Obst und Gemüse. Würzen Sie fleißig mit Knoblauch, das schützt die Gefäßwände vor Ablagerungen, kräftigt das Herz und senkt den Blutdruck. Vermeiden Sie weißes Mehl und Zucker, da dadurch Ablagerungen in den Blutgefäßen gefördert werden können. Vermeiden Sie auch alle sichtbaren Fette in der Nahrung und essen Sie nur wenig Fleisch. Alle 14 Tage sollten Sie einen Reis-Fastentag einlegen. Damit werden Sie überflüssiges Kochsalz los und senken den Blutdruck. Verzichten Sie auf Kaffee und schwarzen Tee und trinken Sie statt dessen Kräutertees. Bewährt hat sich eine Mischung aus Mistel, Weißdornblüten, Birkenblättern, Arnikablüten, Melisse, Gänsefingerkraut und Rauwolfiawurzel. Sehr wirksam sind auch Säfte aus Artischocken, Wacholderbeeren oder Pflanzen mit natürlichen Bitterstoffen. Auch gut ist die kurmäßige Einnahme von Magnesium. Das senkt nicht nur den Blutdruck und die Blutfettwerte, sondern hält auch die Adern frei und kräftigt das Herz.
Vermeiden Sie alle ruckartigen Kraftanstrengungen. Schon das angestrengte Öffnen einer Saftflasche kann die Pumpleistung des Herzens derart vergrößern, dass es zur Gefahr für überbelastete Blutgefäße wird. Meiden Sie sportliche Übungen, die den Puls zu stark beschleunigen. Dazu gehört die morgendliche Liegestütze und Kniebeugen wie sportliche Trimmübungen auf Trimmpfaden. Bevorzugen Sie Trainingsarten die den Körper gleichmäßig belasten und die Ausdauer fördern. Schwimmen, Fahrrad fahren oder Skilanglauf sind ideal.
Niedriger Blutdruck (Hypotonie)
Im Gegensatz zu Hochdruckpatientinnen haben Frauen mit niedrigem Blutdruck meist dauerhafte Beschwerden. Besonders magere, hochaufgeschossene Frauen neigen zu einem niedrigen Blutdruck und haben aufgrund ihrer Körpergröße Probleme mit der ausreichenden Sauerstoffversorgung des Kopfes.
Niedriger Blutdruck ist oft anlagebedingt. Mitunter kann er aber auch Folge von Krankheiten sein. Fieber kommt hier ebenso in Frage wie eine Unterfunktion der Schilddrüse. Auch eine dauerhafte Herz- oder Kreislaufschwäche kann zu niedrigem Blutdruck führen.
Symptome
Anlaufschwierigkeiten am Morgen, Schwindelanfälle, häufige Kopfschmerzen und Müdigkeit trotz ausreichendem Schlaf, Abgeschlagenheit, kalte Gliedmaßen, Übelkeit und mitunter Ohnmachtsanfälle sind typische Symptome bei Hypotonie.
Uns so können Sie sich helfen
Kurbeln Sie gleich nach dem Aufstehen Ihren Kreislauf an. Bürsten Sie Ihren Körper immer Richtung Herz, bis eine leichte Hautrötung entsteht. Anschließend sollten Sie circa eine Minute lang heiß und danach ca. 15 bis 20 Sekunden kalt duschen.
Auch Anstrengung ist wichtig. Treiben Sie also viel Sport! Ideal sind Rudern, Hanteltraining, Waldlauf mit Spurteinlagen oder Tennis. Wer einen Garten zur Verfügung hat, kann jeden Morgen Taulaufen im nassen Gras machen. Wenn nicht, erfüllt die Badewanne auch den Zweck. Etwa knöchelhoch mit kaltem Wasser gefüllt, kann man darin wunderbar 30 bis 60 Sekunden lang im Storchenschritt hin und hergehen. Wirkung zeigt auch mehrmals täglich ein kaltes Armbad. Dazu reicht schon ein Waschbecken. Tauchen Sie die Arme bis zur Mitte des Oberarmes für etwa dreißig Sekunden in das Wasser. Für ein anregendes Rosmarinbad, am besten zweimal pro Woche, zwei Esslöffel Rosmarinblätter auf einen Viertelliter kaltes Wasser geben, den Sud erhitzen, zehn Minuten ziehen lassen und abseihen. Danach ins Badewasser gießen.
Wichtig ist natürlich auch die richtige Ernährung. Achten Sie auf vitamin- und vitalstoffreiche Nahrung und trinken Sie nach dem Essen ein Gläschen Weißdornsaft. Das stärkt das Herz und aktiviert den Blutfluss. Rosmarintee ist im Übrigen kreislaufaktivierender als Kaffe oder schwarzer Tee, und zwar so sehr, dass Sie am Nachmittag den Konsum einschränken sollten. Und zu guter letzt: Halten Sie immer ein Fläschchen mit homöopathischen Kampfertropfen parat. Wenn Sie sich besonders schlapp und müde fühlen, geben Sie davon einige Tropfen auf die Zunge und reiben sich auch etwas an die Schläfen und unter die Nase. Schon bald werden Sie sich wieder fit fühlen!
Von Blasenerkrankungen bis Durchblutungsstörungen, von PMS bis zu Hautproblemen: Wenn Frau krank wird, ist das anders als bei Ihren männlichen Zeitgenossen. Kein Wunder, der weibliche Körper unterscheidet sich nicht nur äußerlich, er funktioniert auch in vielen Bereichen anders. Da hilft auch nicht immer der Gynäkologe. Frauen benötigen generell eine andere Medizin!