Heilkräuterlexikon

Weissdorn - Der Seelentröster

Ob als Schutz vor Hexen oder als Waffe – Weißdorn musste im Lauf der Zeit schon für recht kuriose Zwecke herhalten. In der Naturmedizin ist er eine eher junge Heilpflanze. Dabei leistet er nicht nur bei Herzbeschwerden, sondern auch bei seelischen Problemen ausgezeichnete Dienste

In der Blütezeit im Mai sieht er aus wie eingeschneit, daher hat er seinen Namen: der Weißdorn, im Volksmund auch Mehlbeere, Mehldorn, Hagedorn oder Knickdorn genannt. Über 500 Jahre alt kann der unscheinbare Strauch aus der Familie der Rosengewächse werden. Er gedeiht entlang von Wegen, Feldern und auf Bergabhängen und wird gerne als Hecke gepflanzt. Die weißen Blüten verwandeln sich bis Oktober in kugelförmige, zwölf Millimeter große scharlachrote Früchte. Roh sollten Sie ihren Verzehr allerdings lieber den Vögeln überlassen, die den Weißdorn zudem trotz seines unangenehmen Geruchs als sicheren Nistplatz schätzen.

Baldrian fürs Herz

Die Blätter und Blüten werden von Mai bis Juni, die Früchte von August bis Oktober gesammelt. Bei Husten, Erkrankungen der Harnorgane, epileptischen Anfällen und in den Wechseljahren können sie in Form von Tees, Tinkturen und Umschlägen eine wertvolle Hilfe sein. Das Haupteinsatzgebiet des „Herzensfreunds“ Weißdorn sind aber Herzbeschwerden. Egal ob hoher oder niedriger Blutdruck, Herz- und Kreislaufschwäche oder Arterienverkalkung, die im Weißdorn enthaltenen Flavonoide wirken beruhigend auf das Herz und weiten die Gefäße. Sogar auf die Psyche hat er heilende Wirkung. Bei ständiger Unruhe, Schlafstörungen, Angstzuständen, Nervosität und Depressionen kann Weißdorn eine natürliche Alternative zu Psychopharmaka sein.

Schutz vor Hexerei

Es gibt kaum einen Zweck, den der Strauch im Laufe der Jahrhunderte nicht schon erfüllt hat. Schon die Germanen grenzten ihr Land mit den stacheligen Weißdornsträuchern ein. Daher auch der Name Hagedorn (hag = dorniges Gebüsch). Später dienten Weißdornzweige über der Stalltür als Schutz vor Hexerei und wurden ins Johannisfeuer geworfen, um Hexen und Dämonen abzuhalten. Die Griechen dagegen, eigentlich der Heilkunst kundig, nutzten das harte Holz mit seinen starken Dornen weniger in gesundheitsfördernder Absicht denn als Waffe. Nicht zuletzt spielte der Weißdorn eine wichtige Rolle in der Arme-Leute-Küche. Als billiges Obst wurden die Früchte in Notzeiten zu Marmelade oder Mus eingekocht. Mit Apfel oder Holunderbeeren gemischt, ist Weißdornbrei aber durchaus auch heute noch zu genießen.

Wenn Sie demnächst auf die Suche nach dem dornigen Strauch gehen sollten, achten Sie darauf, ihn nicht mit dem Schwarzdorn (Schlehe) zu verwechseln. Dieser trägt schwarze Früchte. Bei der Verwendung können Sie nicht viel falsch machen: Der Weißdorn ist sehr gut verträglich, Neben- und Wechselwirkungen sind nicht bekannt.

Jutta Maier