Heilkräuterlexikon

Fenchel: Goldige Dolde

Schon unsere Vorfahren kauten Fenchel, etwa um unliebsame Magengeräusche während der Sonntags-Predigt zu unterdrücken. Nicht nur hierzulande, überall auf der Welt nutzten früher die Menschen die wohltuenden Eigenschaften des Doldenblütlers. Sie sollten es auch wieder tun – zumal er gerade in diesen Tagen so leicht zu finden ist

Populär ist er, der Fenchel, nicht nur in flüssiger Form. Kaum jemand, der nicht schon einmal die Kräuter als Tee genossen hätte, um schwer Verdaulichem den Wind aus den Segeln zu nehmen. Doch auch die meisten Küchen verwenden ihn neben Salz und Zucker als eines ihrer ersten Gewürze. Die indischen Hindi kennen nur ein Wort, „saunf“, für Anis und Fenchel. In der indonesischen Küche ist Fenchel eine Unterart des „jintan manis“, des süßen Kreuzkümmels. Franzosen und Russen werfen mit ihrem „aneth doux“ oder „sladkiy ukrop“ „süßen Dill“ in den Topf, wenn sie die goldgelbe Dolde meinen.

Süß oder würzig

Sein süßlicher Geschmack verleiht insbesondere der italienischen und französischen Küche besonderen Pfiff. Als Bestandteil der „Kräuter der Provence“ harmoniert er besonders gut mit Fisch und Meeresfrüchten. Die Italiener bevorzugen kleine Mengen der, auch in getrocknetem Zustand grünen, Samen in Marinaden, Würsten und manchen Pasta-Saucen. Fenchel ist aber auch ein wichtiger Bestandteil des chinesischen „Fünf-Gewürze-Pulver“ oder des bengalischen „panch phoron“. In Indien werden die Samen von der aus vielen kleinen gelben Blüten zusammengesetzten Dolde zudem häufig trocken angeröstet. Der Geschmack ist dann weniger süß, eher würzig. Und auch als gedünstetes Gemüse hat er inzwischen jede Menge Fans. Die anspruchslose bis zwei Meter hohe Pflanze wächst an trockenen, felsigen Abhängen, am Wegesrand oder auf trockenen Wiesen. Wenn Sie in einer Weinregion leben, sollten Sie seine gelben Blüten auf jeden Fall schon haben leuchten sehen.

Ätherisch gut

Mit was auch immer er gekocht, geschmort oder gebraten wird, des Fenchels Heilwirkungen sollten dabei nicht vergessen werden. Seine ätherischen Öle stillen Krämpfe im Magen- und Darmbereich und helfen bei Gastritis ebenso wie bei Verstopfung. Als Tee genossen wirkt der Fenchel schleimlösend, harntreibend und drüsenanregend. Als Aufguss äußerlich angewendet lindert er Rheumatismus und Ausschläge.

Dass die Heilpflanze, richtig zubereitet, nicht nur auf altbekannte Weise wirkt, wissen Portugiesinnen und Portugiesen zu schätzen: Aus Portwein bereiten sie durch Zusatz von Fenchel ein alles andere als beruhigendes Potenzelixier (siehe rechte Seite).

Stephan Kraatz