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Heilkräuterlexikon

Die Schlüsselblume

Wenn Sie dieser Tage durch Wald und Wiesen gehen, leuchtet ihnen hoffentlich die gelbe Schlüsselblume entgegen. Sie macht im wahrsten Sinn des Wortes Stimmung für den Frühling

SchluesselblumeHildegard von Bingen war sich ganz sicher: „Dieses Kraut empfängt hauptsächlich von der Kraft der Sonne seine Kräfte. Daher unterdrückt es die Melancholie im Menschen.“ Vielleicht ist aber einfach nur der Umstand, dass die Schlüsselblume eine Vorbotin des Frühlings ist, und zu dieser Zeit verschwindet eine Winterdepression normalerweise ohnehin.

Vom Himmel gefallen

Kelten und Germanen freuten sich sehr, wenn sie die gelben, schlüsselförmigen Blüten von Primula Veris nach einem langen Winter zu Gesicht bekamen. In Zeiten des Christentums erhielt die zur Familie der Primeln gehörige Blume auch den Namen Petrusblume oder Himmelsschlüssel. Man stellte sich vor, wenn Petrus aus Versehen seinen Schlüssel zur Himmelspforte verloren hätte und dieser auf die Erde fiele, würden Schlüsselblumen aus dem Abdruck sprießen.

Wenn Sie in diesen Tagen auf die „Pirsch“ gehen, suchen Sie am besten auf Wiesen und in lichten Wäldern nach der Primelart, denn dort ist sie zu finden. Wenn Sie das Pflänzchen pflücken, dann nicht nur die Blüten, denn auch der Wurzelstock lässt sich die Zubereitung von Tees oder Aufgüssen verwenden.

„Wäscht“ nicht nur sauber...

Homöopathen verwenden die oberirdischen Teile blühender Pflanzen bei Neuralgien, Migräne, Rheuma- und Gichtschmerzen. Für letztere setzte auch Pfarrer Kneipp die Schlüsselblume ein. In der Phytotherapie werden auch Herzschwäche, Schlafstörungen und Nervosität mit ihren Extrakten bekämpft. Hauptwirkstoffe sind ätherische Öle und Saponine. Diese kennen Sie auch unter der Bezeichnung Tenside. Sie setzen die Oberflächenspannung von Wasser herab und sind darum auch ein Bestandteil von Waschmitteln. In einer Pflanze wirken sie funghizid, töten also Pilze ab.

Erwecken kann die sonnige Schlüsselblume jedoch auch – und zwar ihre Frühlingsgefühle. In Siebenbürgen (im heutigen Rumänien), heißt es, dass eine unverheiratete Frau, die in der Karwoche eine Schlüsselblume fand, noch in demselben Jahr den Mann heiraten würde, den sie liebte.

Martin Brückner