Wellness-ABC
Chi Gong (Qi Gong)
„Den Kopf wiegen und mit dem Hinterteil wackeln, um das Feuer des Herzens zu beruhigen“ oder „Mit beiden Händen den Himmel stützen, um den dreifachen Erwärmer zu regulieren“ – wer jetzt lacht, wird von Asiaten nur ein mitleidiges Lächeln ernten. Denn bei den Anweisungen handelt es sich um zwei Übungen der „Acht Brokate“. Das sind acht Chi Gong-Übungen, die seit Jahrhunderten zur Gesundheitsförderung und Lebensverlängerung in Asien überliefert werden. Ihren Namen haben sie erhalten, weil sie so kostbar sein sollen wie die feine Brokatseide der chinesischen Kaiser.
Energie zum Fließen bringen
Chi Gong, auch Qi Gong geschrieben, ist eine wichtige Behandlungsmethode in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Übersetzen lässt sich der Begriff mit „ständiger Arbeit an der Lebensenergie“. Die TCM geht davon aus, dass diese Energie im Körper in bestimmten Bahnen fließt, den Meridianen. Stellen die Ärzte Störungen in diesem Energiefluss fest, die auf Dauer krank machen, soll das Chi mit entsprechenden Übungen wieder zum Fließen gebracht werden. Sie bestehen aus weichen Bewegungen, die durch Atmung, Körperentspannung und Meditation unterstützt werden.
Der Legende nach ist Chi Gong vor 5000 Jahren in China entstanden, als sich das Klima dort so stark veränderte, dass die Menschen krank wurden. In ihrer Verzweiflung warfen sie sich vor Gott nieder und bemerkten, dass sich durch wiederholte Bewegung ihr Zustand verbesserte. Die ältesten schriftlichen Hinweise auf die Übungen finden sich in einer Sammlung medizinischer Ratschläge, die der Arzt Qi Bo für den chinesischen Kaiser Huang Di um 2600 vor Christus aufgeschrieben hat.
Tiere nachahmen
Doch das heilsame Wissen blieb nicht auf die Kaiserfamilie beschränkt. Heute ist Chi Gong eine Volksbewegung in Asien, denn es dient auch der Vorbeugung. Die Übungen harmonisieren Atmung und Bewegung. Das fördert Konzentration und innere Ruhe, was sich wiederum positiv auf das seelische und körperliche Befinden auswirkt. Im traditionellen Chi Gong sind Übungen nach Tieren benannt, die entsprechend ihren Eigenschaften den fünf Elementen zugeordnet sind. So steht der behäbige Bär für die Erde, der Kranich für Metall, der flinke Affe für das Wasser, der starke Tiger für Holz und der dynamische Hirsch für Feuer. Bei den Übungen werden die Bewegungen der Tiere nachgeahmt.
Grundlage aller Chi Gong-Übungen ist die Arbeit mit dem Atem. Durch sanftes Dehnen des Körpers oder bestimmte harmonische Bewegungen soll der Energiefluss in den Meridianen angeregt werden. Wichtig sind langsames tiefes Atmen, Bewegung, Stille und Konzentration. Es gibt Übungen im Liegen, im Sitzen, im Stehen und im Gehen. Im Liegen oder Sitzen können auch kranke und schwache Menschen diese Bewegungskunst ausüben. Es wird dann „stilles Chi Gong“ genannt. Das bedeutet, dass die Übungen hauptsächlich in der Vorstellung ausgeführt werden, ohne sich dabei zu bewegen. Die Körperenergie wird dabei mental gelenkt.
Mit allen Übungen kann man das Immunsystem stärken. Die TCM setzt sie auch bei Bronchitis, Asthma, Neurodermitis, Schlaflosigkeit und Nervosität sowie bei psychosomatischen Störungen ein. Kurse in Chi Gong werden an vielen Volkshochschulen angeboten. Besondere Kleidung ist nicht erforderlich, aber sie sollte möglichst bequem sein und nicht einengen.